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16.03.2001 - 

Zwei angeschlagene Konzerne fusionieren

Novell kauft Cambridge zum Schnäppchenpreis

MÜNCHEN (CW) - Novell will für 255 Millionen Dollar die Technologieberatung Cambridge Technology Partners übernehmen. Eric Schmidt gibt sein Amt als Chief Executive Officer (CEO) von Novell an Cambridge-Chef Jack Messman ab.

Für den angeschlagenen Netzwerkspezialisten Novell ist die Übernahme von Cambridge ein vorläufiger Höhepunkt in dem Bestreben, sich als Anbieter von Netzdiensten und Internet-Lösungen neu zu definieren. Mit der 3400 Mitarbeiter starken Dienstleistungsgesellschaft im Rücken könnten Unternehmen, aber auch andere IT-Dienstleister deutlich besser unterstützt und beraten werden, heißt es in einer Erklärung anlässlich des Mergers.

Der neue Novell-Chef Messman steht aber de facto vor der schwierigen Aufgabe, aus zwei schwächelnden Unternehmen eine starke Einheit formen zu müssen. Dabei wird ihm Eric Schmidt der seine Position als Chairman behält, zusätzlich aber als "Chief Strategist" agiert, zur Seite stehen. Die Übernahme soll bis Ende Juli dieses Jahres in Form eines Aktientausches abgeschlossen sein. Dann wird Cambridge Technology Partners, derzeit in 19 Ländern mit Niederlassungen vertreten, als hundertprozentige Tochtergesellschaft in das Netzwerkunternehmen eingegliedert sein.

Cambridge steht zurzeit alles andere als gut da. Das Unternehmen hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, es werde sein Umsatzziel für das laufende erste Quartal wegen der schwachen US-Konjunktur verfehlen. Im vierten Quartal 2000 hatten die Consultants bereits 280 Stellen gestrichen.

Der Aktienkurs des Unternehmens, der noch im Juli 1998 bei 55 Dollar lag, beträgt inzwischen nur noch rund drei Dollar. Deshalb war das Unternehmen für Novell günstig zu haben.

Zwar ist Cambridge zuversichtlich, noch in diesem Jahr in die Gewinnzone zurückzukehren, doch hatte es sich dieses Ziel auch schon im vergangenen Jahr gesteckt und nicht erreicht. De facto betrug der Nettoverlust im dritten Quartal vergangenen Jahres 27,8 Millionen Dollar, im vierten Quartal immer noch 19,4 Millionen Dollar. Dabei ging der Umsatz kontinuierlich zurück - im vierten Quartal 2000 um 13,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im vorhergehenden Viertel immer noch um acht Prozent.

Cambridge hatte sich durch besondere Services als Spezialist für Client-Server-Umgebungen einen Namen gemacht. Beispielsweise gab das Unternehmen im Vorfeld von Projekten Garantieerklärungen ab, wie lange das Vorhaben dauern und welche Ressourcen es verschlingen wird. Probleme im Management, Konkurrenzdruck im Markt für ERP-Projekte und der rasche Umstieg zahlreicher Unternehmen auf Internet-Technologien setzten dem Unternehmen Ende der 90er Jahre stark zu.

Als Cambridge sein Portfolio weitgehend neu ausgerichtet hatte und nun verstärkt auf Web-Entwicklung, E-Commerce-Strategien und Customer-Relationship-Management setzte, geriet das Beratungshaus in den Sog der Web-Agenturen, die mit dem Dotcom-Sterben weltweit Probleme bekamen. Viele Firmen hatten es mit ihren Web-Integrationsprojekten plötzlich nicht mehr so eilig, weil die Gefahr potenziell konkurrierender Newcomer aus der Dotcom-Szene gebannt schien und zudem Konjunkturängste die Investitionsbereitschaft hemmten.

Auch Novell befindet sich gegenwärtig in einem Transformationsprozess. Das Unternehmen leidet unter dem schwierigen Umbau von einem Netzwerk-Betriebssystem- zu einem Internet-Infrastruktursoftware-Anbieter. Für das erste Quartal 2001, das am 31. Januar endete, musste Novell wegen der anhaltenden Schwäche im Netware-Geschäft einen Verlust von 13,2 Millionen Dollar melden. Der Umsatz betrug 245 Millionen Dollar, 20 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Für das Geschäftsjahr 2001 erwartet Novell nur noch Einnahmen von knapp über einer Milliarde Dollar. Im Vorjahr lag der Umsatz noch bei 1,16 Milliarden, 1999 sogar bei 1,27 Milliarden Dollar.

Seitdem Microsoft mit Windows NT und 2000 den mittelständischen Markt aufrollt, leidet Novell unter der stark nachlassenden Nachfrage nach seinen Produkten. Der Umsatz mit Packaged Software, die bisher vor allem Kleinunternehmen nachfragten, sank übers Jahr um 61 Prozent - ein Minus, das mit Unternehmenslizenzen nicht auszugleichen war.

Novell-Chef Schmidt sagte, sein Unternehmen plane schon länger, künftig etwa 30 Prozent seines Umsatzes mit Consulting-Diensten zu generieren. Der Anteil dürfte nach der Cambridge-Übernahme deutlich höher liegen. Die Idee, in diesem Segment organisch zu wachsen, habe Schmidt als unrealistisch verworfen. Die zweite Option, mehrere kleine Beratungsgesellschaften zu kaufen, wäre mit zu großem Aufwand verbunden gewesen. Deshalb zog Schmidt den Kauf eines größeren Beratungshauses vor - Cambridge-Chef Messman saß bereits im Verwaltungsrat von Novell.