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30.07.1993

Novell: Es stehen keine USL-Anteile zum Verkauf

30.07.1993

HP-Manager Guiden will aber eine Beteiligung nicht ausschlieDie Marktforscher der Gartner Group haben die Unix-Branche aufgeschreckt: HP und IBM wollen sich in Novells Unix System Laboratories (USL) einkaufen, um auf diese Weise

zu einem einheitlichen Unix zu kommen,

insistiert Scott Winkler, Analyst und Forschungsdirektor Software Management Strategies, trotz eines IBM-Dementies (siehe auch CW Nr. 30. vom 23. Juli 1993, Seite 4). "Seit

der Eingliederung in den Novell-Konzern

gibt es gar keine USL-Aktien mehr, die zum Verkauf stehen koennen", protestiert Peter Troop, Novells Manager Investor Relations. Bernard Guidon, European Marketing Direktor Computer Systems bei HP, dagegen wollte in einem Gespraech mit CW-Redakteur Hermann Gfaller ein Kaufinteresse nicht dementieren.

CW: Stimmt es, dass HP und IBM Novell ein Angebot gemacht haben, sich an der USL zu beteiligen?

Guidon: HP gibt in dieser Sache keine Auskunft.

CW: Lassen Sie mich die Frage anders formulieren. Hat HP ein Interesse, die bestehende Zusammenarbeit mit Novell im Unix- Bereich zu intensivieren?

Guidon: Wir sind sehr zufrieden mit der Uebernahme von USL durch Novell, weil das die Unix-Techniken in eine weit

bessere Ausgangsposition bringt.

CW: Als Hauptvorteil der Uebernahme gilt, dass Unix nun nicht mehr einem Hardwarehersteller gehoert. Die Hoffnung ist, dass Novell als Unix-Eigner keinen der Hersteller bevorzugt. Macht eine Beteiligung von HP und IBM an USL solche Hoffnungen nicht zunichte?

Guidon: Das kommt darauf an, wie ein solches Engagement aussieht. Vor allem muss sichergestellt sein, dass jeder Unix-Anbieter freien Zugang zu den USL-Techniken hat. Dann entstehen keine Nachteile. Positiv ist eine Beteiligung, wenn sie dazu fuehrt, dass weniger Varianten von Unix entstehen und zudem noetige Entwicklungen forciert werden.

CW: Wuerde der Erwerb von USL-Anteilen durch HP und IBM nicht zu Schwierigkeiten mit den anderen Herstellern aus dem Unix-Umfeld fuehren?

Guidon: HP wuerde nichts tun, ohne den anderen Mitbewerbern die Chance zu geben, sich zu beteiligen - soweit das den Zugriff auf Techniken betrifft.

CW: Das heisst, Sie wuerden bei einem solchen Schritt keinen Mitbewerber wie etwa DEC oder Sun ausschlieGuidon: Niemals. Das haben wir im Falle von COSE gezeigt. Unix wird, soweit HP darauf Einfluss hat, immer Teil des Open-Systems-Prozesses bleiben.

CW: Waere es eine gute Sache, wenn Unternehmen wie HP und IBM sich in einer aehnlichen Weise des Unix-Betriebssystems annaehmen, wie sie das im Fall von COSE mit der System- und Anwenderumgebung tun?

Guidon: Die Vereinheitlichung von Unix findet vor allem in der Systemumgebung statt. Fuer Anwender, DV-Manager und Software- Entwickler ist nicht der Kernel, sondern eine einheitliche Umgebung das zentrale Beduerfnis.

CW: Heisst das, dass HP im Falle einer Hinwendung zur USL keine Probleme haette, seine Kernel-Technologie gegen Unix-V.4-Kernel zu tauschen?

Guidon: Das ist eine andere Sache. Aus Kostensicht ist es ein ungeheurer Aufwand, den Kernel auszutauschen. Damit sind 200 Techniker zwei Jahre lang beschaeftigt. Hier muss man sich an einer Zukunftstechnologie orientieren, und System V.4 ist mit Sicherheit nicht der Kernel fuer das Jahr 2000.

CW: Hier kommen eher die Microkernel-Techniken von Mach, auf die HP und IBM setzen, beziehungsweise der Chorus-Kernel in Frage, den die USL verwendet.

Guidon: IBM, wir und alle anderen grossen Hersteller suchen intensiv nach dem Kernel fuer das Jahr 2000. Zumindest HP hat hier aber noch keine Entscheidung getroffen.

CW: Heisst das, dass HP genug Spielraum hat, um sich im Falle einer USL-Beteiligung am Chorus-Kernel zu orientieren?

Guidon: Ja, die Option besteht.

CW: Vielen Dank fuer dieses Gespraech.

Die Unix System

Laboratories Inc.

Die Unix System Laboratories sind ein Ableger der A&T-eigenen Bell Laboratories, in denen vor ueber zwanzig Jahren das Unix- Betriebssystem aus der Taufe gehoben wurde.

- Als AT&T Ende der 80er Jahre versuchte, durch eine straffe Lizenzpolitik und eine Kooperation mit Sun Microsystems Unix unter Kontrolle zu bringen, wurde das Unternehmen gezwungen, der Industrie Einfluss auf die Betriebssystem-Entwicklung zu geben.

- Dazu gehoerte dass die Unix-Entwickler 1990 unter der Bezeichnung Unix System Laboratories neu organisiert wurden. Die Entwicklungsrichtlinien kamen jetzt von Unix International.

- Im April 1991 gliederte AT&T die USL als eigene Company aus und ging auf die Suche nach Investoren fuer das mit 29 Millionen Dollar tief in den roten Zahlen steckende Unternehmen. Noch im selben Jahr fanden sich elf Unternehmen, die Minderheitsbeteiligungen bis zu 4,6 Prozent erhielten. Darunter befand sich auch Novell.

- 1992 zeichnete sich ab, dass das aktuelle USL-Unix V.4 sich gegen Konkurrenzprodukte wie OSF/1 von der Open Software Foundation durchsetzen wuerde.

- Am 21. Dezember 1992 gaben AT&T und Novell nach ueber einem Jahr geheimer Verhandlungen bekannt, dass USL zu 100 Prozent in die Haende des Netzwerk-Spezialisten uebergehen sollte. Kurz zuvor hatte Novell das gemeinsam mit USL entwickelte PC-Unix Unixware freigegeben.

- Die Industrie stimmte dieser Uebernahme zu, weil sie davon das Ende der Unix-Streitigkeiten und die Beschleunigung der Standardisierung erhoffte. Novell wurde diese Moderatorenrolle zugetraut, weil es anders als die anderen Unix-Anbieter lediglich eine Softwarefirma ist und daher keine Hardware-Interessen verfolgt.

- Ein Angebot der Hardwarehersteller HP und IBM USL-Anteile zu erwerben koennte diesen Burgfrieden der Unix-Anbieter gefaehrden.