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Nutzervereinigung will Datenspezialisten ins Boot holen

Nortel: Kein offenes Ohr für Anwender

14.11.2003
MÜNCHEN (pg) - Die Nortel-Nutzer bekommen den harten Sparkurs des Herstellers für TK- und Datennetze zu spüren. Aufgrund gravierender Kürzungen beim Personal sowie Entwicklungsetat reagiert der Konzern kaum mehr auf die Wünsche seiner Kunden - sehr zum Leidwesen der Nortel Networks Anwendervereinigung (NNAV).

Der Kontakt zu dem kanadischen Hersteller hat sich für die Nortel-Gemeinde in den letzten Jahren erheblich verschlechtert. Seit das Unternehmen 1999 den Direktvertrieb aufgab, haben Anwender in Problemfällen keine direkten Ansprechpartner bei Nortel mehr, sondern sind auf die Hilfe von Distributoren wie der Ascom Deutschland GmbH oder DeTeWe AG angewiesen.

"Wir sind alle in ein tiefes Supportloch gefallen", erinnert sich Wolfgang Siegel, Vorstandsvorsitzender der NNAV. Die Vertriebspartner hätten nicht immer das technische Wissen, um die Kunden in allen Fällen ausreichend zu betreuen, zumal der Anwenderkontakt zu Nortel zuvor sehr intensiv gewesen sei. Hinzu kommt laut Siegel, dass die Reseller eigene Interessen verfolgen, weil sie neben Nortel-Equipment auch andere Produkte vermarkten.

Zwar hat sich trotz aller Probleme die Betreuung durch die Distributoren gebessert, der Draht zu Nortel ist aber eher schlechter geworden. Während der Hersteller früher sehr zuverlässig auf die von der internationalen Dachorganisation Nortel Networks User Association (NNUA) gesammelten und vorgetragenen Änderungswünsche reagierte, ist die Resonanz heute kaum spürbar.

Für Ulrich Huber, Leiter der TK-Technik beim ADAC und ebenfalls im Vorstand der NNAV tätig, ist daran die Krise im TK- und Enterprise-Markt schuld, die Nortel zu enormen Sparmaßnahmen bei den finanziellen und personellen Entwicklungsressourcen zwang. "Das Ganze stockt, obwohl die Wünsche nach wie vor sehr geballt an Nortel herangetragen werden", beklagt Huber die Entwicklung und weist auf frühere Zeiten hin, in denen Nortel für die Produktentwicklung relevante Verbesserungsvorschläge nicht unbeantwortet ließ. Der TK-Spezialist macht sich heute zum Beispiel dafür stark, dass Nortel alle Produkte für Microsofts Verzeichnisdienst Active Directory öffnet. Welche Haltung der Konzern in diesem Punkt einnimmt, weiß Huber jedoch nicht.

"Die Strategie von Nortel ist uns momentan unklar, sofern es überhaupt eine gibt", kritisiert Siegel die Passivität des Herstellers im Umgang mit den Kunden und erhält Rückendeckung von Martina Schubert, drittes Mitglied im NNAV-Vorstand: "Nortel muss sich wieder viel stärker um unsere Bedürfnisse kümmern." Schubert moniert auch die Informationspolitik des Unternehmens gegenüber seinen Distributoren, die häufig vor denselben unbeantworteten Fragen stünden wie die Anwender.

Doch nicht nur im Verhältnis zu Nortel und den Distributoren drückt die NNAV der Schuh. Die Organisation versucht auch händeringend, Mitglieder zu gewinnen, die in ihren Unternehmen die Datentechnik von Nortel einsetzen. Das ist bisher noch nicht nennenswert gelungen und ein historisch bedingtes Problem. Nortel agierte früher nur als Hersteller von TK-Equipment und wurde erst mit dem Kauf von Bay Networks zum Anbieter von Datentechnik.

"Die Datenspezialisten, die Nortel-Equipment einsetzen, haben keine Heimat", weiß Huber, dessen Arbeitgeber ADAC sowohl TK- als auch Datennetzprodukte des kanadischen Anbieters in Betrieb hat. Eine stärkere Adressierung sowie Integration dieser Klientel in die NNAV sieht er deshalb als große Chance zur Wahrung ihrer Interessen sowie für die Organisation selbst. Derzeit zählt die NNAV, die bis vor zwei Jahren noch Meridian-Anwendervereinigung hieß, nur 54 Mitglieder, obwohl Nortel in Deutschland über eine große installierte Basis verfügt. Die Gruppe plant, künftig auch Distributoren als Teilnehmer zu akzeptieren.