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23.03.2001 - 

SAP-Beratungshaus trotzt der Krise am Neuen Markt

Novasoft hofft auf Mysap.com

FRANKFURT/M. - Hohe Investitionen in SAP-Produkte der neuen Generation belasteten im Geschäftsjahr 2000 das Ergebnis der Novasoft AG. Gemessen am sonstigen Katzenjammer an Frankfurts Wachstumsbörse Neuer Markt können sich die Zahlen der Heidelberger aber mehr als sehen lassen. Schon im laufenden Geschäftsjahr will das SAP-Beratungshaus, das im vergangenen Jahr einen ersten Schritt in Richtung E-Business-Company machte, rund ein Drittel seiner Einnahmen im Geschäftsfeld Mysap.com erzielen. Von Andrea Goder*

"Wir setzen auch in Zukunft voll auf SAP", betonte Novasoft-Vorstand Kurt-Georg Konrad auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Nach einer "langen Durststrecke", in der der Walldorfer Softwareriese zunächst über Gebühr auf seine E-Business-Suite Mysap.com warten ließ, habe man frühzeitig mit hohen Investitionen dem Wandel des SAP-Marktes Rechnung getragen. Heute sei Novasoft nicht mehr länger ein klassisches SAP-Beratungshaus, sondern positioniere sich zunehmend als E-Business-Company.

Eine Strategie, die sich zum Teil auch bereits an den Zahlen ablesen lässt. Zunächst konnte Novasoft trotz negativer Nachwirkungen durch den Jahr-2000-Wechsel auch im letzten Geschäftsjahr das Wachstumstempo mit einem Umsatzplus von 39 Prozent fortsetzen. Von insgesamt 50,1 Millionen Euro Umsatz entfielen bereits zehn Prozent auf Erlöse mit Mysap.com. Bis zum Jahresende schloss Novasoft - das Unternehmen ist bereits Mysap.com-Alliance-Partner des Walldorfer Softwarekonzerns - 15 Projekte mit allerdings kleineren Volumina bei Kunden wie der Software AG, Bayer und Karstadt/Quelle ab.

Rückgriff auf externe KapazitätenDa der Know-how-Aufbau in den eigenen Mitarbeiterreihen zunächst aber größere Kapazitäten band, mussten die Heidelberger in ihrem klassischen ERP-Beratungsgeschäft auf externe Kapazitäten zurückgreifen. Die dadurch zusätzlich entstandenen Kosten führten im ersten Halbjahr 2000 zu einer Gewinnwarnung. Für das Gesamtjahr wurde die ursprünglich geplante Ebit-Marge von 25 Prozent um zehn Prozent verfehlt. Mit einem Vorsteuergewinn von 7,5 Millionen Euro, der sich in etwa auf Vorjahresniveau bewegt, könne sich das Unternehmen laut Konrad aber immer noch im Wettbewerbsumfeld sehen lassen.

Abgesehen vom Umbruch im SAP-Markt, stehen die Zeichen bei Novasoft aber noch an einer anderen Stelle auf Veränderung. Das vor elf Jahren von Konrad und seinem Vorstandskollegen László Gotthard in Heidelberg gegründete Unternehmen hat sich den Wandel vom mittelständischen Beratungshaus zu einem größeren Anbieter respektive Systemintegrator vorgenommen. "Wir wollen in die obere Liga", gab Konrad als Parole aus. Das Leistungsspektrum der Heidelberger reicht heute schon von Machbarkeitsstudien über die Konzepterstellung einer integrierten Gesamteinführung, Planung, Ausführung und Überwachung der Projekte bis hin zur Unterstützung der Kunden im Bereich Konfiguration und Customizing der SAP-Software.

Im Wettbewerb mit den Big FiveNovasoft hat mit Firmen aus den Bereichen Handel, Dienstleistung, Chemie sowie Automobil- und Fertigungsindustrie heute vorwiegend Blue-Chip-Kunden auf der Referenzliste. Von kritischer Größe zu sprechen, dürfte aber angesichts eines hochgradig wettbewerbsintensiven Umfeldes auch im Falle Novasoft noch zu früh sein.

"Wir begegnen im Markt vor allem den Big Five der Branche", beschreibt Konrad das Wettbewerbsszenario. Beratungsgesellschaften wie Arthur Andersen, Pricewaterhouse-Coopers, KPMG, Deloitte & Touche oder Ernst & Young spielen aber nicht nur national wie international ihre Stärken aus. Gleichzeitig gewinnt durch sie auch der Konzentrationsprozess im ERP-Markt an Fahrt.

Im Vergleich zu diesen global aufgestellten Playern erzielten die baden-württembergischen SAP-Spezialisten im letzten Geschäftsjahr noch 56 Prozent des Umsatzes in Deutschland und weitere 34 Prozent im europäischen Markt. Neben fünf deutschen Niederlassungen gehören zur Novasoft-Gruppe heute Dependancen in den USA, England, Finnland, Polen, Tschechien und Singapur. Das Thema Internationalisierung haben sich die ERP-Berater auch für die Zukunft groß auf ihre Fahnen geschrieben. Akquiriert wurde im letzten Jahr beispielsweise der spanische SAP-Logo-Partner Offilog S.L. in Barcelona. Die Heidelberger müssen aber zugeben, dass die Nachfrage nach SAP-Produkten im spanischen Markt insgesamt schwach ist. Schwierig dürfte vor allem der US-Markt sein, wo Novasoft im letzten Jahr zehn Prozent an dem SAP-Beratungshaus RSI Solutions, LLC, erwarb.

Abwartend steht man in Heidelberg vorerst auch dem ASP-Markt gegenüber, nachdem Mitte letzten Jahres der Einstieg in dieses IT-Segment verheißungsvoll angekündigt worden war. "Wir wollen nicht riesige Investitionen tätigen, ohne die Sicherheit zu haben, dass sich dieser Schritt auch auszahlt", rudert Konrad jetzt vor Journalisten etwas zurück. In einem abgegrenzten Bereich will das Unternehmen zunächst Angebote für die Personalabrechnung mit dem R/3-Modul Human Resources (HR) starten. Gemeinsam mit der SAP wurde hierzu ein Mietmodell entwickelt, das Novasoft jetzt vertreiben will. Nennenswerte ASP-Umsätze wurden bis dato nicht generiert.

Zurückhaltung ist bei den beiden Vorständen aber auch beim Thema Übernahmen angesagt. "Akquisitionen haben in unserem Branchensegment keinen großen Sinn, da in der Regel ein Firmenmantel gekauft wird und die Mitarbeiter schnell weg sind", erklärte Konrad in Frankfurt. Davon abgesehen, stimme bei vielen Firmen derzeit das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

Primär organisches WachstumIm laufenden Geschäftsjahr will die Heidelberger Company, die derzeit 330 Mitarbeiter beschäftigt, deshalb ihr Wachstum aus eigener Kraft vorantreiben. Bis zum Ende des Jahres sind eine Umsatzsteigerung von 38 Prozent auf 69 Millionen Euro und ein Ebit von 10,5 Millionen Euro (plus 40 Prozent) geplant. Rund ein Drittel zu den Erlösen sollen bereits die neuen SAP-Produkte im Mysap.com-Umfeld beisteuern. Dass im ERP-Markt derzeit bei den Kunden eine vornehmen Zurückhaltung herrscht, konnte (oder wollte) der Novasoft-Verantwortliche nicht bestätigen: "Wir haben im Moment eine riesige Nachfrage nach Projekten, der wir nicht nachkommen können."

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München

Abb: Novasoft

Umsatzwachstum und Erträge stehen bei Novasoft in einer gesunden Relation. Quelle: Dresdner Kleinwort Wasserstein Research