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Norsk Data: Präzedenzfall am deutschen Anleihemarkt

31.07.1992

Arnd Wolpers ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft CMW GmbH in München. Die hier veröffentlichen Informationen beruhen auf Quellen, die wir für vertrauenswürdig und zuverlässig halten. Trotz sorgfältiger Quellenauswahl und -auswertung können wir für Vollständigkeit, Genauigkeit und inhaltliche Richtigkeit der Angaben eine Haftung nur Insoweit übernehmen, als Grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz Haftung begründen. Jede darüber hinausgehende Haftung wird ausgeschlossen. Für Angaben Dritter übernehmen, wir kein Obligo Aktienanlagen sind durch stärkere Kursschwankungen gekennzeichnet.

Die dreiprozentige Optionsanleihe über 150 Millionen Mark, die Norsk Data 1986 von einem Konsortium unter Führung der Deutschen Bank mit der Fälligkeit 1993 erhielt, ist notleidend. Der Handel wurde am 9. Juli 1992 ausgesetzt. Norsk Data schlägt den Anleihegläubigern vor, auf die Rückzahlung des vollen Nennwertes zu verzichten. Statt dessen soll entweder eine einmalige Zahlung in Höhe von 25 Prozent des Nennwertes erfolgen oder alternativ eine Zahlung von 20 Prozent plus je einem Optionsrecht auf die stimmrechtslosen B-Aktien von Norsk Data. Für den deutschen Anleihemarkt wäre das ein neuer Vorgang.

Das Rückkauf-Angebot muß von 90 Prozent der Anleihegläubiger akzeptiert werden, um wirksam zu werden. Kommt es nicht zu der gewünschten Umschuldung mit Schuldenabbau, steht die Zukunft von Norsk Data auf dem Spiel. Die Schuldenlast des Unternehmens ist erdrückend.

Damit bahnt sich ein weiteres Debakel am Markt der Mark-Auslandsanleihen an. Norsk Data wirbt für seine Umschuldungspläne mit dem Argument, daß die Anleihegläubiger völlig leer ausgehen konnten, falls kein Schuldenabbau zustande kommt.

Die in Aussicht gestellten Abschlagszahlungen von 25 Prozent beziehungsweise 20 Prozent des Nominalwertes plus B-Optionsrecht können nur ein unbefriedigender Ersatz des vollen Rückzahlungsbetrages sein. In den vergangenen Tagen machte dann auch ein Börsengerücht die Runde, daß ein institutioneller Anleger, der 20 Prozent des Anleihevolumens hält, seine Zustimmung zur Entschuldung von Norsk Data verweigern werde.

Die Empfehlung an die Optionsinhaber, auf 80 Prozent des Tilgungsbetrages zu verzichten und eine Abfindung in Form von Bargeld und Optionen anzunehmen, entbehrt nicht einer gewissen Komik: Norsk Data argumentiert, daß durch die Entschuldung als Folge des Forderungsverzichts der Anleihegläubiger sich die Bilanzstruktur verbessere und die Aktie eine kräftige Erholung zeigen werde. Das wiederum, so der Gedankengang der Norweger, würde dem Wert des Optionsrechts zugute kommen. Die zugrundeliegende Logik erinnert sehr stark an die Münchhausen'schen Versuche, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.