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05.12.1975 - 

Peter Knobloch, EDV-Chef bei Gummi-Mayer, Landau, hat keine Angst vor der eigenen Courage:

"Notfalls verkaufen wir den Hobel wieder'

Im Blätterwald der EDV-Publikationen - CW nimmt sich da nicht aus - rauscht seit geraumer Zeit der Wind der Verheißung: Unter den Stichworten "Kauf und Leasing" werden Wege aufgezeigt, der Kostenexpansion im Rechenzentrum Herr zu werden. Tatsächlich bieten sowohl Kauf als auch Leasing interessante Möglichkeiten der Einsparung. Für viele EDV-Leiter dürfte das Abweichen vom Weg der "Miet-Tugend" jedoch immer noch in Neuland führen. Daß Schwierigkeiten bei der Wartung gekaufter oder geleaster Anlagen sowie beim Wiederverkauf gebrauchter Maschinen auftreten können, ist allgemein bekannt. Gleichwohl, wenn die Gründe hierfür bekannt sind, so stellt sieh allemal die Frage nach den Lösungsmöglichkeiten und Auswegen. Ein Beispiel zeigt, daß es unterschiedliche Methoden zur Realisierung von "Finanzierungsgewinnen" gibt:

LANDAU - Nicht jeder handelt mit Großsystemen "en gros und en detail" wie Ulrich Kiel, EDV/Org-Chef der Quelle, Fürth, der jüngst zwei altgediente 360/65-Anlagen nach Australien verkaufte und sich als Ausgleich bei IBM mit einer fabrikneuen 370/168 eingedeckt hat - durch Kauf selbstverständlich. Indes, auch den kleineren und mittleren Anwendern, die vor der Wahl "Miete oder Kauf" stehen mag zu denken geben, daß gerade diejenigen EDV-Leiter, die solche Entscheidungen erst nach genauen Analysen sowie Benchmark-Tests treffen, sieh zunehmend für Kauf oder Leasing entscheiden. Denn das Kostenbewußtsein habe sich - so Kiel - allgemein in sehr starkem Umfange geschärft. Und durch Kauf - nochmals gesagt - sind in der Tat erhebliche Einsparungen zu erzielen: Die Reifenfirma Gummi-Mayer, Landau, hat kürzlich ihre bislang gemietete Zentraleinheit 370/145 mit 384 KB Hauptspeicher (Neupreis rund 3,1 Mio. Mark) gegen eine Second-Hand-CPU gleichen Typs und gleicher Speicherausstattung ausgetauscht, die - wie Gummi-Mayer-EDV-Leiter Peter Knobloch der Computerwoche berichtete - "einschließlich Beschaffungskosten alles unter dem Strich 1,9 Mio. Mark gekostet hat".

Gebrauchtmaschine in USA "ausgeguckt"

Das Wie und Wo der Beschaffung war allerdings ungewöhnlich: Knobloch hat selbst die Reise über den großen Teich nicht gescheut, um ein geeignetes Aggregat zu finden. Ein deutscher Broker setzte seinen amerikanischen Geschäftspartner in Bewegung und vermittelte dem Landauer EDV-Chef eine Besuchsrunde in USA. "Wir haben uns zuerst in New York eine Maschine angeschaut", berichtet Knobloch, "die war uns jedoch zu vergammelt." Aber bereits das zweite Angebot - eine in einem Houstoner Servicerechenzentrum installierte 370/145 Zentraleinheit - entsprach genau seinen Anforderungen. Nach einer Verschönerungskur in einem IBM-Rebuilt-Center - neben der Reinigung waren auch einige Anpassungen erforderlich - wurde die CPU nach Deutschland verbracht und bei Gummi-Mayer in drei Tagen installiert.

"Ohne Bedarfsplanung geht es nicht"

Knoblochs Fazit nach drei Monaten: "Wir haben einen guten Fang gemacht." Er gibt jedoch zu bedenken, daß eine mittelfristige Bedarfsplanung unerläßliche Voraussetzung sei, an eine "solche Sache" heranzugehen. Es bedürfe einigermaßen verläßlicher Analysen, welche Reserven die Maschine noch habe. Knobloch: "Wir werden die Anlage mindestens ein halbes Jahrzehnt nutzen, sie bietet durch die Ausbaufähigkeit des Hauptspeichers ausreichende Reserven." Aber auch wenn seine Sehätzungen sieh als lückenhaft I oder falsch herausstellten, so daß er gezwungen wäre, die Maschine in einem kürzeren Rhythmus auszutauschen, so bedeutet das für ihn keinen Grund zur Panik- "Dann verkaufen wir den Hobel eben wieder."

Der Markt für Kaufmaschinen dieser Größenordnung sei, wie der mutige EDV-Chef erklärt, zwar in Europa im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten noch sehr eng und wenig transparent, jedoch bereits groß und flexibel genug, so daß Gebrauchtmaschinen jederzeit wieder an den Mann gebracht werden könnten. Es gäbe da durchaus eine Parallele zu den 360-Anlagen, die momentan ungeheuer gefragt und deshalb in ihrem Wert wieder enorm gestiegen seien. Knobloch fühlt sich mit seinem US-Import gar nicht so langfristig festgenagelt, wie das die mit dem sattsam bekannten Flexibilitätsgesichtspunkt argumentierenden Befürworter der Miete glauben.

Serie 370 bleibt

Er gibt zwar zu, daß, wenn IBM einfiele, morgen etwas Neues herauszubringen (370/148 oder gar PS), seine Maschine stark an Marktwert verlieren würde, hält jedoch dagegen "nichts, aber gar nichts" spreche zum jetzigen Zeitpunkt dafür, wenn man die Policy des Marktführers richtig einschätze: "IBM wird allen bestehende Lücken schließen." Viele Kollegen hätten einfach Angst vor der eigenen Courage. Sein Ratschlag: Wer sich für den Kauf eines Computers entscheidet, sollte sich vorher Rückendeckung bei seiner Geschäftsleitung verschaffen. Denn es gäbe - wie in seinem Fall passiert - Schwierigkeiten mit der IBM, die diesen Entschluß "höheren Ortes" zu torpedieren versuchte: "Da ist von seiten des Herstellers mit Hinweis auf ,Einbrüche bei der Wartungæ ganz massiv eingegriffen worden." Knobloch hatte den erforderlichen Rückhalt, bei den "Oberen", die meinten: "Lassen wir ihn doch mal marschieren."