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31.07.1992 - 

Von dem einstigen Midrange-Star ist nicht mehr viel übrig

Norsk-Data: Erik Engebretsen verläßt ein schlingerndes Schiff

OSLO/MÜNCHEN - Zwar weist die Norsk Data A.B., Oslo, für das erste Halbjahr 1992 einen Gewinn von vier Millionen Kronen (zirka eine Million Mark) aus, die Situation des einstigen Parade-Minimakers ist jedoch ausgesprochen prekär. Der Umsatz bricht weg, Schulden drücken, Chairman Erik Engebretsen trat überraschend zurück, und bei der deutschen GmbH weiß offenbar niemand, ob und wie es weitergeht.

Engebretsen hatte vor drei Jahren begonnen, die Organisation stromlinienförmiger zu gestalten. Auf dem Programm standen Personalkürzungen - von ursprünglich 4600 Mitarbeitern sind 1000 geblieben- und eine Restrukturierung. Im Zuge der Entscheidung, vom proprietären auf den Open-Systems Zug umzusteigen, verkauften die Osloer mit der ND-Partner-Organisation ihr gesamtes proprietäres Geschäft an die norwegische SNI-Tochter Siemens-Nixdorf Informasjonssystemer.

Der Umsatz liegt um ein Drittel niedriger

Faktisch trennte man sich damit alternativlos von der Kundenbasis. Im wesentlichen behielten die Norweger lediglich die Wartung der einstigen Installationen in Skandinavien und Großbritannien in eigener Hand. Dieser Bereich, ND Service-Partner, bröckelt mittlerweile unaufhaltsam ab, wie ein

intimer Kenner des Unternehmens weiß: SNI trachte danach, die ND-Systeme durch eigene zu ersetzen, und jeder Abschluß koste die Osloer einen Teil ihres Wartungsgeschäftes. Der Umsatz im zweiten Quartal lag dann mit 640 Millionen Kronen (zirka 160 Millionen Mark) auch um ein Drittel unter dem Vergleichswert vom Vorjahr. Offiziell heißt es gleichwohl, um die abgestoßenen Anteile bereinigt, liege das Geschäftsvolumen im erwarteten Bereich.

Terje Mikalsen, einer der beiden Hauptaktionäre und Chairman of the Board von Norsk Data, konzediert gegenüber der COMPUTERWOCHE zwar den Schwund des Wartungsumsatzes, betont jedoch, das Unternehmen verstehe sich auch auf Fremdwartung. Ob man indes in diesem immer härter umkämpften Markt ein Bein an die Erde bekommen wird, müsse "die Zeit zeigen".

Profit aus dem Verkauf von Vermögenswerten

Laut Carl Espen Wollebekk, Senior Vice-President für Vermögensangelegenheiten bei Norsk Data, kommen gegenwärtig 70 Prozent vom Umsatz der Gruppe aus der Service-Ecke. Den Halbjahres-Profit von vier Millionen Kronen allerdings er wirtschaftete man nach seinen Angaben mit dem Verkauf von Standardprodukten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur "dpa" kommt der Profit jedoch aus dem Verkauf von Vermögenswerten.

Engebretsens Nachfolger Thor Alfheim führte seit dem Abgang von Karlheinz Rathgeber im Mai 1991 "kommissarisch" die Geschäfte der Norsk Data GmbH, Bad Homburg. Nach Ansicht über seine Berufung erstaunter Insider richtete er dort ein Desaster an: Tatsächlich halbierte sich der Umsatz der Bad Homburger innerhalb eines halben Jahres gegenüber 1990, und es fiel ein Verlust knapp 45 Millionen Mark an. Vorher hatte die deutsche Tochter als profitabel gegolten.

CAD/CAM-Division an Intergraph verkauft

Die CAD/CAM-Division Technovision - in Deutschland nahezu gleichbedeutend mit dem Gesamtgeschäft - verkauften die Norweger im März dieses Jahres an den Konkurrenten Intergraph.

Auf Anfrage bei Redaktionsschluß wollte man in Bad Homburg nicht die noch beackerten Geschäftsfelder und die Anzahl der verbliebenen Mitarbeiter- Beobachtern zufolge sollen es noch sieben oder acht sein - nennen. Es liefen gegenwärtig in Oslo Gespräche über die Zukunft von Norsk Data, hieß es. Daß davon auch der kümmerliche Rest in Bad Homburg betroffen sein wird, wollte der GmbH-Sprecher nicht ausschließen.

Den Osloern galt der CAD/ CAM-Arm als Sorgenkind. Man machte den Bereich verantwortlich für den im Geschäftsjahr 1991 angefallenen Verlust und für minus 23 Prozent Umsatz. Grundlegend für die Misere, so ND-Schatzmeister Wollebekk, waren die hohen Kosten einer Technovision-Portierung von der proprietären Plattform auf Unix. Norsk-Data-Kennern zufolge soll indes Alfheim, notorischer Gegner offener Systeme, die treibende Kraft bei der Abtrennung von Technovision gewesen sein.

Die finanzielle Situation des einstigen Musterunternehmens schätzen Börsianer- als desolat ein: Der Jahresverlust 1991 von 810 Millionen Kronen (umgerechnet 200 Millionen Mark) soll von tatsächlich einer Milliarde Kronen heruntergetrickst worden sein. Zum scheinbaren Ausgleich für 1992 mußte überdies ein bilanzieller Kunstgriff herhalten: Die Norsk-DataHauptversammlung beschloß am 25. Juni 1991, den Aktien-Nennwert von insgesamt 700 Millionen Kronen zu zehnteln, um die freiwerdenden 630 Millionen Kronen der Habenseite gutschreiben zu können.

Vergleichsversuche ohne institutionelle Kontrolle

In der Klemme steckt Norsk Data Agenturberichten zufolge auch gegenüber den Kapitalgebern. Angeblich soll das Unternehmen im Verzug sein mit Zinszahlungen in Höhe von 4,5 Millionen Mark für eine 150 Millionen-Mark-Anleihe von einem deutschen Bankenkonsortium. Vermutungen besagen, daß die Banken den Kredit im August fällig stellen, also die Gesamtsumme zurückfordern könnten .

Zwar sagte Mikalsen der COMPUTERWOCHE, man habe die Zinsen mittlerweile auf "reguläre" Weise begleichen können, selbst den Finanzverantwortlichen im Unternehmen erscheint es jedoch ausgeschlossen, daß die Anleihe 1993 termingerecht zurückgezahlt werden kann: Den Optionsinhabern wurde daher eine Umschuldung vorgeschlagen, die Börsianern völlig inakzeptabel erscheint: Norsk Datas Avance entspricht faktisch dem bislang am deutschen Anleihemarkt beispiellosen Versuch, ohne institutionelle Kontrolle einen Vergleich zu schließen (siehe Bericht auf Seite 2).

Die Inhaber von 90 Prozent der Anleihe müssen dem Vorschlag zustimmen, damit Norsk Data überleben kann. Ein institutioneller Anleger, der 20 Prozent der 1986 emittierten Papiere hält, soll Börsenquellen zufolge mittlerweile signalisiert haben. Er werde bei der Quasi-Entschuldung nicht mitspielen.