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09.04.1999 - 

Brainshare '99: Digitale Identität im Internet

Novell bekennt sich zum globalen Networking

CW-Bericht, Jürgen Hill SALT LAKE CITY - Novell ist wieder da! Dieser kurze Satz charakterisiert am besten das wiedererwachte Selbstbewußtsein, mit dem sich die Netzwerker auf der hauseigenen Messe Brainshare präsentierten. Mit Internet-Unterstützung und dem Bekenntnis zur Offenheit will die Company verlorenes Terrain zurückgewinnen.

Die Augias-Arbeit der letzten zwei Jahre hat sich für Novell CEO Eric Schmidt gelohnt: Die über 7000 Besucher der Novell-Entwickler- und Anwenderkonferenz Brainshare zollten der Leistung des Managers mit stehenden Ovationen Respekt. Hat doch der Mann an der Spitze das Unternehmen aus den roten Zahlen geführt und in den letzten fünf Quartalen kontinuierlich steigende Gewinne erwirtschaftet. Eine Leistung, die auch die Börse honoriert: Am Eröffnungstag der Brainshare, die heuer ihr 15jähriges Jubiläum feiert, stand der Kurs der Novell-Aktie auf über 26 Dollar, nachdem sie in der Ära Frankenberg deutlich unter zehn Dollar gefallen war.

Angesichts der allgemeinen positiven Resonanz gab sich die Company auf der Brainshare wieder kämpferisch wie in den Tagen von Firmengründer Ray Noorda. Entsprechend proklamierte Stewart Nelson, Novells Senior Vice-President, 1999 zu dem Jahr, "in dem wir die Führerschaft im Networking wiedererlangen, nachdem wir im letzten Jahr mit der pünktlichen Auslieferung unserer Produkte den Grundstock für unseren Erfolg gelegt haben".

Eine Zuversicht, die jedoch nicht alle teilen. So zweifelt etwa James Lewis, Analyst bei der Burton Group, daran, daß Novell sich an die Spitze der Networking-Bewegung setzen kann. Zwar gesteht er Novell in Sachen Verzeichnisdienste gegenüber Windows 2000 einen immensen Entwicklungsvorsprung zu, doch das Problem sei, "daß die Company es drei Jahre nach der Auslieferung der Novell Directory Services (NDS) immer noch nicht geschafft hat, die Bedeutung von Verzeichnisdiensten zu erklären".

Um Kritikern wie Lewis den Wind aus den Segeln zu nehmen, stand die diesjährige Brainshare ganz im Zeichen der NDS und ihrer Bedeutung in einer offenen, vom Internet geprägten DV-Welt. So präsentierten die Netzwerker in Salt Lake City mit der Version 8 der NDS einen Verzeichnisdienst, der laut Novell schneller und besser skalierbar ist als Konkurrenzprodukte. Nach Firmenangaben verwaltet die neueste Version bis zu einer Milliarde Objekte. Damit sei der Verzeichnisdienst für den Einsatz im Internet geradezu prädestiniert. Die weiteren Pläne sehen eine Entwicklung der NDS zum "Full Service Directory" vor.

Um die Behauptung zu widerlegen, daß die NDS nur von Novell unterstützt werden, gingen die Netzwerker gemeinsam mit über 30 Partnern in die Offensive und zeigten auf der Brainshare Lösungen rund um die NDS. Zu den Unternehmen, die sich zu NDS bekennen, zählen IT-Schwergewichte wie IBM, Oracle, Lucent etc. (siehe auch Seite 27: "Novell gewinnt breite Unterstützung für seinen Verzeichnisdienst NDS"). Angesichts dieses Rückhalts sieht Novell-Chef Schmidt dem mit Windows 2000 kommenden Konkurrenten Active Directory Services (ADS) beruhigt entgegen und verspricht, mit den NDS auch die Microsoft-Lösung zu unterstützen.

Novells Gelassenheit hat Chefentwickler Drew Major zufolge noch einen anderen Grund: "Während Microsoft auf dem Desktop und dem Server stark ist, sind wir die Mittelsmänner, die die Technologien für funktionierende Netze liefern." Dazu zählt etwa das Internet, zu dem sich Novell unter der Führung von Eric Schmidt nun bedingungslos bekennt. Schmidts Ziel ist es, das mit Netware und den NDS gewonnene Know-how auf das Internet auszudehnen. So will Novell, nachdem die erste Phase der Internet-Entwicklung (Netzzugang für die Massen) abge- schlossen ist, maßgeblich die zweite Entwicklungsstufe des globalen Netzes mitprägen. Eine Phase, in der es laut Schmidt vor allem darum geht, die Beziehungen zwischen Anwendern, Applikationen und Internet-Diensten zu definieren. Entsprechend ist für den Novell-Chef Microsofts Slogan "Where do you want to go today?" der falsche Ansatz. Vielmehr stellten sich die Anwender heute, so Schmidt, die Fragen "Who do you want to be today?" und "What do you want to do?". Letztlich ist nach Ansicht des CEO das digitale Profil eines jeden Anwenders, seine Netzidentität, die Frage der Zukunft.

Virtuelle Visitenkarten für das Internet

Wie die Antwort auf diese Frage aussehen könnte, demonstrierten die Netzwerker erstmals auf der Brainshare einem breiten Publikum: "Digital me" soll als quasi personalisiertes Directory im Cyberspace die informelle Selbstbestimmung des Internet-Reisenden gewährleisten. Vom Prinzip her beruht Digital me auf dem Gedanken, virtuelle, digitale Visitenkarten - "Me cards" genannt - anzulegen. Mit diesen weist sich der Surfer bei seiner Reise durch das Netz aus, beziehungsweise er legitimiert sich beim Zugriff auf bestimmte Web-Seiten wie etwa der Homepage seiner Bank. Diese Visitenkarten legt der Anwender entweder selbst an, oder er bekommt sie von einem Partner, mit dem er Geschäftsbeziehungen unterhält, zugeteilt. Um zu verhindern, daß die Unternehmen, die die Daten das Anwenders erhalten, damit Schindluder treiben, soll Truste Inc. die Privacy-Regeln der beteiligten Firmen überwachen. Truste ist eine Non-Profit-Organisation, die sich dem Thema Privatsphäre im Internet widmet. Mit den Finanzinstituten Citigroup und First USA haben sich bereits zwei Unternehmen dazu bekannt, diese neue Form der digitalen Identität zu testen.

Auf der Brainshare war Digital me sowohl in einer Windows-32- als auch in einer Java-Variante zu sehen. Neben den NDS verwendet die Digital-me-Architektur Internet-Technologien wie XML, LDAP sowie HTTP. Nach den heutigen Plänen will Novell Digital me innerhalb von drei bis sechs Monaten für Entwickler und nicht gewinnorientierte Organisationen als Open-Source-Code im Internet zur Verfügung stellen.

Überhaupt war auf der diesjährigen Brainshare neben dem Internet der frei zugängliche Quellcode das Schlagwort der Veranstaltung. So sind die Netzwerker endlich dazu bereit, die Netware Core Protocols (NCP) als Open Source bereitzustellen. Einzige Einschränkung: Die Teile des Protokolls, die sicherheitsrelevante Aspekte betreffen, bleiben weiterhin unter Verschluß, um die Zuverlässigkeit der Netware-Netze nicht zu diskreditieren. Trotz des Bekenntnisses zum Open-Source- und Plattform-übergreifenden Networking hielt sich Novell in Sachen Linux weiterhin bedeckt. Mit Verweis auf Investitionen in Red Hat hieß es lediglich, daß man in naher Zukunft mit der Linux-Gemeinde zusammenarbeiten werde. Über die Art und Weise wurde jedoch nicht gesprochen. Eine bittere Pille hatten auch die Fans der NDS for NT zu schlucken: Novell-Boß Schmidt lehnt es kategorisch ab, den Verzeichnisdienst für diese Plattform kostenlos an die Anwender abzugeben.

Während in Sachen Open Source also noch einiges im argen liegt, ist das Bild von Novell als Internet-Company klarer. Mit einem der nächsten Service Packs für Netware 5 bringt das Unternehmen eine HTTP-Erweiterung heraus, die es dem Anwender erlaubt, Netware komplett über einen Browser zu steuern. Ebenfalls in Richtung Internet zielt das Internet Caching System (ICS). Mit diesem Stand-alone-Produkt, sprechen die Netzwerker vor allem Internet-Service-Provider (ISPs) und große Unternehmen an. Das System basiert auf der Intel-Architektur und läuft sowohl in Netware-Umgebungen als auch in anderen Netzen mit Plattformen wie Cisco, Unix, NT etc. Gegenüber vergleichbaren Caching-Produkten zeichnet sich ICS laut Novell vor allem durch seine Skalierbarkeit, höhere Performance und die Möglichkeit zum Aufbau einer hierarischen Cache-Architektur aus. Um diese besser administrieren zu können, soll ICS künftig ebenfalls die NDS verwenden. Womit, wenn genügend ISPs auf die Caching-Plattform setzen, diese gewissermaßen durch die Hintertür ins NDS-Haus kommen, oder wie es ein Novell-Mitarbeiter formulierte: "ICS ist unser trojanisches Pferd, um die NDS weiterzuverbreiten."

Dermaßen gerüstet (Informationen zu anderen Novell-Neuheiten siehe Kasten) sind die Netzwerker zuversichtlich, sich ein großes Stück vom Netzkuchen abschneiden zu können. Analysten zufolge wächst der Markt für Netz-Betriebssysteme und Directory Services bis 2002 um 15 Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar. Noch positiver sind die Prognosen für Directory-enabled-Applikationen, an denen Novell ebenfalls arbeitet: Für dieses Segment prognostizieren die Auguren ein Wachstum um 40 Prozent - dies entspricht einem Marktvolumen von über zehn Milliarden Dollar.

Novells Produkt-Pipeline

Digital me: Novell arbeitet an einer Technologie, die auf Basis der NDS eine digitale Visitenkarte für das Internet bereitstellt. Mit Digital me soll der Anwender künftig seine Identität im globalen Netz besser kontrollieren können. Erste Partner sind Citicorp und First USA.

Internet Caching System: Mit dem Internet Caching System (ICS) haben die Netzwerker in Salt Lake City eine skalierbare Caching-Plattform vorgestellt. Web-Servern vorgeschaltet, erhöht das System nicht nur die Zugriffsgeschwindigkeit, sondern erlaubt laut Novell auch mehr Zugriffe pro Sekunde. Dell und Compaq wollen entsprechende Cache-Server auf Intel-Basis anbieten.

Liberty: Unter derm Codenamen "Liberty" zeigte Novell auf der Brainshare ein Internet Messaging System. Durch Verwendung der NDS und des IP-basierten Netware ist die Messaging-Plattform laut Novell besser skalierbar. Zudem sei es so möglich, bei hohem Mail-Aufkommen die Last auf mehrere Server zu verteilen. Eine offene Betaversion ist für das zweite Quartal geplant. Ein endgültiger Auslieferungstermin steht noch nicht fest.

NDS v8: Mit der NDS v8 stellte Novell die nächste Generation seines Verzeichnisdienstes vor. Die neue Ausführung ist deutlich schneller als die Vorgängerversion und kann bis zu einer Milliarde Objekte verwalten. Damit sind laut Novell für das Internet keine speziellen Verzeichnisdienste mehr erforderlich.

Zenworks 2: Im zweiten Halbjahr 1999 soll die zweite Version der Desktop-Management-Lösung auf den Markt kommen. Im Vergleich zum Vorgänger wartet Zenworks 2 mit erweiterten Funktionen in Sachen Hardware- und Software-Inventory auf.

K2: Unter der Bezeichnung "K2" ist die Verschmelzung von Zenworks mit der Server-Management-Plattform "Managewise" angedacht. Auf der Console One aufsetzend, wartet K2 zudem mit neuen Möglichkeiten zum Management der Netzinfrastruktur auf und bietet so eine einheitliche Oberfläche zur Verwaltung von Netz, Desktops und Servern. K2 ist voraussichtlich im zweiten Halbjahr 1999 verfügbar.

Netware Update: Wenig Konkretes ist bislang über Netware 6, die nächste Generation von Novells Netz-Betriebssystem, zu hören. So war auf der Brainshare lediglich zu erfahren, daß Netware 6 mit einer umfangreichen SMNP-Unterstützung aufwarten wird. Konkreter sind dagegen die Pläne für "6 Pack". Dabei handelt es sich um eine Multiprozessor-Variante von Netware 5. Compaq zeigte bereits eine Server-Version, die unter 6 Pack acht Prozessoren verwendet. Ganz soweit ist dagegen die Entwicklung in Sachen "Modesto" noch nicht. Novell konnte die 64-Bit-Version seines Netz-Betriebssystem lediglich im Rahmen der für "Merced" gedachten Software-Entwicklungs-Umgebung demonstrieren. Sobald Intel Mitte 2000 die Merced-Prozessoren ausliefert, soll auch Modesto erhältlich sein.