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13.04.1984

Normen für Datenkommunikation müssen Praxistest bestehen

Für den Anwender wirkt sich das Normungsabkommen der europäischen DV-Anbieter vorteilhaft aus. So erwarte ihn unter anderem eine breitere Angebotspalette, konstatiert Gerd Vogt, Geschäftsführer eine Essener OSP Metra. Gleichzeitig warnt er Jedoch vor der Abschotten eines europäischen Marktes im Sinne der EG Agrarpolitik. Rolf Breitsprecher, Systemmanager der Nord-West Ingenieurgesellschaft mbH, hofft langfristig auf eine wirklich herstellerneutrale Standardisierung im Bereich der Datenkommunikation. Seiner Meinung nach würde sich eine solche Regelung unter anderem auch kostendämpfend auswirken. Die Marktdominanz von IBM werde allerdings so leicht niemand aushebeln, glaubt Helfried Plenk, Geschäftsführer der Salzburger Sparkassen. Einem losen und auf Regierungssubventionen angewiesenen Kooperationsvertrag gibt Plenk nur ganz geringe Chancen. kul.

Helfried Plenk Direktor-Stellvertrerter Salzburg Sparkasse, Geschäftsführer des Rechenzentrums der Salzburger Sparkassen

Brechen wird die Marktdominanz von Big Blue aller Voraussicht nach so direkt und schnell wohl niemand - am allerwenigsten ein loser und auf Regierungssubventionen angewiesener Kooperationsvertrag der ach so einigen europäischen DV-Industrie. Für den Anwender wären einheitliche, europaweite Normen aller wesentlichen europäischen Hersteller allemal interessant. Gewichtig ist allerdings immer noch das Wort, welches auch die nationalen Postbehörden trotz aller ISO- und CCITT-Empfehlungen (und eben nur Empfehlungen) mit- (oder eben nicht mit-) reden werden. Die Tendenz ist daher freundlich abwartend.

Da die Probleme beim langjährigen Anwender heute zwar schwierig, zum Großteil jedoch gelöst sind, also immer nur neue Systeme und Komponenten in meist bestehende Netzwerke eingebunden werden müssen, ist die Erwartung nicht zu hoch. Es kann durchaus passieren, daß die Normungsbestrebungen erfolgreich sind, dann aber wieder alle Schnittstellen an die neue Europa-Norm angepaßt werden müssen.

Gefahren wird es wohl kaum geben, da das maximale Risiko eben im Nichtzustandekommen der Europanorm zu sehen ist, also weiter so, daß durchaus nicht alle Anwender des Marktführers der SNA-Schnittstellenpolitik folgen wollen oder können und somit auch für diese eine ähnliche Problematik besteht, wie für Anwender der Gruppe der zwölf "Europa-Norm-Apostel ".

Tatsache dürfte hingegen einmal mehr sein, daß die geplante Einführung von Standards eher auf die eigene Produktion- und Marketing-Strategie gerichtet ist. Der Anwender selbst dürfte eher erst in zweiter (oder dritter) Ebene von dem Ganzen profitieren. Ganz offensichtlich auf die Verkaufszahlen richtet sich denn auch die Unterstützung der einzelnen Regierungen. Abzuwarten bleibt die Formulierung jener Regierungen, die auch bedeutende Produktionsstätten von Big Blue ihr eigen nennen, die ja hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Prosperität auch nicht gerade hinweggeleugnet werden können. Die Bundesrepublik zählt nun einmal ganz sicherlich dazu.

Ziel der ganzen Normungsbestrebung wird daher vordergründig eher das sein, was Nixdorf-Vorstandsmitglied Dr. Horst Nasko äußerte: Kampf dem Wildwuchs der Schnittstellenpolitik (s. CW Nr. 13/84, Seite 1). Das klingt ja als Absicht auch nicht ganz so gefährlich - fraglich ist freilich, warum man dann den Marktführer nicht einfach einlud, mitzumachen.

In sich gehen werden allerdings einige der zwölf Europa-Norm-Apostel müssen: Sind sie doch selbst oft Urheber eher eigenartiger Schnittstellen - mit dem bestehenden Wunsch, daß wenigstens ihr ureigenes Konzept nicht gar so bereit für die "offene Datenkommunikation" mit Produkten von Mitbewerbern sei.

F. - Rolf Breitsprecher Systemmanager, Nord-West Ingenieurgesellschaft mbH, Hannover

Es ist erfreulich, daß trotz allgemeiner EG-Differenzen eine Einigung in Sachen Datenkommunikation zwischen europäischen Anbietern von Zukunftstechnologie zustande kam.

Nach jahrelangem separatem Dornröschenschlaf machte der Prinz der Einsicht seine Runde in Europas DV-Fabriken. Getreu dem Motto "Einigkeit macht Umsatz" möchte man nun auf dem Kommunikationsmarkt Big Blue die Stirn bieten. Was ergibt sich daraus für den Anwender? Konkurrenz belebt das Geschäft.

Langfristig könnte es zu einer herstellerneutralen Standardisierung im Bereich der Datenkommunikation kommen. Das würde wiederum dem Anwender eine größere Anzahl und niedrigere Kosten bescheren. IBM wird zwar nicht ihre SNA-Aktivitäten vernachlässigen, jedoch flexibel genug sein, sich auf europäische Normen einzustellen, um im kontinentalen Geschäft auch in diesem Bereich kräftig mitmischen zu können. Insgesamt ergeben sich für den Anwender nur Vorteile und man sollte wünschen, daß sich die europäischen DV-Anbieter langfristig einig bleiben.

Gerd Vogt Geschäftsführer OSP METRA Gesellschaft für Softwaresysteme m.b.H., Essen

Datenfernverarbeitung mit dem Medium "offene Netze" als Rechnerverbund unterschiedlicher Hardund Softwaresysteme ist nicht erst heute eine Wunschvorstellung beziehungsweise Forderung vieler DV-Anwender. Standardisierung der Hardwareschnittstellen und CEPT-Protokolle sind notwendig, um solche Rechnernetze zu realisieren.

Alle Versuche, den Stein der Weisen auf diesem Gebiet zu finden und durchzusetzen sind gescheitert. Viele kompetente Anbieter aus den Bereichen Datenverarbeitung, Büro- und Nachrichtentechnik haben ihr spezielles Verfahren als das Beste angepriesen; was in einer Marktwirtschaft nicht unüblich ist. Nachdem in diesem Wettlauf kein Anbieter sein Kommunikationssystem als Standard und Industrienorm durchsetzen konnte, schließen sich endlich europäische DV-Anbieter zusammen, um durch gemeinsame Norm den Markt für "offene" Datenkommunikation zu öffnen.

Nun stellt sich mir die Frage, was ist ihre gemeinsame Norm? Die Antwort läßt sich schnell finden, wenn ich die Prospekte und Systemhandbücher dieser DV-Anbieter aufschlage. Es gibt kaum einen Mitbewerber zu "Big Blue", der nicht die Kompatibilität seiner Hardware zu IBM-Systemen ausdrücklich als Vorteil darstellt, beispielsweise 3270- beziehungsweise 3278-kompatible Terminals, kompatibel zu IBM PC-XT, SNA-kompatibel, Durchschaltung und Einsatzmöglichkeit als TSO-Workstation und ähnliches mehr. Rechenzentren mit Mixed-Hardware sind keine exotische Seltenheit, ebenso Anwender, die nur noch die Betriebssysteme von IBM beziehen, während die Hardware von anderen Herstellern stammt.

Der Software-Guru James Martin stellt fest, daß über 80 Prozent der Softwarehäuser Programme erstellen, deren wesentliches Qualitatsmerkmal IBM-Kompatibilität heißt.

Dieser Markt arbeitet für Anbieter und Nachfrager erfolgreich, wenn auch oft beängstigend einseitig. Einseitig, da die meisten Systeme nur offen sind für den Datenaustausch untereinander, indem sie IBM-kompatibel sind. Einseitig da die erfolgreichsten PC-Hersteller glauben, ihren Markterfolg nur retten zu können, indem sie ankündigen, daß ihre Produkte auch IBM-kompatibel sind.

Als Anwender, der seinen Vorteil in einer größeren Marktvielfalt sieht, begrüße ich die Willensbekundung europäischer DV-Anbieter. Den Worten müssen aber schnellstens Taten folgen. Aber bitte nicht durch Abschotten des europäischen Marktes `a la EG-Agrarpolitik oder durch Vorschreiben nationaler Normen.