Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.11.2003 - 

Kolumne

"Novell muss Linux-Standards bewahren"

Ludger Schmitz Redakteur CW

Aufatmen nicht nur in Nürnberg. Auch in der Open-Source-Gemeinde sowie in Kreisen Linux-interessierter IT-Anbieter und Anwender kann man erleichtert sein. Suse war in einer höchst prekären wirtschaftlichen Lage. Die Firma hätte sie - mit den üblichen Entlassungen - vielleicht überlebt. Aber ein weiteres Linux-Firmendesaster wäre dem Vertrauen in Open-Source-Software sicher nicht förderlich gewesen. Nun hat sich mit der Übernahme von Suse durch Novell (siehe Thema der Woche auf Seite 12) der Wind gedreht.

Die Nürnberger sind - auch wenn sie wohl noch einmal den Gürtel enger schnallen werden - die gröbsten Geldsorgen los. Und für den Rest der IT-Welt bedeutet der Deal nichts anderes, als dass sich ein weiterer bedeutender Branchenanbieter mit massivem Einsatz hinter Linux stellt. 210 Millionen Dollar sind ein sehr hoher Preis, der anzeigt, von welchen künftigen Geschäften im Linux-Umfeld nicht nur die Strategen von Novell ausgehen. Denn an dieser Transaktion waren nicht nur Suse, Novell und IBM beteiligt, sondern bei den Verhandlungen hatten auch noch Intel, Hewlett-Packard, SGI und Sun ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Die halbe Branche steht in Konkurrenz zueinander, weil jeder sich als One-Stop-Linux-Shop zu positionieren versucht, ist sich aber in einem einig: Besser zwei Linux-Distributionen als ein Microsoft von morgen - weshalb die Industrieschwergewichte dem Kaufinteressenten Red Hat die kalte Schulter zeigten. Dessen Management hat den kapitalen Fehler gemacht, Lektionen der IT-Geschichte, schmerzende Erfahrungen mit Monopolen, nicht in sein Kalkül einbezogen zu haben.

Aber auch Novell muss aufpassen. Sollten die Netzwerker Entwicklungskapazitäten von Suse auf die Verbesserung des eigenen Portfolios umzulenken versuchen, wäre der Zukauf bald ein wertloses Asset, ignoriert von den heutigen Alliierten. Die Branche hat hoffentlich aus der Unix-Geschichte gelernt, dass proprietäre Erweiterungen eines Standardsystems letztlich seine Marktchancen beeinträchtigen. Suse und Red Hat waren auch bisher schon in Gefahr, mit inkompatiblen Erweiterungen des einheitlichen Linux-Kernels auseinander zu driften. Dass nach Red Hat nun auch die Novell-Suse-Kombination ihr Betriebssystem-Geschäft auf die Middleware ausdehnen will, macht diese Gefahr noch größer. Die Großen der Branche müssen ihren Einfluss auf beide Distributoren geltend machen, damit diese künftig weit mehr Standards umsetzen, als heute in der Linux-Welt üblich sind.