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Analyse


08.01.1993 - 

Novell: Abschied vom Unix der 68er

Wenn Windows NT proprietaer ist, weil es Microsoft gehoert, dann ist Unix System V auch proprietaer, denn es gehoert voll und ganz Novell. Dieses Argument werden wir demnaechst von Bill Gates noch hoeren, wenn es sein Adlatus Steve Ballmer nicht schon gebraucht hat. Es stimmt auch, allerdings nur in einem buchstaeblichen Sinne. Um die Frage der Offenheit zu klaeren, muessten wir uns mit der Technik und der Geschichte beider Betriebssysteme beschaeftigen. Was wir bleibenlassen, denn den Anwendern kann das Betriebssystem ziemlich schnuppe sein, solange sie aus unabhaengigen Quellen unter konkurrierenden Produkten - ergo zu reellen Preisen - an Anwendungen das aussuchen koennen, was sie brauchen.

Analyse

Diese Feststellung ist ernuechternd - jedenfalls fuer jene, die mit dem Eifer der 68er Generation an der Diskussion um die wahre Linie in Sachen Unix und offene Betriebssysteme beteiligt waren. Die Debatte kann als beendet ebtrachtet werden, die Revolution wurde nicht im Saal entschieden, sondern in Vorstandsetagen. Das Ergebnis ist ein so hoher Punktsieg fuer Novell, dass andere Konkurrenten um die Gunst der Unix-Massen - die Upgrader von DOS und die Downsizer aus den proprietaeren Grosssystemen - bestenfalls noch in ihren Nischen weitermachen duerfen.

Workstation-Meister Sun hat mit Solaris sicher ein benutzerfreundliches System, aber eben mit der alten Konzentration auf den wissenschaftlich-technischen Markt kaum einen Fuss im Markt der kommerziellen Anwendungen.

Konkurrent SCO versucht nur noch durch Marketing-Tricks - wie Herausgabe einer "Version 5" - davon abzulenken, dass er ein technisch ueberaltertes Unix zur Grundlage hat. Novell aber hat sich mit USL ein Unix System V eingekauft, dessen Version 4.2 auch den ueberzeugen muss, der mit allem, was auf X endet, eher ein "Ich versteh nix" verbindet: ein verkaufsfertiges Unix mit wenig RAM- und Festplattenbedarf, anscheinend wenigen Bugs und dafuer mit einer sehr guten Benutzeroberflaeche, die Unix alle Schrecken nimmt, und nebenbei auch noch auf Intel-basierten PCs laeuft.

Unix V, Version 4.2, und seine Nachfolger werden sich als Unix- Standard durchsetzen. Nicht nur wegen technischer Ueberlegenheit, sondern wegen einer Vermarktungsstrategie, deren Aggressivitaet im Unix-Markt vor Novell voellig unbekannt war. Bisher gab es da zwar ganz gute Bit- und Byte-Schlosser, aber keine Verkaeufer. Was Novell nun ankuendigt, hat die Branche noch nicht erlebt: Dem Vernehmen nach will die Firma gleich im ersten Jahr allein im deutschen Markt 15 000 bis 20 000 Lizenzen verkaufen - soviel wie SCO. Dabei sind solche Zahlen, wie ein Kenner von Novell anmerkte, "just peanuts".

Welches Derivat dominierend sein wird, ist schon jetzt keine Frage mehr. Am Ende dieses Jahres wird es klar sein, dass nur noch Windows NT und System V4.2 die wirklichen Konkurrenten um den Markt der Zukunft sind. Der heisst Client-Server-Computing. Und wer zuerst die ganz neue Generation wirklich verteilter Anwendungen hat, wird das Rennen machen.

Ludger Schmitz