Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.01.1992 - 

Gemeinsame Tochter soll Unix-Netware entwickeln und vertreiben

Novell und USL gründen Univel als Joint-venture Unternehmen

MÜNCHEN (gh) - Novell festigt weiter das Unix-Standbein. Die vor einigen Wochen angekündigte Kooperation mit der Unix System Laboratories Inc. (USL) mündete nun in die Gründung der Univel Inc. Unter dem Dach von Univel wollen beide Firmen Entwicklung, Vertrieb und Support gemeinsamer Unix-Netware-Lösungen organisieren. Als erstes Produkt soll Mitte 1992 eine Lite-Version des Unix System V 4.1 mit integrierten Netware-Features auf den Markt kommen.

Novell und USL bringen, wie es in einer USL-Mitteilung heißt, in das Gemeinschaftsunternehmen sowohl Kapital als auch Technologierechte ein. Sitz der neuen Company wird San Jose sein. Gleichzeitig wurde die Ernennung von drei Führungskräften bekanntgegeben. Joe A. Appelbaum wird President und CEO von Univel. Grover P. Righter wurde zum Vice-President Product Group und Gregory R. Fallon zum Vice-President Sales und Channel Management ernannt.

Novell beabsichtigt bis auf weiteres, einen Anteil von 55 Prozent an Univel zu halten. Einzelheiten der finanziellen Ausgestaltung des Joint-ventures wurden bisher nicht bekannt - beide Unternehmen bestätigten jedoch, daß Univel mit einem Anfangskapital von 30 Millionen Dollar sowie anderen Aktiva ausgestattet worden ist. Außerdem bekommt die neue Firma Zugang zu den technischen Ressourcen und den Fortbildungs-, Trainings-, Verkaufs-, Marketing- und Vertriebseinrichtungen der Muttergesellschaften.

Mit Univel institutionalisiert Novell gewissermaßen das Vorhaben, mit Downsizing-Kandidaten aus dem Midrange- und Mainframe-Bereich sowie "DOS-Upsizern" als Zielgruppe einen Massenmarkt für Unix-Netze auf Intel-Plattformen zu schaffen und damit in eine Lücke des bis dato weitgehend stagnierenden Unix-PC-Marktes zu stoßen (vgl. CW Nr. 46 vom 15. November 1991, Seite 4). Raymond J. Noorda, Chairman, President und Chief Executive Officer von Novell, bekräftigte dies in seinem Statement zur Univel-Gründung. Mit der neuen Tochter werden sich, so Noorda, "Novell und USL auf die Entwicklung von Unix-Systemen für die Endbenutzer konzentrieren". Ziel sei primär die Vereinfachung von Unix-Implementierungen bei einer gleichzeitig wesentlich erhöhten Verfügbarkeit durch die weltweiten Vertriebskanäle.

Neben der im Frühjahr 1991 erworbenen Minderheitsbeteiligung an USL und der Markteinführung von Portable Netware für Unix bedeutet die Etablierung von Univel nun, wie Kai Leonhardt, Sprecher der deutschen Novell-Dependance, gegenüber der COMPUTERWOCHE ergänzte, "den eigentlichen Vollzug und die Integration der einzelnen Teilabschnitte in ein lückenloses Unix-Engagement". Obwohl Univel zunächst auf vorhandene Kapazitäten beider Gesellschafter zurückgreife, wird nach Angaben Leonhardts die neue Division in absehbarer Zeit Novells Unix-Geschäft federführend gestalten, da das Stammhaus "auf Dauer ein eigenes Unix-Betriebssystem nicht betreuen kann".

Unix-Applikationen auf Standardsoftware

Laut USL sehen die Pläne beider Unternehmen vor, den Benutzern durch den Einsatz künftiger Univel-Produkte zu ermöglichen, Unix-Applikationen auf Standardhardware zu betreiben und das Unix-System als eine größenanpassungsfähige Anwendungsumgebung über PC-Netze laufen zu lassen. Konkreter formuliert geht es den Unix-Protagonisten wohl darum, mit einem neuen, auf Unix System V 4.1 basierenden Release ihrer 32-Bit-Architektur Fuß zu fassen im großen Marktsegment der mit Novells Netware betriebenen PC-Netze. Roel Pieper, President und CEO von USL, umriß denn auch ohne Umschweife die Erwartungshaltung, die sein Unternehmen mit dem Univel-Projekt verknüpft, mit der Feststellung: "Univel eröffnet eine neue Ara für die Verbreitung des Unix-Systems, indem es seine Leistung und Sicherheit auf marktführenden Mikroprozessor-Plattformen zugänglich und verfügbar macht."

Branchen-Insider in den USA gehen in ihren Mutmaßungen noch entschieden weiter. Demnach könnten die Anstrengungen beider Unternehmen nicht nur zum Ziel haben, daß in Zukunft einzelne Unix-Applikationen ohne Kompatibilitätsprobleme auf PCs geladen und diese dann sowohl als Clients als auch als Server in Netware-Netzen eingesetzt werden können. Vielmehr gehe es darum, ein neues Unix-Netware Hardwareunabhängig zu konzipieren - also zumindest gleichzeitig für Intel- und RISC-Plattformen zu öffnen.

Spekulationen dieser Art erteilte jedoch Novell-Sprecher Leonhardt ein klare Absage. Das Engagement seines Unternehmens im Bereich der RISC-Workstations sei momentan durch die Zusammenarbeit mit HP (Vgl. CW Nr. 51 vom 20. Dezember 1991 Seite 17) erschöpft, eine generelle RISC-Netware-Version "im Moment nicht angedacht". Fest steht indes laut Leonhardt "zu 99 Prozent", daß Univel im Mai 1992 als erstes Produkt eine Lite-Version von Unix System V 4.1 auf den Markt bringen wird. Über den endgültigen Produktnamen ist noch nicht entschieden, die neue Software wird aber aller Voraussicht nach sowohl mit Portable Netware als auch mit einem integrierten Netware ausgeliefert.

Unix-Netware für Intel-Plattformen soll mit 300 bis 400 Dollar in der Grundausstattung in der gleichen Preiskategorie liegen wie die DOS- oder OS/2-Version. Die Minimalvoraussetzung für die Software sind ein 386er PC, 4 bis 6 MB RAM und 100 MB Speicherplatz auf der Festplatte.

Weltweit soll die neue Netware-Version wie alle übrigen Univel-Produkte über den Fachhandel, Systemintegratoren und Wiederverkäufer vertrieben werden. Außerdem ist noch vorgesehen, durch entsprechende OEM-Vereinbarungen mit anderen Herstellern auch deren Vertriebskanäle in Anspruch zu nehmen.