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17.10.2006

Novell gibt ReiserFS als Suse-Standard auf

Mordverdacht gegen Hans Reiser soll nicht der Grund sein.

Novell löst "ReiserFS" als das Default-File-System für die Server- und Desktop-Varianten seiner Linux-Distributionen durch "ext3" ab. Als Grund nannte ein Firmensprecher "Wünsche unserer Kunden". Man werde allerdings "weiterhin ReiserFS unterstützen und Version 3 des Dateisystems verbessern". Der letzte Teil dieses Versprechens ist nicht gerade glaubwürdig.

Die Entwicklung stagniert

Denn kürzlich hat Jeff Mahoney von den Suse Labs in einem Posting beklagt, Hans Reiser, der Initiator des Journaling File-Systems, setze seit einiger Zeit nur noch auf dessen Version 4, die allerdings völlig neue Techniken mit sich bringe, nur bedingt abwärtskompatibel und noch zu fehlerhaft sei. Reiser habe der Version 3 den Status "Maintenance" verliehen und sich außer Bug Fixes jeder Einführung neuer Eigenschaften in dieses Release vehement widersetzt.

Mahoney bemängelte ferner, das ReiserFS habe "ernste Skalierungs- und Perfomance-Probleme". Außerdem sei die Entwickler-Community um das Produkt zu klein und schrumpfe weiter. Sie umfasste, abgesehen von Mahoney und Reiser, der sich aber vor allem um FS4 kümmert, nur noch zwei Personen, von denen eine inzwischen im Unfrieden mit Reiser zu Oracle gegangen ist. Eine Äußerung von Novell-Mitarbeiter Mahoney liest sich wie eine Vorhersage: "Ein alterndes File-System durch ein unerprobtes zu ersetzen ist keine Lösung. Es gibt aber ein erprobtes mit klarem Upgrade-Pfad. Und das ist ext3."

ext3 auf der Überholspur

Das File-System sei vielleicht nicht so gut wie ReiserFS 3, habe aber die größere Community, weshalb es nur eine Frage der Zeit sei, wann es das stagnierende Reiser-System überholen werde. Ohne solch deutliche Formulierungen zu gebrauchen, hat sich Red Hat schon vor Novell auf ext3 als Standarddateisystem festgelegt. Kürzlich hat das Team um Linux Torvalds ext4 in einen Release Candidate der Kernel-Entwicklerversion 2.16.19 aufgenommen.

Die Änderung in Novells Produktpolitik kommt wenige Tage, nachdem Hans Reiser unter Mordverdacht verhaftet worden ist. Novell erwähnt diesen Vorgang mit keinem Wort. Der IT-Nachrichtendienst "Computerwire" und der angesehene Linux-Beobachter und US-amerikanische Redakteur Steven Vaughan-Nichols halten die Koinzidenz für "Zufall". Reiser war festgenommen worden, nachdem seine Frau, die aus Russland stammende Ärztin Nina "Nenasha" Reiser, Anfang September 2006 spurlos verschwunden war. Zur Verhaftung kam es, nachdem in der Wohnung und im Auto des US-Amerikaners mit deutsch klingendem Namen Blutspuren seiner Frau gefunden worden waren.

Das Ehepaar Reiser hatte 1999 geheiratet und sich im Mai 2004 getrennt. Drei Monate später beantragte Nina Reiser die Scheidung. Ein Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen vor Gericht war seither das Sorgerecht für die beiden Kinder. Die Ermittlungen um das Verschwinden von Nina Reiser - die Polizei geht von ihrer Ermordung aus - sind noch nicht abgeschlossen. Ungewiss ist nach den Vorwürfen auch die Zukunft von Reisers kleiner Firma Namesys, die ihr Geschäft mit dem Support von ReiserFS zu machen versuchte. (ls)