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19.12.1980

Normaljahr

Daten- und Telekommunikation gilt als einer der größten und zukunftsträchtigsten Märkte. Was läge näher, in einem Jahresrückblick auf "Datex-P" und "Bildschirmtext" hinzuweisen. Doch betrachtet man die sogenannten neuen Dienste der Deutschen Bundespost bei Lichte, muß man feststellen, daß sie keineswegs Aktivposten in der 1980er Bilanz darstellen: Um X.25 und Btx wurde zwar viel Wirbel gemacht - für den zukünftigen Benutzer springt dabei jedoch herzlich wenig heraus. Sollte der gar nicht gefragt worden sein, wie er sich Informationsverteilung im Systemverbund vorstellt?

Immerhin: Mit dem Telekommunikationsrummel, der 1980 den DV-Tourismus ankurbelte (Online 80, Telecom 80), kam auch eine neue Mode- die Pilotenkluft. Da wird in dem Projekt "Pilotanwendungen des öffentlichen Datenpaketvermittlungsdienstes für den Verbund zwischen Service-Rechenzentren und RZ-Kunden" - kurz "PAPA" - mit Fördergeldern der "freie" Datenverkehr geprobt, während gleichzeitig die Bundespost mit der Implementierung der IBM 3270- und Siemens 8160-Protokolle demonstriert, für wie "offen" sie den Datenkommunikationsmarkt hält.

Beträchtliche Bedeutung für die öffentliche Diskussion hatte 1980 auch der Mikroprozessor, der einmal mehr die "Silikonerne Zitrone" für seine Rolle in dem Horrorfilm "Jobkiller" erhielt.

Zum Reizthema "Mikroelektronik und Computerisierung" nur soviel: Der Computer- ob Mikro Mini oder Mainframe - wäre keiner, wenn er nicht Arbeitsplätze vernichtete. Wer würde nicht an das Ein-PS-Zugtier erinnert, das die Motorisierung zum Freizeitkameraden gemacht hat.

Mit der Produktion von Arbeitslosen - teils im eigenen (Fertigungs-)Bereich, teils bei den Anwendern - kommt zumindest die DV- und Elektronik-Branche (noch) ganz gut über die Runden - und mit diesem Effekt wird sie auch in Zukunft leben müssen. Freilich ist längst nicht geklärt, inwieweit die Gesellschaft das computertechnisch Machbare für wünschenswert hält. Geholfen ist indes niemandem, wenn der "fixe Idiot" Computer von seinen Vätern als nützlicher "lntelligenz-Verstärker" verkauft wird, dem sich "der technikfeindliche Mensch" als Haupthemmnis entgegenstellt. An diesem Punkt beginnt die gesellschaftliche Verantwortung der Datenverarbeiter. Diese können sich auf Dauer nicht in die Vogel-Strauss-Haltung flüchten und sich begnügen, den "richtigen" Job zu haben.

Aber auch dies muß gesagt werden: Einmal mehr machte die Computer Industrie vor, was Wachstum heißt. Für das Jahr 1980 meldeten IBM & Co. Umsatzsteigerungen zwischen fünf und 50 Prozent.

Gewohntes Bild für die Anwender: Hardware Neuankündigungen lieferten die meisten Schlagzeilen. Und auch 1980 verlief der Trend zu mehr KB und mehr Komfort- verbunden mit Preissenkungen für sämtliche Rechnerkomponenten durch alle Computerklassen. Bald gibt's die Hardware zum Nulltarif. Dafür wurde bei der Software kräftig draufgeschlagen. Das kennt man ja aus der Gastronomie, die an "geistigen" Getränken verdient, um den Menü-Preis halten zu können. Der Vergleich hinkt natürlich.

Als Kost-Gänger hat man wenigstens die Möglichkeit, den Freßtempel zu wechseln, wenn einem der Koch eine zu starke Salzhand hat.

Die DV-Anwender haben indes noch jeden Software-Schwenk der Hersteller mitgemacht - was bleibt ihnen auch anderes übrig.

Wie abhängig die Benutzer vom Hersteller sind, wurde an der IBM 3081-Ankündigung deutlich. Der Marktführer präsentierte nämlich nur die nackte Hardware - ohne eigenes Betriebssystem. Was softwareseitig noch kommt, blieb im dunkeln. 1980- ein Normaljahr.