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15.09.2000 - 

Bankgesellschaft Berlin konsolidiert Unix-Server

Notes-Cluster auf dem Mainframe spart IT-Kosten

BERLIN (wh) - Als die Bankgesellschaft Berlin sich für eine Notes-Installation auf geclusterten Großrechnern entschied, prallten zwei Welten aufeinander: RZ-Spezialisten bauten im Team mit Groupware-Experten eine hochverfügbare IT-Infrastruktur. Für die Big Irons sprachen vor allem Kostengründe.

Noch im September 1998 konnte die Bankgesellschaft Berlin im Notes/Domino-Umfeld als Musterbeispiel für eine heterogene IT-Landschaft gelten: Server unter den Unix-Derivaten HP-UX und Solaris arbeiteten neben NT-basierten Rechnern und etlichen OS/2-Systemen, die im Bankensektor noch immer verbreitet sind. Im Backend stellte ein IBM-Großrechner Dienste wie Transaktionsverarbeitung, Datenhaltung oder Batch-Jobs zur Verfügung.

Die BB-Data GmbH, IT-Betreiber der Bankgesellschaft, betreute insgesamt 24 Lotus-Domino-Server unter verschiedenen Betriebssystemen, darunter Mail- und verschiedene andere Datenbank-Server, Gateways und Intranet-Server. Als IBM im Herbst 1998 Lotus Domino auch für die S/390-Großrechner anbot, stellte sich für die Banker die Frage, ob eine Zusammenführung der Notes-Systeme sinnvoll und realisierbar sei. "Unsere Überlegung war es, die unterschiedlichen Plattformen auf denen die Domino-Server liefen, auf wenige große Systeme zu konsolidieren", berichtet Projektleiter Klaus Wirries. "Wir mussten dann entscheiden, auf welcher Plattform diese dann laufen sollten."

Ziel der Berliner war es, die Anzahl der installierten Systeme und Netzverbindungen zu reduzieren und so die hohen Administrationskosten der verteilten IT-Landschaft zu senken. Lotus Domino und die vorhandene Netzinfrastruktur waren für eine Konsolidierung prinzipiell geeignet. Alle Server wurden zudem schon bisher zentral von Mitarbeitern der BB-Data verwaltet. Die Projektverantwortlichen sahen damit auch die organisatorischen Voraussetzungen für eine Zusammenlegung von Servern als erfüllt an. Wirries: "Mit dem vorhandenen S/390-Rechenzentrum hatten wir eine gute Ausgangslage."

Grundsätzlich standen für BB-Data drei Optionen zur Auswahl: eine Vielzahl dezentraler PC- und Unix-Server, ein einziger großer Unix-Server sowie ein S/390-Mainframe. Wirries zog zur Entscheidungsfindung detaillierte qualitative und quantitative Analysen heran. Letztere beinhalteten eine Untersuchung der jeweiligen Gesamtkosten.

Im Rahmen der qualitativen Analyse betrachteten die IT-Verantwortlichen unter anderem Aspekte wie das vorhandene technische Know-how für die Plattformen und die jeweils anfallenden Betreuungszeiten. Kriterien für die Systemsoftware waren etwa das Sicherheitskonzept, Softwarepflege und die Schnittstellen zu anderen Plattformen. Hinsichtlich der in Frage kommenden Hardware evaluierten die Berliner Merkmale wie Verfügbarkeit, Leistung, Datensicherung und Skalierbarkeit.

Auch die zugehörige Netzinfrastruktur floss in die Bewertung ein. Die S/390-Systeme schnitten bei dieser Betrachtung am besten ab.

Noch detaillierter nahmen die Mitarbeiter die Kosten unter die Lupe. Neben den Aufwendungen für Anschaffung, Upgrade und Entsorgung für Hardware und Software listeten die Projektverantwortlichen eine Reihe weiterer Positionen auf: Betrieb und Verwaltung der Systeme Entwicklung, Kommunikations- und Raumkosten. Wirries orientierte sich an einem Kriterienkatalog des Fraunhofer-Instituts.

Auch die quantitative Untersuchung brachte klare Ergebnisse: Über einen Zeitraum von drei Jahren gerechnet, ergab sich für die S/390-Lösung im Vergleich zu den dezentralen Varianten eine Kostenersparnis von rund einer Million Mark. Dabei wurde die Annahme zugrunde gelegt, dass die Zahl der Benutzer konstant bleibt.

Bezieht man das erwartete Wachstum bei den Benutzern mit ein, steigen die Einsparungen im angegebenen Zeitraum auf drei Millionen Mark. Selbst im Vergleich zu einer zentralen Unix-Lösung, also einem großen SMP-Server, kommt die Mainframe-Installation unter sonst gleichen Voraussetzungen noch um zirka 1,5 Millionen Mark billiger. "Sowohl aus qualitativen als auch aus quantitativen Gründen war die S/390 die Plattform der Wahl", resümiert Wirries.

Nun galt es, die alte Mainframe-Welt mit der noch relativ jungen Groupware-Umgebung zu verschmelzen. Die Berliner richteten dazu ein gemischtes Projektteam ein: Die Kernmannschaft bestand aus zwei MVS-Spezialisten und einer Expertin für das Lotus-System. "Die Host-Leute hatten noch nie mit dem Domino-System zu tun gehabt; ich hatte noch nie einen Domino-Server auf der S/390 betreut", berichtet die Notes-Administratorin Renate Mickley. "Von den OS/390-Leuten habe ich viel gelernt, und umgekehrt."

Im Gegensatz zu anderen Projekten in der Branche, wo der Hersteller häufig die Implementierung übernimmt, habe die Bankgesellschaft Berlin das Projekt in Eigenregie durchgeführt. Mickley: "Das Know-how ist für uns heute von großem Nutzen."

Die Bankgesellschaft Berlin unterhält an zwei getrennten Standorten jeweils identisch konfigurierte S/390-Mainframes ("IBM 9672-Z77"). Diese sind über eine Hochgeschwindigkeitsverbindung (TCP/IP über XCF mit 4,5 GB/s) gekoppelt (siehe Grafik). Unter dem Betriebssystem OS/390 2.6 arbeitet unter anderem Lotus Domino V 4.6.3. Der Domino-Server läuft als Unix-Service in derselben logischen Partition (LPAR = Logical Partition) wie klassische Mainframe-Anwendungen (beispielsweise IMS oder TSO).

Hochverfügbar wird die Installation durch das Domino-Clustering (siehe CW 14/00, Seite 68). Diese Clustering-Variante auf Applikationsbasis bietet unter anderem automatisches Failover bei Systemausfällen und Funktionen zur Lastverteilung. Um die Datenbestände auf den Servern konsistent zu halten, werden die Informationen automatisch repliziert. Dazu arbeitet auf jedem Großrechner ein Cluster-Manager, der über den Cluster Database Directory Manager die Replikation sicherstellt.

Zuerst installierten die Berliner die Domino-Mail-Server. Inzwischen liegt auch eine große Zahl anderer Domino-Datenbanken auf dem Mainframe. Allerdings arbeitete die Bankgesellschaft in der ersten Implementierungsstufe nur mit gespiegelten Festplatten. Fiel eine Anwendung aus, musste das System neu hochgefahren werden. "Bei der S/390 kann das bis zu einer Stunde dauern", erläutert Wirries. "Das war uns zu viel." Das Projektteam entschied sich deshalb für einen Failover-Cluster. "Die Verfügbarkeit der Notes-Anwendungen ist seitdem auf fast 100 Prozent gestiegen."

Die Benutzer - derzeit zirka 350 gleichzeitig - merken von einem Systemausfall wenig. Der Notes-Client sucht im Fehlerfall selbständig nach einem Cluster-Server und meldet sich an dem funktionsfähigen Server an.

Der Aufwand für die Migration der Notes-Anwendungen auf den Mainframe hielt sich laut Wirries in Grenzen. So seien etwa Änderungen bezüglich der Domains, Namensschemata oder der Client-Installationen nicht erforderlich gewesen. Geändert haben sich die Server-Installation, die Datenreplikation, das System-Management sowie die Datensicherung und -wiederherstellung. Letzteres übernimmt das IBM-System ADSM, das auch ein inkrementelles Backup zulässt. Dabei werden jeweils nur die Änderungen gesichert. Mit Hilfe eines transaktionsorientierten Backups auf Dokumentenebene konnte das Backup-Volumen auf 0,5 bis 1,5 Prozent eines kompletten Backups zurückgefahren werden, so Wirries.

RZ-INSTALLATIONHardware:

-zwei IBM-Großrechner "9672-Z77" mit jeweils acht Prozessoren, 1133 MIPS pro Rechner;

-acht Plattensubsysteme CPX Tetragon T2100 mit 4,26 TB je RZ-Standort, jeweils gespiegelt im Backup-RZ (gesamte Kapazität 8,52 TB).

Software:

OS/390 2.6, TCP/IP 3.5, Lotus Domino V 4.6.3, Domino Cluster Server

IMS Online, CICS, DB2, Batch, TSO, Backup und Restore über IBM ADSM.

BG BerlinDie Bankgesellschaft Berlin ist ein an inländischen Börsen notierter Bank- und Finanzkonzern mit regionalem Schwerpunkt in der deutschen Hauptstadt. Er entstand 1994 aus der Zusammenführung mehrerer Kreditinstitute, die sich ehemals im Besitz des Landes Berlin befanden. Größter Einzelaktionär ist mit 56,6 Prozent das Land Berlin.

Mit verschiedenen Marken ist die Bankgesellschaft in Marktsegmenten des Retail-Banking und darüber hinaus im Großkunden- und Kapitalmarktgeschäft tätig.