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24.09.1999 - 

Partner wollen Feldversuche alleine weiterführen

Nortel zieht den Stecker aus der Powerline-Entwicklung

MÜNCHEN (ave) - Mit dem plötzlichen Ausstieg aus dem Powerline-Business hat Nortel Partner und Industrie gleichermaßen verblüfft. Da die Technologie gute Zukunftschancen habe, gehen die gemeinsam mit dem Konzern gestarteten Feldversuche weiter.

Ende September stoppt Nortel sein Engagement bei Powerline-Technologien. Für das in England gemeinsam mit United Utilities betriebene Joint-venture Nor.web bedeutet dies das Aus. Obwohl das Unternehmen betont, die Technologie habe ihre Praxistauglichkeit in Feldtests ausreichend bewiesen, zieht der Konzern nicht nur in England, sondern auch hierzulande den Stecker aus der Entwicklung für die Datenübertragung über Stromnetze.

Als Grund für den Ausstieg gibt der Hersteller die unzureichende Wirtschaftlichkeit der Technologie an. Unternehmenssprecherin Sabine Werb erklärt, Nortel habe eine Studie erarbeiten lassen, wonach die "wirtschaftlichen Parameter für Powerline nicht den Erwartungen des Unternehmens" entsprächen. Da Nortel neben Powerline noch eine große Bandbreite an anderen Zugangstechnologien biete, habe man sich nun entschlossen, die Aktivitäten in diesem Bereich nicht weiterzubetreiben. "Wir wollen uns statt dessen auf andere Verfahren im Netzzugangsbereich wie ADSL oder Wireless konzentrieren", so die Sprecherin.

Verwundert zeigte sich die ENBW Energie Baden-Württemberg AG über den Entschluß des Partners. Der Stromversorger betreibt mit Nortel im Schwabenland seit März 1998 einen Feldversuch, bei dem Endkunden und Unternehmen über das ENBW-Netz an das Datennetz von Tesion angeschlossen werden. "Der Rückzug ist für uns nicht nachvollziehbar, die Begründungen dafür schon gar nicht", kommentiert ENBW-Chef Gerhard Goll. Das Unternehmen bezeichnet die Erfolgsaussichten für die Technologie als "hervorragend" und registriert eigenen Angaben zufolge für das Verfahren "großes Interesse bei Kunden und Providern". Da auch alle bisherigen Analysen aus Sicht des Stromversorgers "keinen Anlaß zu einem Ausstieg" darstellen, will dieser auf jeden Fall mit dem Projekt fortfahren.

Manfred Möller, Projektleiter Powerline bei der ENBW, sieht den Ausstieg von Nortel ebenfalls kritisch. Seiner Einschätzung nach hat die Powerline-Technik ihre grundsätzliche Funktionsfähigkeit bewiesen: "Es gibt zwar sicher noch Entwicklungsbedarf, aber hier türmen sich keine unüberwindlichen Hindernisse auf. Aus wirtschaftlicher Sicht rechtfertigt sich unserer Meinung nach ein Ausstieg nicht." Die ENBW sei technologisch gut genug ausgestattet, um das Pilotprojekt weiterführen zu können, Schwierigkeiten könnten höchstens nach Ende der Tests auftreten, weil dann mehr Powerline-taugliche Geräte benötigt werden. "Wir haben momentan die nötigen Komponenten und das Know-how für den Versuch, wir machen weiter", erklärt er. Eine Gefährdung für den späteren Praxiseinsatz sieht Möller nicht: Man wolle abwarten, ob ein Konkurrent die Technologie weiterführe, oder auf Lösungen anderer Anbieter umsteigen.

Das Verfahren ist unter anderem attraktiv, weil es den Stromversorgern neue Formen der Kundenbindung ermöglicht. So ist denkbar, mit Hilfe der Powerline-Technik Kunden zum Strom auch gleich noch den Internet-Zugang zu liefern. Das sei aber nur in Gebieten möglich, wo der Stromversorger die Netzstruktur besitzt.

Markus Reigl, Leiter Powerline Communications bei Siemens, kann die schlechte Markteinschätzung Nortels ebenfalls nicht teilen. Er hält die Gründe für "vorgeschoben": Powerline stelle sehr wohl eine wettbewerbsfähige Technologie dar, die gerade wegen des möglichen Dienste-Mixes von Internet-Access, Telefonie und Telemetrie ein "sehr hohes Renditepotential" berge.

Powerline

Powerline Communications ist der Oberbergriff für die Daten- und Sprachübertragung über elektrische Netze. Zwei grundsätzliche Lösungsansätze sind zu unterscheiden: Innerhalb von Gebäuden lassen sich Niederspannungs-Stromleitungen (bis 220 Volt) als Kommunikationsmedium ähnlich wie in einem LAN nutzen. Konzepte für den Outhouse-Bereich nutzen Elektrizitätsnetze im Hoch- und Mittelspannungsgebiet als alternative Teilnehmeranschlußlösungen. Alcatel beispielsweise hat ein Verfahren entwickelt, daß es etwa City-Carriern ermöglicht, das einzelne Trafostationen miteinander verbindende Mittelspannungs-Stromnetz zur Datenübertragung mit 2 Mbit/s zu nutzen. Besonders für Unternehmen, die in der Regel eine eigene Trafostation im Haus haben, sind solche Lösungen als alternative Zugangsmethoden interessant.