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22.10.1993 - 

Die besten Chancen hat ein unergonomisches Layout

Normenpaepste koennen sich auf keine Standardtastatur einigen

Wer hat sich nicht schon gewundert ueber die unterschiedlichen Tastaturen bei Telefon, Taschenrechner und Computer. Natuerlich muesste das nicht sein - aber die Hersteller wollen es so haben, obwohl sie selber nicht gluecklich damit sind.

Dass die Schreibmaschinenfabrikanten sich mit Normen schwertun, ist bekannt und auch kein Wunder: Was kuemmern den Amerikaner schon die fremden Umlaute, den Schweizer das ´ss´ der Deutschen und diese wiederum der Accent grave, den die Franzosen auf ihr ´a´ oder ´e´ setzen?

Bei den Computern mit ihren zahlreichen Funktionstasten ist das Problem noch groesser. Da muss schon ein Marktfuehrer wie IBM kommen, damit eine - uebrigens schlecht ausgelegte - Tastatur zum Standard erklaert wird.

Das ist ja alles noch halbwegs verstaendlich. Aber warum koennen sich die Hersteller nicht einmal einigen, wie sie die Ziffern von 0 bis 9, die ja nun wirklich international sind, auf ihren Geraeten einheitlich unterbringen sollen? Man vergleiche und staune: Telefontastaturen beginnen logisch und klar in der ersten Zeile mit 1-2-3; Taschenrechner und Computer hingegen mit 7-8-9! Der Grund fuer diesen Ziffernsalat ist, dass sich die meisten Postverwaltungen an die internationale Empfehlung des Comite Consultatif International Telegraphique et Telephonique (CCITT) halten, waehrend fuer die Rechnerfabrikanten die Normen der International Standards Organization (ISO) gelten.

Auf das Resultat darf man gespannt sein

Nun waere es fuer Leute mit gesundem Menschenverstand ja durchaus denkbar, dass die beiden erlauchten Gremien miteinander ins Gespraech kaemen und dann die bessere - sprich ergonomischere - Tastatur zur gemeinsamen Norm deklarierten.

Tatsaechlich wurden in den 60er Jahren die verschiedenen Zifferntastaturen ausgiebig getestet, und zwar nicht irgendwo, sondern in einer der renommiertesten Brutstaetten der High- Technology, den Bell-Laboratories. Fazit: Auf einer 1-2-3-Tastatur gibt der Durchschnittsbenutzer Zahlen schneller und fehlerfreier ein als auf anderen Tastaturen. Nach reiflicher Ueberlegung erklaerte das CCITT in der Studienperiode von 1965 bis 1968 das 1- 2-3-System zum Standard. Das fiel dem Gremium um so leichter, als in den USA bereits Hunderttausende von Telefonen mit einer solchen Tastatur ausgeruestet waren.

Anders waren die Voraussetzungen fuer die ISO, die zur gleichen Zeit eine Bueromaschinennorm diskutierte: Sie sah sich mit dem Problem konfrontiert, die 7-8-9-Tastatur ueber den Haufen zu werfen, die bereits auf Millionen von Rechnern installiert war.

Die unkonventionelle Anordnung stammt noch aus der Zeit der mechanischen Rechenmaschinen. Damals soll sie erhebliche konstruktive Vorteile gebracht haben. Als dann die flexiblere Elektronik Einzug hielt, blieben die Hersteller ihrem Prinzip treu - und die ISO hielt ihnen die Stange. So kam denn, was kommen musste: Das "Comite" und die "Organization" setzten sich zwar an den gruenen Tisch, aber einigen konnten sie sich nicht.

Gluecklich mit diesem Zustand ist niemand - am wenigsten die Normenpaepste. Sie haben sich denn auch wieder einmal vorgenommen, in einer mehrjaehrigen Studienperiode das leidige Tastaturenproblem endlich aus der Welt zu schaffen. Auf das Resultat darf man gespannt sein, denn in der Zwischenzeit sind einige Postverwaltungen von der CCITT-Empfehlung abgekommen und haben die - erwiesenermassen schlechtere - ISO-Norm uebernommen.

Der ganze Normenwirrwarr hat natuerlich auch seine gute Seite: Wer sich einen Bueroalltag voller Ueberraschungen bescheren will, braucht bloss fleissig fuenffingerblind in die Tastaturen zu greifen - mal beim Telefon, mal beim Rechner.

* Felix Weber ist freier Journalist in Zuerich.