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Unternehmen kämpfen eher mit technischen Problemen

Notebooks: Betriebskosten spielen kaum eine Rolle

28.05.1999
MÜNCHEN (kk) - Studien belegen, daß die Unterhaltskosten für mobile Rechner höher ausfallen als für Desktop-Geräte. Für viele Anwender spielt dieser Kostenfaktor aber eine untergeordnete Rolle, denn sie kämpfen eher mit technischen als mit monetären Problemen.

Die Aufstellung der Total Costs of Ownership (TCO) von Desktop-Rechnern sorgte in der Vergangenheit für reichlich Zündstoff. Die Analysten der Gartner Group haben nun den mobilen Rechnern auf den Zahn gefühlt. Nach ihrer Studie übersteigen die Unterhaltskosten von Laptops die der Desktops um bis zu 53 Prozent, wenn es sich bei den Anwendern um "Straßenkämpfer" handelt. Das sind Benutzer, die ihre Rechner zu 80 Prozent außerhalb des Büros einsetzen.

Die Betriebskosten für solche Notebooks liegen laut Gartner Group bei 12 074 Dollar pro Jahr. Das sind 53 Prozent mehr als die 7872 Dollar, mit denen die Desktop-Rechner zu Buche schlagen. Werden die Tragbaren hauptsächlich (zu 80 Prozent) im Büro genutzt, dann sinkt der jährliche Aufwand auf 9481 Dollar - nur mehr rund 20 Prozent über den TCO der Desktops. Die Gartner-Analysten raten den Anwenderunternehmen deshalb, insbesondere auf die Mitarbeiter im Außendienst zu achten.

Die Marktforscher machten in ihrer Untersuchung "Operationen, die die Endbenutzer ausführen" für den Löwenanteil der Kosten verantwortlich. Knapp die Hälfte dieses Aufwands wird durch Daten-Management, Stehzeiten der Mobilrechner und Client-Support verursacht, so die Marktforscher. Am wichtigsten sei aber die Zeit, die Anwender damit verbringen, daß sie "kosmetische Änderungen an Dokumenten oder der PC-Umgebung vornehmen" oder das Gerät einfach für persönliche Zwecke einsetzten.

Zur Verteidigung der Benutzer von mobilen PCs muß jedoch betont werden, daß diese Faktoren auch bei Desktop-Usern auftreten. Zudem errechnet eine andere Studie, die von Compass America durchgeführt wurde, weit geringe Betriebskosten für die Tragbaren. Danach liegt der TCO-Aufwand für Notebooks bei 5000 Dollar im Jahr und damit nur mehr um knapp 700 Dollar über dem für Desktop-Rechner (siehe Grafik).

In deutschen Unternehmen scheint man den TCO-Kosten von Mobilrechnern generell nicht so große Bedeutung beizumessen. Kaum eine Firma hat Berechnungen darüber angestellt, während der Aufwand für Desktops oft untersucht wurde. DV-Chefs kämpfen eher mit der Behebung von technischen Problemen, die aber ebenfalls für die höheren TCO-Ausgaben verantwortlich sind. Insbesondere der rasche technische Fortschritt, der die Notebooks schnell veralten läßt, bereitet Kopfzerbrechen.

Spätestens alle zwei Jahre müssen beispielsweise für die Außendienstmitarbeiter beim ADAC neue Geräte angeschafft werden. Und das, obwohl sich der Automobilclub beim Einkauf im Hochpreissegment bewegt, insbesondere wegen der geforderten guten Bildqualität. Dazu Dietrich Lüben, Leiter Bürokommunikation: "Unsere Wissenschaftler, die etwa die Wasserqualität im Mittelmeer messen, benötigen eine vernünftige Auflösung." Vernünftig bedeutet die Darstellung von 1024 x 768 Pixel.

Seit einem Vierteljahr bemerkt Lüben massive Unstimmigkeiten zwischen den Grafikkarten und der eingesetzten Microsoft-Software "Outlook 98": Vor einem Jahr waren die meisten Bildschirmkarten der Notebooks nur mit 4 MB Speicher ausgestattet, der für die Software offenbar nicht ausreicht. "Wenn der Benutzer noch ein Hintergrundbild laufen hat, dann kann man darauf warten, daß sich Outlook nicht einmal mehr meldet", beschreibt der ADAC-Mann die Probleme. Da ein Austausch der Laptop-Grafikkarten, die meist auf der Platine integriert sind, nicht möglich ist, muß für die Außendienstler ein neuer Tragbarer angeschafft werden. "Die Software entwickelt sich schneller als die Laptop-Hardware", so das resignierende Fazit des ADAC-Managers.

Ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zu einheitlichen und damit kostengünstig zu verwaltenden Systemen liegt beim Einkauf. Die Angebotspolitik der Hersteller führt zu einem ständigen Modellwechsel. Das bestätigt zumindest der DV-Manager einer großen deutschen Versicherung. Obwohl dort knapp 3000 Notebooks zum Einsatz kommen, gelingt es bei Ersatzbeschaffungen nicht, die Konfiguration länger als zwei bis drei Monate stabil zu halten: "Mehr garantiert kein Hersteller", so die Erfahrungen des Managers. Der einzige Ausweg wäre, Rechner auf Vorrat anzuschaffen. Doch wer will diese Investition - auch wegen eventueller Preissenkungen - schon tätigen?

Die Analysten der Meta Group kennen offensichtlich dieses Problem, denn sie empfehlen den IT-Verantwortlichen, mit den Herstellern über stabile Konfigurationen - mindestens für drei bis sechs Monate - zu verhandeln. Wo das nicht gelinge, sollten die DV-Chefs eine größere Laptop-Menge anschaffen und sie bei Herstellern oder Distributoren bis zur Verwendung lagern. Diese radikale Forderung erklären die Analysten damit, daß bei fehlender Einheitlichkeit der Geräte die Verwaltungs- und Servicekosten explodieren würden: "Der Aufschlag für sehr heterogene mobile Umgebungen kann bis zu 75 Prozent betragen."

Die Münchner Allianz Gesellschaft für Informatik Service mbH (Agis) hat die Forderung der Meta Group nach einer engen Herstellerbeziehung bereits umgesetzt. Die Agis ist unter anderem verantwortlich für die Hardware-Ausstattung der Allianz Versicherung und damit für die Betreuung von rund 20000 Notebooks für den Außendienst und weiteren 8000 Stück in der Verwaltung.

Neben einer weltweiten Einkaufspolitik für alle Versicherungsniederlassungen setzen die Agis-Manager auf Herstellernähe, in diesem Fall zur Siemens AG. Dazu Alexander Metz, bei der Agis verantwortlich für Unternehmensentwicklung und Strategien: "Wir konnten Siemens schon ein paarmal dazu bewegen, für uns im Werk Augsburg eine Extraserie aufzulegen."

Aber auch der Agis-Manager kennt die Probleme technischer Art, wenn Grafiktreiber nicht funktionieren oder zusätzlich Software installiert wird, die Teile des Notebooks lahmlegt. "Wie kompliziert und schnellebig das PC-Geschäft geworden ist, sieht man auch daran, daß wir zusammen mit Siemens ein ausgeklügeltes Serviceprogramm erarbeiten mußten, das genau regelt, wie bei einem Schaden vorzugehen ist."

Mobil produktiver?

Ein Grund für die prognostizierte Zunahme an Mobilrechnern ist sicher das, was die CW-Schwesterpublikation "Infoworld", als "potentiellen Produktivitätsgewinn" bezeichnet: Mitarbeiter, die mit einem Notebook ausgestattet sind, nutzen es auch in ihrer Freizeit, so die Überlegungen. Berufsbedingte E-Mails würden auch am Wochenende und im Urlaub gelesen und beantwortet, Präsentationen im Flugzeug erstellt. Bei einer geschätzten Lebensdauer von drei Jahren für das Notebook und einer zusätzlichen Arbeit von zwei Stunden pro Woche addiere sich die Zusatzleistung auf 300 Stunden. Multipliziert mit dem Stundenlohn rechtfertige diese Summe jeden Aufschlag bei Anschaffungs- oder Servicekosten. Und es gilt die Regel: Je teurer der Mitarbeiter, desto größer ist der Gewinn!

Mobil voran

Trotz der größeren Anfälligkeit der Tragbaren scheint deren Siegeszug nicht aufzuhalten zu sein. Meta Group prognostiziert für das nächste Jahr, daß 75 Prozent der Arbeitnehmer ein mobiles Gerät benötigen werden, sei es für ein heimisches Büro, für Telearbeit oder auf Reisen. In den Unternehmen werden dann schon fast die Hälfte (45 Prozent) der Neuanschaffungen Mobilgeräte sein. Derzeit liegt der Anteil bei rund 35 Prozent.

In jüngster Vergangenheit bekannten große Unternehmen ihren Umstieg auf mobile Clients: So will etwa Peoplesoft zu 100 Prozent auf Tragbare wechseln und sich völlig von Desktops verabschieden. Jet-Hersteller Boeing und Prozessorlieferant Intel planen, 80 Prozent ihrer Arbeitnehmer - auch die am stationären Arbeitsplatz - mit Mobilrechnern auszustatten.