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07.08.1998 - 

Orientierung an offenen Standards

Novell setzt auf die NDS als Schlüsseltechnologie

CW: Was hat sich unter Eric Schmidt bei Novell verändert?

ZEITLER: Eine ganze Menge. Wir haben den Turnaround begonnen und im großen Stil umstrukturiert, Kosten gekürzt und die Belegschaft reduziert. Auch die Anzahl der Projekte, an denen unsere Entwickler arbeiten, haben wir gestrafft. Der Novell-Vorstand ist fast komplett ausgetauscht worden. Mittlerweile haben wir das dritte Quartal in Folge über den Erwartungen der Analysten abgeschlossen. Das hat uns sehr gutgetan.

CW: Es gibt also keinen Grund mehr für das Wortspiel "No-well"?

ZEITLER: Es gibt bestimmt noch Leute, die diesen oder andere böse Sätze über Novell formulieren. Im großen und ganzen hat sich aber die Stimmung auch unter den Anwendern in den letzten zwölf Monaten gebessert. Es geht mittlerweile wieder darum, wo Novell hingeht und welchen Fokus wir setzen. Die Frage, wie lange das Unternehmen noch existiert oder ob wir eigenständig bleiben, stellt sich so nicht mehr. Das kommt daher, daß wir mittlerweile ein vorhersehbares Unternehmen sind. Wir haben wie angekündigt unseren Gewinn gesteigert, und wir halten uns an unsere Produktankündigungen. Mit der Politik anderer Unternehmen, Ankündigungen zu machen und erst ein, zwei Jahre später die Realisierung folgen zu lassen, haben wir abgeschlossen.

CW: Ein kleiner Seitenhieb auf Microsoft?

ZEITLER: Durchaus nicht. Viele Soft- und Hardwarehersteller folgen dieser Devise. Wir haben selber eine Zeitlang so gehandelt. Darauf hat der Markt negativ reagiert, weil wir nicht mehr verläßlich waren. Unter Eric Schmidt hat sich das geändert.

CW: Sie haben auch angekündigt, Netware 5 diesen Sommer zu bringen. Steht schon ein Datum für die Auslieferung fest?

ZEITLER: Intern haben wir uns einen Termin gesetzt, den wir aber noch nicht öffentlich mitteilen. Die Betatests lagen jedoch alle im Zeitplan, so daß es bei August/September bleibt.

CW: Welche Veränderungen gab es sonst bei Novell?

ZEITLER: Durch unseren neuen CEO haben wir zu offenen Standards gefunden. Jegliche proprietäre Technologie wurde aufgegeben. Natürlich müssen wir auch in neuen Produkten unsere alten Technologien wie beispielsweise das Netzprotokoll Internetwork Packet Exchange (IPX) weiterhin unterstützen, weil es noch immer genügend Anwender gibt, die sie einsetzen.

CW: Sind für Sie die Produkte von Microsoft auch ein offener Standard? Zwischen der Gates-Company und Ihrem Unternehmen gab es in letzter Zeit ja Annäherungen.

ZEITLER: Es stimmt, da hat sich etwas verändert. Es geht aus unserer Sicht nicht mehr um NT oder Netware - die Anwender fordern beides. Daher entwickeln und bieten wir Produkte, die auf beiden Plattformen laufen. Stellvertretend möchte ich hier nur "Groupwise", "Managewise" und die "NDS" (Novell Directory Services, Anm. d. Red.) nennen. Damit hört es aber nicht auf. In der Praxis finden sich außer Netware und NT auch noch Unix und der Mainframe. Die Welt ist heterogen und wird es auch bleiben.

CW: Welche Konsequenz hat das für die Zukunft von Novell?

ZEITLER: Wir wollen weiterhin das intelligenteste Netz-Betriebssystem bauen. Außerdem wollen wir den Anwendern ermöglichen, in ihren Netzen bei akzeptablen Kosten alles zu managen. Ich betone: alles. Die Schlüsseltechnologie dazu sind die NDS. Wenn ein Kunde auf NT als Applikations-Server-Plattform setzt, dann erlauben ihm unsere NDS, NT in den Griff zu kriegen. Bereits heute nutzen über 30 Millionen Anwender weltweit die NDS. Unser Ziel ist es, NDS zu einem Meta-Directory zu machen.

CW: Wird NDS anstelle von Netware das Aushängeschild von Novell?

ZEITLER: Ich würde es so formulieren: NDS ist die Schlüsseltechnologie, Netware das Schlüsselprodukt von Novell. Wir machen immer noch etwa 60 bis 65 Prozent unseres Umsatzes mit unserem Netz-Betriebssystem, wenngleich dieses Geschäft immer weniger zum Umsatz beiträgt. Das kommt daher, weil wir andere Lösungen wie beispielsweise "Bordermanager" entwickelt haben, die wiederum die NDS nutzen.

CW: Verliert Netware damit an Bedeutung? Wird das Produkt irgendwann aus dem Novell-Portfolio verschwinden?

ZEITLER: Nein, Netware ist für uns ein strategisches Produkt. Die Version 5.0 zeigt das ganz klar: Sie bringt zum ersten Mal offene Standards und ist zudem die Plattform für zwei wichtige Dinge, Java und Clustering. Netware 5 verfügt über einen ziemlich kompakten High-speed-TCP/IP-Kernel, den wir neu entwickelt haben, und hat eine eingebettete Java Virtual Machine (JVM), wodurch es zur schnellsten Java-Plattform werden soll. Java wird unserer Einschätzung nach die Sprache des E-Commerce. Über unsere Schnittstellen und Developer Kits können Java-Entwickler zudem die NDS nutzen und müssen kein spezielles Directory entwickeln.

CW: Warum steigen Anwender dann zunehmend auf NT um?

ZEITLER: Weil sie Applikationen brauchen. Es gibt aber nur sehr wenige Anwender, die flächendeckend auf NT umsteigen. Die beste Lösung derzeit ist aus unserer Sicht, zwei Netz-Betriebssysteme zu haben. Die Anforderungen, die heute an solche Plattformen gestellt werden, sind so vielfältig, daß sie ein einzelnes System nicht optimal abdecken kann. Das hängt mit der Konzeption der verschiedenen Lösungen zusammen.

CW: Das hört sich an, als mache Novell aus der Not eine Tugend: Da unsere Lösung bestimmte Aufgaben nicht so gut erledigt wie NT, brauchen die Anwender beides.

ZEITLER: Ich würde eher sagen, wir reflektieren die Realität. Ob Microsoft in der Lage ist, aus NT ein so gutes Netz-Betriebssystem wie Netware zu machen, kann ich nicht beurteilen.

CW: NT 5.0 soll mit den Active Directory Services ebenfalls einen Verzeichnisdienst besitzen.

ZEITLER: Was dieses Verzeichnis kann, muß sich erst noch zeigen. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie aufwendig das Entwickeln eines Directory ist. Der Anwender hat die Wahl: Die NDS sind plattformunabhängig, bewährt und verfügbar, das Active Directory ist angekündigt. Unser Entwicklungsvorsprung hier ist beruhigend.

CW: Cisco setzt bei seiner Initiative Directory Enabled Networks (DEN) aber auf Microsoft.

ZEITLER: Das sehen wir ganz gelassen. Wir haben ein Directory, für das es auch Applikationen gibt. Das suchen Sie beim Active Directory vergebens.

CW: Was steht neben den von Ihnen genannten Schlagworten Java, Clustering und Management bei Novell noch im Mittelpunkt?

ZEITLER: Es gibt sonst keine, aber das reicht uns auch voll und ganz. Jetzt kommt Netware 5 mit Java, danach geht es weiter mit den NDS. Das berührt Themen wie Skalierbarkeit, Clustering, Management. Im nächsten Jahr bringen wir neue Produkte für die Bereiche Internet und E-Commerce. Wenn wir das alles in dem von uns anvisierten zeitlichen Rahmen hinkriegen, geht es uns exzellent.

CW: Ist die Talsohle dann durchschritten und kann der Gürtel wieder aufgeschnallt werden?

ZEITLER: Mit einem Unternehmen in der Größenordnung von Novell schafft man in zwölf Monaten keinen Turnaround. Wir schnallen den Gürtel jetzt kontrolliert wieder auf und ge-hen mit neuer Kraft in neue Segmente.

Novell - Eckdaten

Novell arbeitet am Turnaround: Auch das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres schloß der Hersteller mit schwarzen Zahlen ab. Nachdem das Unternehmen am Ende des zweiten Quartals des Geschäftsjahres 1996/97 noch Verluste von vier Cent pro Aktie hinnehmen mußte, konnte die Company ein Jahr später pro Anteilschein fünf Cent Gewinn verbuchen. Dennoch: Die Zeiten, in denen Novell 90 Prozent seines Umsatzes mit seinem Netz-Betriebssystem Netware machte, sind endgültig vorbei. Nach Angaben der International Data Corp. fiel der Marktanteil des Herstellers in diesem Bereich von 1996 auf 1997 um neun Prozent. Erstmals zog Microsoft bei der Auslieferung von Windows NT mengenmäßig an Netware vorbei. Gleich um 73 Prozent legte die Gates-Company zu und beherrschte 1997 insgesamt 36 Prozent des Marktes. Netware lag mit 26,4 Prozent aller Netz-Betriebssystem-Auslieferungen auf Platz zwei, während Unix-Systeme auf immerhin 20,7 Prozent kamen.