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02.06.1995

Novell hat im Duell mit Microsoft die besseren Karten

Back to the Future - mit diesem Filmtitel laesst sich derzeit wohl am ehesten Novells Zustand beschreiben. Nachdem sich die Company auf zahlreichen Nebenkriegsschauplaetzen verzettelt hatte, ist nun die Rueckbesinnung auf das Kerngeschaeft angesagt: Networking in all seinen Formen. Befuerchteten Kritiker anfangs, Novell koenne nach dem Atlanta-Burgfrieden mit Gates zur Versandabteilung des Windows NT Server degradiert werden, so bot das Unternehmen in Nizza ein anderes Bild. Mit neuen Visionen strotzten die Netzwerker geradezu vor Selbstbewusstsein.

Zum Wohle der Anwender ist CEO Frankenberg zwar weiter bereit, in Supportfragen mit der Gates-Company zu reden, doch Microsofts Versuche, mit Emulationen von Netware-Diensten auf Windows-NT- Servern sich ein Stueck vom Netzwerkkuchen zu sichern, bleiben nicht mehr unbeantwortet. Siegessicher wirft Feldherr Frankenberg der Gates-Company den Fehdehandschuh hin.

Ob das Duell jedoch mit Produkten wie "Netware for Windows 3.1x" zu gewinnen ist, erscheint fraglich. Doch gluecklicherweise ist dies nicht das einzige As im Aermel der Networking Company. Zu erwaehnen sind hier das Office-Paket, mit dem das Unternehmen innerhalb kuerzester Zeit einen beachtlichen Verkaufserfolg erzielte und Lotus auf dem heissumkaempften Suite-Markt vom zweiten Platz verstiess. Hinzu kommt, dass Novell mit Opendoc eine weiteres Eisen im Feuer hat, das der Gates-Mannschaft unter Umstaenden das Leben schwer machen kann, zumal Opendoc auch von IBM und Apple unterstuetzt wird.

Doch der vielleicht groesste Vorteil fuer Novell ist die derzeitige Schwaeche von Microsoft: Zum einen veraergert das Unternehmen mit den dauernden Verzoegerungen in Sachen Erscheinungsdatum von Windows 95 private und professionelle Anwender, zum anderen kommt Windows NT immer noch nicht richtig in Fahrt. Gerade im Bereich der Applikations-Server konnte Novell durch den Unixware-Deal mit ICL, Olivetti und SNI einen wichtigen Punktsieg verbuchen, und falls die Unix-Phalanx endlich einmal unter einer Flagge marschiert, duerften fuer NT schwere Zeiten anbrechen.

Auch im Netzwerkbereich hat Bill Gates Frankenberg wenig entgegenzusetzen. Zwar stiehlt der Softwaremilliardaer Novell mit Beteiligungen an Multimedia-Companies oder der Etablierung des eigenen Microsoft Network die Medienschau, doch hinter den PR- Kulissen fehlt es Microsoft derzeit an schluessigen Konzepten. Getrieben vom Profitstreben, scheint Gates gegenwaertig auf jeder Hochzeit zu tanzen, wenn sie nur im entferntesten eintraeglich zu sein verspricht. Frankenberg dagegen bekennt sich klar zur Rolle seines Unternehmens in der vernetzten Welt der Zukunft: Netzbetreiber nein, Content-Provider ebenfalls nein, dafuer aber Anbieter von Technologien, mit denen die Kommunikationswelt von morgen realisierbar ist.