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24.12.1999 - 

Analysten mahnen zum Strategiewandel

Notebook-Boom gerät zur Kostenfalle

von CW-Mitarbeiter Jörg Schröper MÜNCHEN (CW) - Der Anteil der Anwender in Firmen, die mit einem Notebook arbeiten, verdoppelt sich nach Schätzungen von Marktforschern in spätestens vier Jahren. Experten warnen: Ohne die richtige Support- und Management-Strategie für die mobilen Rechner droht den Unternehmen eine gefährliche Kostenfalle.

"Wichtig ist der Nutzen fürs Geschäft und nicht das unnötige Verteilen von Statussymbolen", erklärt Jack Gold, Analyst der Meta Group, in einer aktuellen Studie. Er geht davon aus, daß der Anteil der Notebooks an den in Unternehmen genutzten Rechnern innerhalb von drei bis vier Jahren in den Vereinigten Staaten auf über 40 Prozent steigt. In Nordeuropa wird ein Wachstum auf 20 bis 25 Prozent erwartet, während heute nur ungefähr jeder zehnte Anwender geschäftlich mit einem Laptop arbeitet. Unternehmen sollten nach Ansicht Golds von Beginn an die höheren Kosten der Mobilität im Auge behalten: Die Gesamtkosten einer typischen Umgebung liegen mit rund 4600 Dollar pro Anwender und Jahr über 50 Prozent höher als die eines traditionellen Desktop-Systems.

Eine entscheidende Rolle dabei spielt der Anschaffungspreis von Hard- und Software, der inklusive der zusätzlich erforderlichen Server- und Netzkomponenten 81 Prozent über dem eines Standard-PCs liegt. Für das Training der Anwender müssen Unternehmen zwar ebenfalls mehr als doppelt soviel wie bei einem Desktop-Computer investieren. Mit rund 250 Mark pro Jahr und Arbeitsplatz ist der Beitrag zur Gesamtsumme allerdings überschaubar. Einen größeren Batzen machen die Punkte Installation und Update von Hard- und Software aus: Mit über 800 Mark liegt der Wert 80 Prozent über der Vergleichszahl für Arbeitsplatzrechner.

Bei Verwaltung und Support im Notebook-Umfeld sehen die Meta-Group-Analysten schon im Vorfeld Handlungsbedarf. Nach Ansicht von Corey Ferengul, Program Director und Spezialist für System-Management, gewinnt mittelfristig die Anbindung an Front-Office-Applikationen immer mehr an Bedeutung. Dazu gehören Sales Force Automation (SFA), Customer-Relationship-Management (CRM) oder E-Mail, die den Gebrauch von mobilen Geräten (Laptops, Palm-Devices oder CE-Rechner) ankurbeln. Unternehmen benötigten daher eine Strategie zur Verwaltung der Kleincomputer, die sich erheblich vom Desktop-Management unterscheidet.

Heute erhältlichen Werkzeugen (Callisto, Mobile Automation, Marimba, Sterling Commerce) fehlt es laut Ferengul an übergreifenden Fähigkeiten, zum Beispiel für die Datensicherung. Als Produkte, die einzelne Anforderungen abdecken, bleiben solche Tools mangels Alternative jedoch zunächst erste Wahl.

Bis ins Jahr 2003 gehen die Programme nach Ansicht des Analysten in umfassende Systeme für das System-Management (zum Beispiel den "System Management Server" von Microsoft oder "Tivoli" von der gleichnamigen IBM-Tochter) ein. Erst danach erwartet Ferengul, daß die benötigten Dienste von den Client-Betriebssystemen selbst abgedeckt werden können.

Sobald mehr als 100 mobile Rechner eingesetzt werden, hält der Meta-Group-Forscher eine Management-Strategie für zwingend notwendig (siehe Kasten "Management-Strategie für mobile Rechner"). Diese sollte mindestens ein Werkzeug zur automatisierten Verwaltung vorsehen. Die Anforderungen sind dabei nicht eben gering: Mobilanwender benötigen häufig aktualisierte Applikationen und Datenbestände, die Verbindung zum Firmennetz kommt jedoch oft nur über Leitungen mit niedriger Übertragungsgeschwindigkeit zustande. Ein Konzept, um Anwendern auch große Applikationen (zum Beispiel Office-Pakete) zur Verfügung zu stellen, muß daher in jedem Fall aus einem Mix aus Medienversand (zum Beispiel CDs) und automatisch übertragenen Installations- und Update-Routinen bestehen. Im Hinterkopf sollten die Verantwortlichen bei der Planung stets behalten, daß der typische Anwender nur über eingeschränkte technische Kenntnisse verfügt.

Die Management-Werkzeuge müssen neben einer ausreichenden Übertragungsrate (20 bis 30 MB in 30 Minuten) vor allem die Fähigkeit bieten, nach der Datenübermittlung auch offline zu funktionieren. Bei einer langsamen Verbindung gerät die Verwaltung sonst leicht zur Geduldsprobe. An diesem Punkt scheitern nach Ansicht Ferenguls die traditionellen Verwaltungs-Tools für PCs.

Über Erfahrungen dieser Art kann auch Uwe Meyer, Informatik-Gruppenleiter der Karstadt AG in Essen, berichten. "Falls Mitarbeiter auf Reisen Hilfestellung zu ihrem Office-Paket benötigen, stellt das im Normalfall kein Problem dar. Wir rüsten die Notebooks jedoch immer öfter mit einer Anbindung an das Warenwirtschaftssystem aus. Wenn ein Außendienstler mit Fragen dazu etwa von den Philippinen anruft, erschwert das die Aufgabe des Helpdesks erheblich." Eine speziell auf den mobilen Bereich ausgerichtete Supportstrategie existiert bei Karstadt zur Zeit noch nicht, wird aber bei einem weiteren Ausbau des Notebook-Einsatzes ins Auge gefaßt. Auch eine genaue Kostenanalyse steht noch aus. "Wenn wir diesen Bereich erweitern und enger an die operative Umgebung anbinden, müssen wir uns auch über den Support Gedanken machen", so Meyer zur Zukunft der momentan rund 100 eingesetzten Notebooks.

Für Martin Reynolds, Vice-President des Gartner-Group-Marktforschungszweigs Dataquest, stellt die Einführung von Windows 2000 für das Mobile Computing einen wichtigen Faktor dar: "Das neue Betriebssystem könnte beides bewirken, Ablehnung oder Begeisterung. Es läuft stabiler als die Vorgänger und enthält verbesserte Funktionen für Notebooks, etwa zum schnellen Herunter- und Hochfahren des Rechners."

Ähnlich wie bei den Notebooks, in puncto Management insgesamt jedoch weniger kritisch beurteilen die Meta-Group-Experten die Situation bei Geräten im Handheld-Format. In spätestens drei Jahren ist ihrer Meinung nach ein Viertel der Mitarbeiter in Unternehmen mit einem solchen Helfer ausgerüstet, der den PC oder Laptop jedoch nicht ersetzt, sondern ergänzt. Die Gefahr teurer Fehlinvestitionen beurteilen die Analysten geringer als bei vollwertigen mobilen Rechnern: Handheld-Geräte sind weniger kostspielig als Notebooks und werden im Schnitt früher durch Nachfolgemodelle ausgetauscht. Außerdem können auch Anwender mit nur minimalen Kenntnissen die Kleinrechner sinnvoll einsetzen. Daß es sich dabei nicht allein um die üblichen Terminkalender im Palm-Format handeln wird, ist für Karstadt-Mann Meyer ein wichtiger Punkt: "In den Filialen planen wir den Einsatz von Geräten, die eine Funkanbindung und Scannerfunktionen besitzen."

Den IT-Abteilungen in den Unternehmen empfehlen die Meta-Group-Forscher, die Handhelds nicht weiter zu ignorieren und mindestens eine rudimentäre Unterstützung anzubieten. Dazu sollten einfache Synchronisationsdienste für einen Terminkalender und E-Mail gehören. Über eine Server-basierende Supportstrategie muß nach Ansicht der Analysten innerhalb der nächsten zwei Jahre nachgedacht werden. Dies schließt ein, daß auch das Supportpersonal ein weiteres Betriebssystem (Windows CE oder Nachfolger) und Anwendungen zur Synchronisation beherrschen muß.