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10.11.1989 - 

OSI-Standards sind in lokalen Netzen zunächst ein kostspieliger Luxus

Novell öffnet den Anwendern die Tür zu OSI etappenweise

MÜNCHEN (pg) - jetzt hat auch Novell ein OSI-Bekenntnis abgegeben. Auf einer Pressekonferenz in München kündigten hochrangige Vertreter für das kommende Jahr erste Produkte der "Netware-Open-Systems-Architektur" an. Novell liegt damit voll auf dem allgemeinen OSI-Kurs, der zum Trend des nächsten Jahrzehnts werden soll.

Überraschend nicht zur SYSTEMS, sondern mit einwöchiger Verspätung hat das US-Unternehmen in der Bundesrepublik seine OSI-Philosophie kundgetan. Die wird von Novell auf die Kurzformel "Netware-Open-Systems-Architektur" gebracht. Im Klartext heißt das: Novell will seinen Kunden die sukzessive Einbindung von OSI-Standards in die bestehende, aber auch neue Produktwelt er. möglichen.

Die Integration soll in zwei Stufen erfolgen. Zu Beginn mit Hilfe eines Protokoll-Umsetzers, der ein Novell-Netz mit auf OSI basierenden PC-Netzen verbindet. Ohne Netware modifizieren zu müssen, können Anwender laut Novell durch den Umsetzer gegenseitig auf Dienste und Applikationen beider Netztypen zugreifen. In einer späteren Phase wird Novell dann die OSI-Protokolle auf Basis der GOSIP-Architektur innerhalb des Netware Open Systems durch Schnittstellen zwischen den einzelnen Schichten des OSI-Referenz-Modells für den Anwender realisieren.

Laut Helmut Weissenbach, Vice-President International von Novell, sei Novells Netware als protokollunabhängiges Netzwerk-Betriebssystem für die Einbindung unterschiedlicher Protokolle offen und prädestiniert.

Den Einwand einiger Journalisten, daß die Integration von OSI-Standards einen Leistungs- und Funktionalitätsverlust nach sich ziehe, versuchte Darren Miller, Executive Vice-President der Novell Software Group, während der Pressekonferenz und in einem Interview abzuschwächen. Performance-Probleme, wie sie vor zwei Jahren zum Beispiel bei dem TCP/IP-Gateway durch einen zeitraubenden Konvertierungsprozeß aufgetreten seien, würden heute durch neue Methoden der Umsetzung ausgeschlossen. Miller: "Von einem Performanceverlust kann heute keine Rede mehr sein. Tatsache ist, daß Netware für Macintosh heute schneller ist, als ein Macintosh-Server."

Einbußen bei der Funktionalität schloß Miller dagegen nicht hundertprozentig aus. Er räumte ein: "Wer heute OSI-Software auf einen Macintosh portiert, büßt an Funktionalität ein, weil die OSI-Definitionen nicht in dem Maße ausgereift sind, wie die Macintosh-Definitionen." Ebenso ginge für den Anwender durch OSI derzeit Funktionalität auf Unix-Workstations verloren, gemessen an dem verfügbaren TCP/IP-Angebot.

Nach Angaben von Novell sind für die Schnittstellen Netbios, Transport Library Interface und Sockels programmierte Anwendungen, die der Sitzungsschicht des OSI-Modells entsprechen, auch in OSI-Netzen lauffähig. Darüber hinaus wird Novell die Protokolle Internet Packet Exchange und Sequenced Packet Exchange sowie TCP/IP weiterhin unterstützen.

Außerdem wird Novell zukünftig auch OSI-Support für Netzwerkmanagement bieten. Die bei der ISO zur Standardisierung anstehenden Protokolle CMIP (Common Management Information Protokoll) und CMIS (Common Management Information Services) sollen in den Novell-Produkten berücksichtigt werden Dadurch sind sowohl Management-Werkzeuge von Novell als auch OSI-kompatible Tools für eine Steuerung der Netzwerkabläufe einsetzbar.

Novell zufolge werden Netware Directory Services künftig auf dem X.500-Standard basieren. Damit ist Kommunikation mit allen auf OSI beruhenden Verzeichnisdiensten möglich. Neben X.500 wird Novell in seinen Produkten OSI-Applikationen auf der Basis von X.400 und FTAM implementieren. Allerdings werden die Integration von OSI-Standards, so Miller, für User in nächster Zukunft noch sehr teurer sein. Seiner Ansicht nach sei frühestens in anderthalb Jahren mit finanziell halbwegs tragbaren OSI-Produkten am Markt zu rechnen jetzt liege es an der Luftfahrtindustrie und anderen großen Branchen, OSI in Gang zu bringen.

Zur Zukunft des Netzwerk. Marktes sagte Weissenbach: "Das Netzwerk-Geschäft verheißt weiterhin insgesamt gesunde Wachstumsraten." Novell sei mit dem universellen Netzwerkbetriebssystem Netware optimal für die vier Betriebssysteme der Zukunft, DOS, Unix, Macintosh und OS/2 gerüstet. Laut Miller geht man bei Novell für 199.3 davon aus, daß rund 50 Prozent der LAN-Systeme unter das laufen werden, 20 Prozent unter Macintosh, sowie jeweils 15 Prozent unter den Betriebssystemen Unix und OS/2.