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01.06.2001 - 

Entwicklerkonferenz Brainshare

Novell bläst zur Solution-Offensive

NIZZA (hi) - Eine Company im Umbruch erlebten die Besucher der europäischen Novell-Entwicklerkonferenz Brainshare in Nizza. Während die Produktausrichtung der Netzwerker auf festen Füßen steht, scheint das Unternehmen selbst noch seine Position in einem veränderten IT-Markt zu suchen.

Zumindest in einem Punkt konnte die Novell-Fan-Gemeinde, die in letzter Zeit nicht unbedingt durch positive Unternehmensmeldungen verwöhnt wurde, aufatmen: Nach den missverständlichen Signalen der letzten Zeit bekannte sich Novell-CEO und Chairman of the Board Eric Schmidt in Nizza mit einem klaren "Yes, we love Netware" zu dem Betriebssystem. Gleichzeitig versprach Schmidt, der im Lauf des Jahres sein Amt als CEO niederlegen wird, dass das einstige Flaggschiff eine Zukunft habe und Novell es noch etliche Jahre weitervermarkten werde. Zumal die Company noch immer 50 Prozent ihres Umsatzes mit der Netzplattform erwirtschaftet.

Netware kommt im HerbstEin Bekenntnis, das Schmidt mit der Ankündigung untermauerte, noch im Herbst dieses Jahres die nächste Version von Netware auf den Markt zu bringen. Netware 6 wartet gegenüber der aktuellen Version 5 unter anderem mit einer besseren Multiprozessor-Unterstützung auf. Zudem eigne sich das neue Release besser zum Aufbau von Server-Clustern. Weitere wesentliche Neuerungen sind die Novell Storage Services (NSS). Damit reagiert Novell auf den allgemeinen Trend zu Speichernetzen. Mit Hilfe der NSS verwaltet Netware künftig 8 TB Daten, wobei die bisherigen Netz-Volumes (wie unter Netware der Speicherplatz für die Daten heißt, sie sind etwa vergleichbar mit den Partitionen eines Windows-Rechners) nun über mehrere Festplatten und Diskpools verteilt werden können.

Gleichzeitig markiert Netware 6 in Sachen Netz-Betriebssystem einen Paradigmenwechsel bei Novell. Hatte die Company in den letzten 20 Jahren ihren Fokus auf den Aufbau einer sicheren und skalierbaren Netzinfrastruktur gelegt, so bildet Netware nun im Rahmen der vor einem Jahr vorgestellten One-Net-Strategie (siehe Kasten One-Net-Idee) die Grundlage für Netzdienste im Intra-, Inter- und Extranet. Mit der Einführung von Netware 6 ändert sich zudem vermutlich das bisherige Lizenzierungsverfahren. Statt mit dem bisherigen Server-basierten Modell liebäugelt das Unternehmen künftig mit einem User-basierten Lizenzmodell. Für den Anwender hätte dies zur Konsequenz, dass er nur noch für die Anzahl der Benutzerlizenzen zahlt, unabhängig von der Anzahl der verwendeten Server, wie Jim Tanner, Director Platform Product Management, auf der Brainshare erläuterte.

Mit der Neuorientierung benennt Novell auch seine Netzservices um. Diese sollen künftig durchweg mit einem I im Namen beginnen. Jüngstes Beispiel hierfür sind etwa die beiden neuen Services "I-Print" (IPS) und "I-Folder" unter Netware 6. Mit den IPS verspricht Novell den Anwendern ein verbessertes Drucker-Management im Netz, das zudem ein Drucken via Internet ermöglicht. I-Folder widmet sich dagegen den Aspekten des Datenzugriffs. Mit Hilfe von I-Folder, so Novell, hat ein Anwender von unterwegs aus über einen Web-Browser jederzeit Zugriff auf seine Daten. Ferner gewährleiste der Netzservice die Datenkonsistenz über verschiedene Workstations hinweg.

Rund um das DirectoryUm die neuen Features zu nutzen, müssen die Anwender allerdings nicht zwangsläufig auf Netware 6 upgraden. Einen Teil der neuen Funtionen können sie mit den kostenpflichtigen Erweiterungspaketen "IP Enhancement Pack" sowie dem "File Protocol Enhancement Pack" für Netware 5 erwerben. Für Verunsicherung sorgte Schmidt allerdings, als er vor Journalisten erklärte, das Unternehmen habe mit Netware 6 die großen Companies als Zielgruppe im Visier, da dort das meiste Geld zu verdienen sei. In der Vergangenheit gehörten aber gerade mittelständische Unternehmen zu den treuesten Netware-Kunden.

Wie ernst es Novell mit der Umorientierung in Sachen Netzdienste auf Directory-Basis ist - neudeutsch auch als Solutions bezeichnet -, zeigte ein Rundgang duch das Technology Lab der Brainshare: Mit den "Novell Ondemand Services" offerieren die Netzwerker etwa eine Lösung für Service-Provider und Unternehmen, um Applikationen und Inhalte im Netz bereitzustellen und zu managen. Ein anderes Beispiel für die Orientierung in Richtung Lösungen sind die "Novell Portal Services". Diese sind als Framework konzipiert, damit der Endbenutzer über ein einziges Portal Zugriff auf alle Applikationen und Daten eines Unternehmens hat. Insgesamt demonstrierte Novell im Technology Lab über 30 Lösungsansätze für die Bereiche Storage Services, Collaboration Services, Access Services, Hosted Services oder Management Services. Allen Ansätzen gemeinsam ist dabei, dass die Company nicht mehr wie in der Vergangenheit Netware oder das E-Directory in den Vordergrund stellt, sondern die Lösung für ein konkretes Anwendungsproblem (siehe das Interview mit Stewart Nelson).

Neues Lizenzmodell angedachtEine Vorgehensweise, die sich ebenfalls in der geänderten Lizenzierungspolitik für die Novell Verzeichnisdienste widerspiegelt. Diese dürfen Original Equipment Manufacturer (OEMs), unabhängige Softwarehäuser und Entwickler künftig kostenlos in ihre Produkte einbauen. Ein Weg, den auch Novell selbst beschreitet: So erhalten etwa die Benutzer der Netz-Service-Software Zenworks sowie von I-Chain, DirXML, Single-Sign-On, Portal Services oder Novell Ondemand das E-Directory ohne Zusatzkosten.

Während Novell in Sachen Produkte auf der Brainshare in Nizza klare Signale aussandte, zündete die Company in Sachen Unternehmensstrategie eher Nebelkerzen. So soll die im März mit der Begründung "Wir benötigen mehr Consultant-Kompetenz für die Vermarktung unserer Produkte" gekaufte Cambrigde Technology Partners künftig weiterhin eigenständig agieren. Jack Messman, CEO von Cambridge und designierter CEO-Nachfolger von Eric Schmidt, überraschte die Novell-Anhänger zudem mit der Aussage, auch künftig im Beratungsgeschäft noch andere Lösungen als die aus dem Hause Novell zu vermarkten. Zudem ließ er offen, ob Cambridge in Zukunft in Novell integriert wird. Äußerungen, die in einem gewissen Widerspruch zu Schmidts Forderung stehen, Novell müsse Lösungen verkaufen, bei denen das Consulting das "Face to the Customer" ist.

Novells One-Net-IdeeVor einem Jahr stellte Novell-CEO Eric Schmidt auf der Brainshare in Salt Lake City mit One Net die künftige Strategie der Networking-Company vor. Zentraler Bestandteil des Konzepts ist es, auf Basis des Novell Directories (E-Directory) verschiedene plattformübergreifende Netzdienste zu entwickeln. Dabei sollen die Verzeichnisdienste als eine Art Middleware unabhängig vom darunter liegenden Betriebssystem fungieren. Eine Idee, die in der Folge viele Novell-Anhänger an der Zukunft von Netware zweifeln ließ, denn die Directory Services sollte es nun auch für Windows NT/2000, Solaris , Linux, Tru 64, Unix und IBM AIX geben.

Schmidt selbst skizziert One Net als eine Infrastruktur, welche den Transport und die Speicherung von Daten in einem globalen Netz zuverlässig übernimmt. Überzeugt vom eigenen Ansatz kommentiert der CEO Microsofts Idee eines .NET mit der Bemerkung, dass es sich dabei nur um ein Marketing-Instrument handle. Dieses diene lediglich dazu, den Markt für die Office-Applikationen zu erweitern und vereinfache die Verfügbarkeit von Netzdiensten nur in der Theorie. Schmidt zufolge beruhen nämlich die Services von .NET auf proprietären APIs.

Abb: Netzservice-Modell

Mit unterschiedlichen Netzdiensten für verschiedene Betriebssystem-Plattformen will Novell künftig Umsatz generieren. Quelle: Novell