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03.02.2006

Notes erhält Technik von Workplace

Auf der Lotusphere machte IBM deutlich, dass die bewährte Groupware immer mehr Features von ihrem internen Java-Konkurrenten "Workplace Collaboration Services" erben soll.

Während IBM auf den Hausmessen der vergangenen Jahre die neue Workplace-Familie in den Vordergrund rückte, erhielt auf der diesjährigen Lotusphere Notes/Domino die größere Aufmerksamkeit. Big Blue beschränkte sich dabei nicht wie in der Vergangenheit darauf, die langfristige Unterstützung der alten Produktlinie zu beteuern. Vielmehr kündigte das Unternehmen eine ganze Reihe von Updates an und gab teilweise einen über die bevorstehenden Releases hinausgehenden Ausblick. Das galt nicht nur für das Kernprodukt Notes/ Domino, sondern auch für den "Document Manager", die "Suite for SAP Solutions", die Teamsoftware "Quickplace" und die Instant-Messaging- und Konferenzlösung "Sametime".

Hier lesen Sie …

• wie die IBM mit Hilfe von Eclipse ihre Collaboration-Clients konsolidiert;

• welche ehemals exklusiven Workplace-Features in die nächste Version von Notes/ Domino wandern;

• wie alte Notes-Anwendungen zu gleichberechtigten Mitspielern in komponentenbasierenden Desktops werden;

• wohin die Reise bei Domino Document Manager und Quickplace geht;

• wieso die IBM ihr RTC-Tool Sametime aus dem Dornröschenschlaf erweckte.

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www.computerwoche.de/go/

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Angesichts der zunehmenden Verschmelzung von Notes/Domino mit Workplace lässt sich daraus allerdings keine Verschiebung von Prioritäten ableiten. Vielmehr verweisen die Firmenverantwortlichen immer wieder darauf, dass die IBM große Fortschritte in Richtung einer Komponentenarchitektur für ihre Middleware gemacht habe. Sie erlaube es, Bausteine flexibel zu Produkten zu kombinieren, egal ob die dann unter der Marke Lotus oder Websphere verkauft werden. So machen die auf der Lotusphere angekündigten "Workplace Collaboration Services 2.6" erstmals den "Managed Client" allgemein verfügbar. Dieser bildet seinerseits die Grundlage für das nächste große Notes-Release.

Der aktuellen Version 7.0 von Notes/Domino folgt in den nächsten Monaten die 7.01. Davon profitiert vor allem die Linux-Ausführung. Das Frontend nimmt hinsichtlich seiner Architektur wesentliche Aspekte des für 2007 geplanten Haupt-Release "Hannover" vorweg. Es handelt sich dabei nämlich um ein Plug-in für den "Workplace Managed Client". Dieser beruht auf dem in Java geschriebenen "Eclipse"-Framework und kann mit Hilfe des angekündigten Moduls alle bestehenden Notes-Anwendungen unter dem Open-Source-System ausführen.

Die interessanteste Neuerung für Notes/Domino 7.02, das zur Jahresmitte erscheinen soll, kommt Benutzern zugute, die häufig an wechselnden Arbeitsstätten tätig sind ("roaming users"). IBM plant für sie ein Feature unter der Bezeichnung "Notes on the go". Es erlaubt unter Windows den Start des Groupware-Clients von einem Memory-Stick oder anderen USB-Speichermedien etwa einem MP3-Player. Bei ausreichender Speicherkapazität kann auch die Mail-Datenbank dort abgelegt werden. Dieses Zwischen-Release umfasst zusätzlich eine Datenbankschablone für Weblogs sowie die Fähigkeit, Inhalte von Notes-Anwendungen via RSS zu publizieren.

Dieses kleine Update aktualisiert zudem den Client auf dem Macintosh, der dann mit seinem Windows-Gegenstück weitgehend gleichzieht. Eine Ausführung für Apples neue Intel-Rechner soll ebenfalls zur Verfügung stehen. Hinzu kommt die Unterstützung für "Domino Web Access", das aber nur "Firefox" berücksichtigt und mit Apples eigenem Browser "Safari" nicht läuft.

Grundlegende Veränderungen soll das für 2007 geplante Hannover-Release bringen. Es wurde Mitte letzten Jahres auf einer Konferenz der Deutschen Notes User Group angekündigt und soll das Groupware-System noch stärker mit seinem designierten Nachfolger zusammenführen. Auf dem Client ist Eclipse vollständig für die Präsentation der Benutzerschnittstelle zuständig. Unter der Haube sorgt ein um GUI-Funktionen beraubtes Notes dafür, dass der Java-Überbau Zugriff auf die Notes-Infrastruktur erhält. Dazu zählen etwa die Notes-Datenbanken, Replikation oder Sicherheitsfunktionen.

Bei der ursprünglichen Ankündigung von Workplace nannten die IBM-Verantwortlichen als wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber Notes, dass es Teamfunktionen im Kontext von Business-Applikationen bereitstellen könne. Dagegen sei Notes aufgrund seiner Client-Server-Architektur eine Stand-alone-Groupware. Diese Differenzierung wird mit Hannover hinfällig, weil der neue Client zusammengesetzte Anwendungen ("composite applications") unterstützen soll. Diese können aus herkömmlichen Notes-Anwendungen sowie Eclipse-Plug-ins bestehen. Für den Benutzer präsentiert sich das Resultat als ein Client-seitiges Portal, das im Gegensatz zu seinem Browser-basierenden Pendant auch offline-fähig ist.

Notes-Programme runderneuert

Die zusammengesetzten Anwendungen neuen Typs beschränken sich nicht auf die rein visuelle Integration, die diverse Programme bloß unter einer Oberfläche zusammenführt. Vielmehr werden sie Nutznießer einer Komponententechnik, die Informationen zwischen den Portalfragmenten austauschen kann. Beispielsweise könnte eine Anwendung Artikelstammdaten auflisten und bei Auswahl eines Datensatzes die Nummer des Produkts an eine andere Komponente im gleichen Fenster übergeben. Diese wiederum würde etwa den Lagerbestand überprüfen oder ein Produktfoto einblenden. Damit bestehende Notes-Anwendungen in dieser Umgebung mitspielen können, müssen sie mit Hilfe nachträglich erstellter Metadaten kundtun, welche Informationen sie weitergeben oder aufnehmen können. Diese Beschreibung erfolgt in Form der Web Services Description Language (WSDL) und kann mit dem "Domino Designer" erzeugt werden. Auf der Java-Seite ist der "Workplace Designer" zuständig, um diese Aufgabe zu vereinfachen.

Moderner Mail-Client

Der Architekturwechsel beim Client gibt der IBM die Gelegenheit, die Bedienerführung gründlich aufzuräumen. Erste Demos auf der Lotusphere zeigten eine ansprechende Oberfläche, die einige häufig kritisierte Notes-Besonderheiten aufgibt. So sollen sich etwa mehrere Mails, wie unter Windows üblich, mit STRG + Mausklick markieren lassen.

Der zukünftige Notes-Client besteht keineswegs aus einem abgemagerten Workplace-Client, der nur Mails, Aufgaben, Kalender sowie selbst entwickelte Notes-Anwendungen ausführen kann. Vielmehr spendiert ihm die IBM auch den "Activity Explorer", der als wesentliche Neuerung des Workplace Service 2.5 gefeiert wurde. Sein Zweck besteht darin, alle zu einem Projekt gehörigen Aktivitäten zentral zu organisieren. Dazu zählen Mails, Instant Messaging, Kalendereinträge oder auch Dokumente.

Notes mit DMS-Funktionen

Aus dem Workplace-Fundus erhält das nächste große Notes/ Domino-Release außerdem die Funktionen für das Dokumenten-Management. Der Managed Client bringt ohnehin die Cloudscape-Datenbank mit, in der sich Texte, Kalkulationstabellen oder Präsentationsgrafiken lokal und verschlüsselt speichern lassen. Sie kann diese Daten nach einer Offline-Nutzung mit dem Backend replizieren. Als standardmäßige Autorenwerkzeuge kommen die "Productivity Tools" zum Einsatz. Es handelt sich dabei um ein modifiziertes Open Office 1.1, dessen Anwendungen als Eclipse-Plug-ins ablaufen und auch das "Open Document Format" unterstützen.

Nachdem der Workplace Managed Client, auf dem das Hannover-Release von Notes beruht, völlig über den Portal-Server gesteuert wird, wäre nach den bisherigen Plänen zusätzlich zu Domino auch eine Workplace-Infrastruktur im Backend nötig gewesen. Dort müssten unter anderem die Profile für Benutzer hinterlegt werden, die etwa bestimmen, welche Applets in das Client-seitige Portal eingeblendet werden. Die IBM kommt nun Forderungen der Kunden entgegen und integriert die gesamte Funktionalität für das so genannte Client Provisioning in den Domino-Server.

Integrierter Spamfilter

Der Server für das Hannover-Notes, den die IBM derzeit mit "Domino Next" tituliert, erhält eine Reihe von Neuerungen, die seine bisherigen Kernaufgaben betreffen. Dazu zählt die überfällige Integration eines Spam-Filters, nämlich IBMs "Spamguru". Anstelle von Sender-ID beziehungsweise des Sender Policy Framework setzt der Mail-Server das von Yahoo entwickelte "Domain Keys" ein, um die Herkunft von Nachrichten zu verifizieren. Geplant ist offenbar auch die Unterstützung von Microsofts proprietärem Transport Neutral Encapsulation Format (TNEF). Sie soll den leidigen Zustand beenden, dass von Outlook versandte Mails in Notes nicht lesbare Anhänge namens "winmail.dat" enthalten, in dem sich die Rich-Text-formatierte Version der Nachricht verbirgt.

Domino.Doc und Quickplace

Das Bemühen der IBM, ihr heterogenes Collaboration-Portfolio auf eine gemeinsame technische Grundlage zu stellen, zeigt sich auch bei den Notes-Abkömmlingen Quickplace und Domino Document Manager (DDM, ehemals "Domino.Doc"). Seit der Version 6.51 kommen neue Versionen immer gleichzeitig mit einem Update von Domino auf den Markt, so dass sie stets auf derselben Codebasis beruhen und konfliktfrei parallel betrieben werden können.

Entsprechend dieser synchronen Update-Zyklen trägt der aktuelle DDM die Versionsnummer 7 und profitiert von den Fortschritten des Basissystems etwa durch effizientere Nutzung der Hardware. Wenn die Notes-Anwender mit Domino Next eine integrierte Dokumenten-Management-Lösung erhalten, dann stellt sich die Frage der zukünftigen Positionierung von DDM. Die längerfristige Antwort gibt die IBM mit dem "Content Bus", der alle dokumentorientierten Produkte miteinander verbinden soll. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein ganzes Bündel von Techniken, um Inhalte zu aggregieren, eine einheitliche Sicht auf mehrere Content-Repositories zu ermöglichen, diese zu durchsuchen, einen übergreifenden Workflow zu definieren oder gemeinsame Editoren zu verwenden. Dazu zählt RSS/ Atom ebenso wie der Java-Standard JSR-170 und das mit Venetica zugekaufte Framework zur Integration von Dokumentenablagen ("Websphere Information Integrator Content Edition").

Gemäß dieser Ausrichtung wird DDM "Next" die von ihm verwalteten Inhalte nach beliebigen Kriterien gefiltert als RSS-Feeds ausgeben können. So lassen sich beispielsweise Dokumente in einem bestimmten Ordner abonnieren oder nur jene, die einen bestimmten Bearbeitungsstatus erreicht haben oder ausgecheckt wurden. Außerdem erhält die nächste Version von "Workplace Documents" (gelegentlich auch als "Portal Document Manager" bezeichnet) lesenden Zugriff auf DDM-Repositories, die zusätzliche Schreibmöglichkeit ist erst für eine spätere Ausführung vorgesehen. Ganz eingebunden sollen aber bereits mit dem Hannover-Release die Productivity Tools werden, die damit auch für den DDM als vollwertige Autorenwerkzeuge dienen.

Der Content Bus befördert zukünftig nicht nur DMS und CMS, sondern auch andere dokumentenlastige Anwendungen. Dazu zählt auch Quickplace mit seinen Teamspaces und Dateibibliotheken. Auf diese Weise kann das Tool für Instant Collaboration DMS-Dienste in Anspruch nehmen, etwa um den Lebenszyklus eines Dokuments zu verwalten. Quickplace soll ebenfalls in der nächsten Version RSS-Feeds für alle erdenklichen Daten ausgeben können, darunter auch für die Änderungshistorie von Wikis.

Ajax und RSS hoch im Kurs

Sie zählen zu den Neuerungen dieser Ausführung. Daneben sind vor allem Verbesserungen in der Benutzerführung geplant. IBM greift dazu tief in die Ajax-Trickkiste, um auf dem Browser das Verhalten eines Desktop-Clients nachzuempfinden. Dazu gehören unter anderem kontextabhängige Popup-Menüs, der Austausch von Dokumenten mittels Drag and Drop mit den Workplace Collaboration Services und die Integration der Productivity Tools.

IBM war der erste große Hersteller, der Instant Messaging für den Unternehmenseinsatz propagierte. Trotzdem vernachlässigte Big Blue in den letzten Jahren die Weiterentwicklung von Sametime (das zwischenzeitlich "Instant Messaging and Web Conferencing Server" hieß). Das Unternehmen kündigte nun eine umfassende Erneuerung seines wichtigsten Tools für Realtime Collaboration (RTC) an. In der Version 7.5, die Mitte 2006 erscheinen soll, vollzieht die IBM einen Architekturwechsel.

War der Sametime-Client bisher nur als native Anwendung für Windows verfügbar, so setzt er künftig wie der Workplace Client und die nächste Notes-Version ebenfalls auf das in Java geschriebene Eclipse-Framework auf. Dadurch wird das neue RTC-Frontend auch für Apple- und Linux-Rechner verfügbar. Da Eclipse einen modularen Ansatz verfolgt, der die Erweiterung des Systems mit Hilfe von Bausteinen vorsieht, öffnet sich Sametime für Zusatzfunktionen von Drittanbietern. Anstatt wie bisher nur in andere Anwendungen eingebettet zu werden, wird Sametime nun selbst zu einer Plattform. Denkbare Ergänzungen wären etwa Text-to-Speech-Konverter oder Softphones.

Öffnung von Sametime

Unter dem Eindruck von Microsofts RTC-Ambitionen mit dem "Live Communications Server" verbindet die IBM ihre unternehmensinterne Insellösung mit öffentlichen IM-Netzen. Auf der Lotusphere kündigte Big Blue ein Gateway an, das die Kommunikation mit AIM und ICQ von AOL sowie dem Messenger-Dienst von Yahoo erlaubt. Außerdem ist die Anbindung von Google Talk geplant, über eine entsprechende Kooperation verhandelt die IBM noch mit der Web-Company. Der Austausch mit diesen Consumer-Systemen beschränkt sich vorerst auf Textnachrichten und die Anzeige des Online-Status ("Presence Awareness"). Im Gegensatz zu Microsofts Live Communications Server fallen bei Sametime keine zusätzlichen Lizenzgebühren für diese Brücken in die Außenwelt an.

Die Öffnung einer Enterprise-IM-Lösung gegenüber den externen Netzen versetzt Administratoren in die Lage, die Consumer-Clients aus dem Unternehmen zu verbannen und den Mitarbeitern mit Sametime ein universelles Frontend anzubieten. Damit wird die gesetzlich geforderte Protokollierung von IM-Inhalten auch bei der Kommunikation mit externen Partnern gewährleistet. Die intern mögliche Verschlüsselung der Daten klappt beim Austausch mit den Consumer-Systemen allerdings nicht.

VoIP über Partner

Neben den Übergängen zu AOL, Yahoo und Google umfasst Sametime 7.5 zusätzlich ein Multiprotokoll-Gateway, mit dem das RTC-System auch mit solchen Lösungen kommunizieren kann, die auf dem Session Initiation Protocol (SIP) basieren. Dazu zählt auch die RTC-Komponente in Workplace.

Wie Microsoft mit dem neuen "Communicator"-Client möchte die IBM ebenfalls einen zentralen RTC-Client etablieren, der auch Telefonfunktionen übernehmen kann. Im Gegensatz zu den Redmondern überlässt Big Blue die Integration von VoIP-Funktionen und die Anbindung von Telefonanlagen seinen Partnern. Schon bisher existierte eine Kooperation mit Avaya, auf der Lotusphere gab IBM die Zusammenarbeit unter anderem mit Iscoord, Polycom und Siemens bekannt. Außerdem mit Tandberg, das Sametime um Videofähigkeiten erweitert.