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14.04.1995

Normexperte Trippner: "Das Eis ist noch nicht gebrochen" Prostep foerdert Standards fuer die Fertigungsindustrie

14.04.1995

Kaum aelter als ein Jahr, hat sich die Prostep GmbH als Gruendung von Grossunternehmen der Automobil- und Elektroindustrie gut etabliert. Andere springen auf den Normungszug auf, kochen aber ihr eigenes Sueppchen. Dass die Realisierung der Initiative auf Linie bleibt, ist derzeit eine der groesseren Sorgen von Dietmar Trippner, Geschaeftsfuehrer der Prostep GmbH in Darmstadt. Mit ihm sprach Karl-Ferdinand Daemisch*. CW: Deutsche Vereine haben es nicht so mit der Internationalitaet. Wie verhaelt sich Prostep? Trippner: Prostep war, das ist richtig, zuerst eine deutsche Initialzuendung. Dies bezog sich auf das Prostep-Projekt von 1991 bis 1993. GmbH und Verein heute operieren in der Mitgliederbetreuung international. Zu den inzwischen 102 Mitgliedern gehoeren auch Firmen aus acht europaeischen Laendern, darunter etwa Volvo in Schweden, Steyr Daimler Puch in Oesterreich sowie der franzoesische Automobilherstellerverband Galia. Wir haben nun auch eine Vertretung des Vereins in Grossbritannien. In Belgien ist der dortige Metallverband unser Repraesentant. CW: Wie weit reicht der Blick ueber den grossen Teich? Trippner: Die USA und auch Japan sind fuer eine ordentliche Betreuung der Mitgliedsfirmen ein bisschen zu weit weg. Dafuer haben wir aber mit der PDES Inc., einer mit Prostep vergleichbaren Organisation in Amerika, am 18. November 1994 ein erst einmal fuer zwei Jahre geltendes "Memorandum of Understanding" unterschrieben. In dem Vertrag wird die Koordination der Entwicklung und Implementierung der ISO-10303-Norm vereinbart. CW: Auf welche Punkte wurde dabei besonders Wert gelegt? Trippner: Wichtigste Argumente sind die gegenseitige Unterstuetzung in speziellen Projekten etwa zur Entwicklung von Datenmodellen im Bereich Mechanik oder in der Elektrotechnik. Doch erstreckt sich die Zusammenarbeit nicht nur auf den praktischen Bereich. Wir wollen auch bei der Entwicklung der Normen zusammenwirken. CW: Und in Japan? Trippner: In Japan arbeiten wir mit dem Step Promotion Center zusammen. Es verfolgt aehnliche Ziele wie PDES Inc. oder wir. CW: Gingen in die Normen nur deutsche Interessen ein? Trippner: Nein, das verhinderte von Anfang an die ISO-Ausrichtung. Richtig ist einerseits, dass in der ISO-10303-214-Reihe fuer den Automobilbau deutsche Vorschlaege sehr stark eingeflossen sind. Dafuer sind andererseits die Amerikaner in den Bereichen Schiff- und Flugzeugbau staerker involviert. Das US- Verteidigungsministerium ist mit der Navy und der Air Force sehr an der Entwicklung von Step, dem "Standard for the Exchange of Product Model Data", interessiert. Auch daraus geht ganz klar hervor, dass Step international entwickelt wird. CW: Was ist nun eigentlich konkret vorhanden? Was kann der Interessent kaufen? Trippner: Vorerst sind primaer zwei Branchen mit Normen vertreten. Das betrifft den Automobilbau mit der AP 214, Mechanik, einer Unterreihe der ISO 10303, sowie die Elektroindustrie mit der AP 212, Elektro. Wir verkaufen - mit einer Ausnahme - im eigentlichen Sinn keine Endanwenderprodukte. Wir sorgen dafuer, dass CAE- und CAD/CAM-Systeme Kommunikationsfaehigkeit erhalten. Das bedeutet mehr als nur Datenaustausch. Unser Ziel ist die Verarbeitungsmoeglichkeit von Informationen ueber System- und Unternehmensgrenzen hinweg. Hier erfolgt unsere Dienstleistung fuer die Systemanbieter. Fuer den Endanwender bieten wir Service, Schulung und Werkzeuge, um die Step-Normen im Betrieb umzusetzen. Dazu gehoert die Produktdatenmodellierung und die Migration zur Step-basierten Produktdatenverwaltung. Wir wollen die Vorteile der vor einem Jahr nach achtjaehriger Vorarbeit verabschiedeten Norm fuer alle so schnell wie moeglich zugaenglich machen. AP 214 umfasst die Kernbereiche Geometrie, Produktstruktur mit Stuecklisten, technische Zeichnungen, Praesentation, Berechnungs- und Materialdaten sowie externe Referenzen zu ASCII-Dateien oder NC-Daten. Die Normen sind so stabil, dass sie fuer die Implementierung in Produktivsystemen herangezogen werden. Sie sind so beschrieben, dass sie softwaretechnisch umsetzbar sind. CW: Was ist die Ausnahme? Trippner: Die Ausnahme ist: Wir verkaufen unser Step-Toolkit, eine CASE-Umgebung, die uns einige Millionen in der Entwicklung gekostet hat, an Systemanbieter und Softwarehaeuser. Mit diesem Entwicklungswerkzeug und der interpretierenden Sprache Express koennen sie normgerechte Software generieren. Die Sprache ist selbst auch unter ISO 10303-11 genormt. Mit dem Toolkit koennen Anbieter Prozessoren herstellen und nach der ISO 10303-21 in ihre CAD-Systeme implementieren. CW: Was kostet das Toolkit? Trippner: Die Preise liegen zwischen 8580 und 15 000 Mark, je nach Verwendungszweck und ob Objektcode oder Sourcecode geliefert werden. CW: Lange Zeit wurde nur geredet. Jetzt auf einmal ist Step an allen Fronten aktiv. Trippner: Vor zwei oder drei Jahren gab es den grossen Schwenk. CW: Das faellt zeitlich ziemlich genau mit der verschaerften Rezession zusammen. Trippner: Das war wohl nicht ganz zufaellig. Die Idee zu Step lag eigentlich auf der Hand. Es konnte doch nicht angehen, dass modernste Hard- und Software nicht in der Lage war, eine einfache Zeichnung mit Text sauber zu uebertragen. CW: Stehen bei Ihnen die Kunden nun Schlange? Trippner: Das ist vielleicht etwas uebertrieben. Das Eis ist noch nicht gebrochen. Auch scheint bei einigen Branchen der Leidensdruck nicht so gross zu sein, wie er vor allem in der Automobilsparte vorherrschte. Ausserdem: Wenn die Firmen in den Tagen der Rezession bereit waren, enger zu kooperieren, dann muss dies in besseren Zeiten nicht unbedingt ohne weiteres zutreffen. Daher freuen wir uns auch besonders ueber Beitritte von Mitgliedern aus anderen Branchen wie zum Beispiel kuerzlich den der MTU. CW: Hat Prostep Konkurrenz? Trippner: In verschiedenen Branchen gibt es teilweise Vorbehalte gegen die Mitarbeit im Prostep-Verein. Diese abzubauen ist eine wichtige Aufgabe. Es sieht sehr nach Reaktion auf Wettbewerbsargumente aus, wenn ich die sich an verschiedenen Stellen entfaltenden Prostep-aehnlichen Aktivitaeten betrachte. So engagieren sich etwa Schiff- oder Anlagenbauer. Ueberzeugungsarbeit gehoert zur Zeit zu meinen wichtigsten Taetigkeiten, damit diese Entwicklungen nicht auseinanderlaufen. Bei der Autobranche entstanden jaehrlich 100 Millionen Mark Verluste durch Inkompatibilitaet. Das war hier sicher das einleuchtendste Argument. Die anderen Branchen besitzen vielleicht auch keine so starken Interessenverbaende, wie dies zum Beispiel der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer oder der Verband der Automobilindustrie sind. Wir wollen moeglichst stark sein. CW: Die Prostep GmbH ist nun etwas aelter als ein Jahr. Wie sehen die Umsatzzahlen aus? Trippner: Wir haben das selbstgesetzte Ziel von 3,3 Millionen Mark Umsatz im ersten Jahr fast erreicht. Die Differenz, die endgueltigen Zahlen liegen noch nicht vor, ist hauchduenn. Ich wuerde die Ergebnisse "rosa" nennen. Wir sind aber zuversichtlich und haben fuer das Geschaeftsjahr 1995 die Latte fuer das Umsatzziel auf fuenf Millionen Mark hochgelegt. Ich bin optimistisch, dass wir diesen Wert auch erreichen werden. Denn wir haben keine abstrakten Ziele. Das ist sicher ein Teil unseres Erfolgs. Im uebrigen wurde die Gesellschaft als Selbstlaeufer gegruendet. Der Verein haelt 22 Prozent der GmbH-Anteile. Keine der Mitgliedsfirmen hat ein Interesse daran, ewig Wasser in ein Fass ohne Boden nachzugiessen. Das heisst: Wir muessen den Bedarf - und die Erwartungen - der Mitglieder erfuellen. Der Verein ist darueber hinaus unsere Lobby. CW: Aus Unternehmen welcher Branchen setzt sich der Verein heute zusammen? Trippner: Eine Statistik ueber Branchenzugehoerigkeiten haben wir nicht. Da die meisten Grossfirmen, etwa ABB, Daimler-Benz, Bosch oder Siemens, beim Verein Mitglied sind, ist es ohnehin oft schwierig, ein Mitglied einem einzigen Taetigkeitsfeld zuzuordnen. Die Zahlen, ueber die wir verfuegen, betreffen eine andere Verteilung. Danach sind Anwender mit 60 Prozent die staerkste Gruppe. Es folgen die Systemanbieter, die anfangs sehr viel staerker waren, jetzt aber noch 30 Prozent ausmachen. Die restlichen zehn Prozent sind Forschungs- und universitaere Einrichtungen.