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14.04.1995

Novell verweist im US-Suite-Geschaeft Microsoft und Lotus auf die Plaetze Frankenberg sucht Partner fuer die Netware Connect Services

14.04.1995

CW-Bericht, Juergen Hill

MUENCHEN - "Netware - everywhere": Auf diese einfache Formel lassen sich die derzeitigen Bemuehungen Novells komprimieren. Waehrend Gegenspieler Bill Gates mit seiner Vision der "Information at your fingertips" vom Desktop aus in die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts starten will, verfolgen die Netzwerker aus Provo mit ihrem "Pervasive Computing" einen eher netzwerkorientierten Ansatz.

Sah es im September letzten Jahres auf der Networld+Interop in Atlanta noch danach aus, dass Novell-CEO Bob Frankenberg gegenueber der erdrueckenden Allgegenwaertigkeit der Gates-Company die weisse Fahne hisse, so gibt sich das Unternehmen heute deutlich selbstbewusster. Auf einer Stippvisite in Muenchen zog der Novell- Boss, der vor einem Jahr am 5. April die Kommandobruecke bestieg, Bilanz ueber das Erreichte und skizzierte die Position Novells in der Informationsgesellschaft von morgen.

Eher Unterhaltungswert hatte dabei die Mitteilung des Novell- Chefs, dass sich die Verschmelzung von Novell und Wordperfect zu einem schlagkraeftigen Unternehmen problematischer gestaltete als urspruenglich angenommen. Glaubt man Frankenbergs Zahlen, so scheinen die ersten Anlaufschwierigkeiten nun ueberwunden zu sein: Nachdem die Belegschaft des fusionierten Unternehmens um 20 Prozent reduziert wurde, stieg der Pro-Kopf-Umsatz von 194 000 Dollar auf nun mehr 253 000 Dollar. Zufrieden ist der Manager mittlerweile auch hinsichtlich des Verkaufserfolges von Netware 4.1. Die Cash-cow machte im ersten Quartal 1995 30 Prozent des Geschaeftes aus.

Gut lief laut Frankenberg auch die Vermarktung von "Perfect Office" an. Nach Angaben der Distributoren hat man mit der Suite in den USA Microsoft und Lotus auf die Plaetze verwiesen und in den ersten beiden Monaten des Jahres einen Marktanteil von 52 Prozent erobert. Insgesamt steht Novell damit dem Unternehmenslenker zufolge auf einem komfortablen zweiten Platz im Geschaeft mit Suite-Applikationen.

In Sachen Applikationen nicht zu vergessen ist Novells "Appware"- Initiative. Die Entwicklungsumgebung, die vor rund zwei Jahren mit viel PR-Wirbel als erste Cross-Connecting-Plattform angekuendigte wurde, sorgte in der Vergangenheit fuer einige Verwirrung. Mal sollte nur die fuer die systemuebergreifende Programmierung notwendige "Appware Foundation" ausgegliedert oder gar eingestellt werden, mal hoerten Skeptiker bereits fuer das ganze Projekt die Sterbeglocken laeuten.

Alles Geruechte, belehrte Frankenberg Zweifler jetzt eines besseren, "Appware lebt und ist die Integrationsumgebung fuer eine Suite." Zudem basierten alle komponentenorientierten Novell-

Applikationen auf Appware Loadable Moduls (ALMs). Allerdings raeumt der Firmenchef ein, dass Appware mittlerweile nur noch ein grafisches Entwicklungs-Tool ist. Die vom Ansatz her gute Idee der Foundation habe er gestoppt, da keine Nachfrage nach dieser plattformuebergreifenden Entwicklungsumgebung bestand. Laut Frankenberg hatten nur drei Unternehmen groesseres Interesse an der Appware Foundation gezeigt.

In Sachen Applikationen setzen die Netzwerker dagegen nach wie vor auf Cross-Connectivity. Nachdem die Networking-Company es eigenen Angaben zufolge vor OLE-Promotor Microsoft geschafft hat, die erste Suite mit vollstaendiger OLE-2.0-Implementierung auf den Markt zu bringen, haben die Netzwerker bereits das naechste Ziel im Visier: Kuenftige Applikationen sollen zum Dokumentenaustausch "Opendoc" unterstuetzen. Zu diesem Schritt entschloss sich Novell, da Microsoft sich laut Bob Frankenberg weigerte, OLE auf die Mac- oder Unix-Plattform zu portieren. Folglich, so der CEO, muesse Novell Opendoc einsetzen, um den Dokumentenaustausch im Netz mit anderen Rechnern als Windows-Maschinen zu realisieren.

Ebenso positiv wie im Suite-Markt verlief die Entwicklung in Sachen "Groupwise", Novells Messaging-Plattform, die E-Mail- und Netzwerkfunktionalitaet in einem Directory vereint. In diesem Marktsegment konnte man den Anteil von vier Prozent im Jahre 1993 auf 18 Prozent 1995 steigern. "Sehr hilfreich hierbei war", so der Novell-Boss mit einem Seitenhieb auf die Gates-Company, "dass sich Microsoft mit dem Exchange Server immer weiter verspaetet und die Kunden des Wartens muede sind."

Einen weiteren Erfolg seiner einjaehrigen Regentschaft sieht Frankenberg im Abschluss der ersten Phase auf dem Weg zum Super- Nos, der mit der Auslieferung von Netware 4.1 und "Unixware 2.0" erfolgt sei. Mit dem Super-Nos will Novell die Welt der Upsizer unter Netware und die Hemisphaere der Downsizer auf Unixware vereinen. Beide Plattformen teilen sich nun gemeinsame Treiber, Protokoll-Stacks sowie Management-Strukturen. Im naechsten Schritt sind die Implementierung eines gemeinsamen Clusters, gleiche Directory Services sowie das symmetrische Multiprocessing (SMP) geplant. In der dritten Stufe sollen Netware und Unixware dann groesstenteils aus dem gleichen Code bestehen.

Eine Milliarde Nodes im Jahr 2000 sind das Ziel

Allerdings duerfte dies allein kaum reichen, um das im Rahmen des Pervasive Computing - hierzu gehoert auch das Super-Nos - anvisierte Ziel von einer Milliarde Nodes im Jahr 2000 zu erreichen. Unabhaengig davon, ob Nodes nun als Netware-Clients definiert werden oder ob darunter jedes vernetzte Geraet zu verstehen ist - um der Vorgabe zu entsprechen, muesste das Unternehmen pro Woche eine halbe Million neue Netzknoten dazugewinnen.

Angesichts dieser Zahlen raeumt denn auch Frankenberg ein, dass das Ziel auf den ersten Blick verrueckt erscheinen mag, haelt es jedoch fuer erreichbar, wenn Novell ueber starke Pratner verfuegt. Um solche zu gewinnen, ist der CEO durchaus bereit, sich auf das Kerngeschaeft Netzwerke und netztaugliche Applikationen zu beschraenken und Geschaeftsfelder wie vertikale Applikationen, Content-Providing, Datenbanken, Online-Dienste, Desktop- Betriebssysteme und Hardware anderen zu ueberlassen. Dafuer will sich Novell auf die Bereiche Netware, Netware Embedded System Technology (NEST), Telekommunikation sowie Netzwerkapplikationen konzentrieren.

Ein erstes Anzeichen dafuer, dass diese Strategie durchaus aufgehen koennte, ist die Partnerschaft mit AT&T bei der Entwicklung der Netware Connect Services (NCS). Mit dieser Dienstleistung sollen Anwender kuenftig ihre Netze mittels einfachem Telefonanruf ohne Router zu einem globalen WAN erweitern koennen. Basiert das sich in der Betaphase befindene Netz momentan noch auf Frame Relay, so ist kuenftig auch ein ATM-Ausbau denkbar.

Ebenso ist angedacht, diese Dienstleistung ueber die Kabelnetze der Fernsehgesellschaften anzubieten, so dass Teleworking von zu Hause nicht unbedingt ueber die Netze der staatlichen beziehungsweise privatisierten Post-Carrier realisiert werden muss. Ein erster Test soll in den USA in Zusammenarbeit mit General Instruments bereits im Juli beginnen. Frankenberg ist zuversichtlich, dass das Verfahren gerade in Laendern wie der Bundesrepublik Deutschland, die ueber ein grosses Kabelfernsehnetz verfuegen, auf starkes Interesse stoesst. Als Varianten in Richtung Mobile Computing sind neben bereits realisierten Satellitenverbindungen die Unterstuetzung von DECT, GSM, CDPD sowie Infrarot- Uebertragungsverfahren geplant.

Allerdings werden die Netzwerker aus Provo nicht muede zu betonen, dass sie auf keinen Fall die Infrastruktur dieser Netze besitzen wollen. Trotzdem duerfte die Company bei diesem Geschaeft auf ihre Kosten kommen. Die cleveren Mormonen stellen ihren Partnern zwar die erforderliche Software kostenlos zur Verfuegung, verlangen dafuer aber eine prozentuale Beteiligung an den Netzgebuehren. Eine Abrechnungsmodalitaet, von der Frankenberg zuversichtlich annimmt, dass sie bald mit wachsendem Anteil in den Novell-Umsatz einfliesst.

Geht es um die Dienstleistungen, die im Netz fuer den entsprechenden Mehrwert sorgen sollen, so schweben dem CEO neben Netware-Nodes und E-Mail vor allem Leistungen wie das Outsourcing von Netz-Management-Aufgaben oder Backup-Services vor. Last, but not least fuehren die Netzwerker zudem Gespraeche mit Anbietern von Information-Services wie Compuserve oder American Online, um den NCS eine groessere Attraktivitaet zu verleihen. Mit von der Partie sollen auch Content-Provider wie Bertelsmann, die "New York Times" oder die "Washington Post" sein.

Ebenfalls in das Anwendungsszenario gehoeren Ideen wie die elektronische Distribution von Software oder die Anmietung von Nutzungszeit fuer die Arbeit mit einer bestimmten Applikation. Hierbei wiederum hat "Managewise" eine besondere Bedeutung. In der naechsten Version soll es ueber Features verfuegen, die eine Ueberwachung der Softwarelizenzen nach Benutzungsdauer erlaubt und darueber hinaus sicherstellt, dass der Benutzer von Netzdiensten auch fuer den Abruf entsprechender Informationen (content) zur Kasse gebeten wird.

Doch nicht nur der Abruf von Informationen soll nach Frankenbergs Vorstellung ueber die NCS realisiert werden. Der Netzdienst soll auch die Grundlage fuer die elektronische Verteilung von Dokumenten sein, die dann vor Ort bedarfsgerecht in "Remote Printing Facilities" zu Papier gebracht werden.

Geht es um die Verwirklichung dieser remoten Dienstleistungen, so kommt nach den Plaenen der Marketiers mit NEST eine andere Novell- Schluesseltechnologie zum Zuge. Mit Hilfe dieses Verfahrens will das Unternehmen alle moeglichen Buerogeraete an LANs und WANs anschliessen, so dass via Netz beispielsweise Drukker und Scanner sich zum Kopierer ergaenzen und in Verbindung mit einem Modem daraus eine Faxmaschine entsteht. Dass dabei alles bequem vom Desktop-Rechner ueber ein Netware-Netz gesteuert wird, versteht sich fast von selbst.

Ueber 100 Hersteller setzen bereits auf NEST

In Sachen NEST konnte Novell bereits die Unterstuetzung namhafter Hersteller wie Xerox, Canon, Toshiba, Hitachi, Fujitsu, HP oder Lexmark gewinnen. Weiteren Zulauf bekam die NEST-Gemeinde laut Frankenberg durch den Ausstieg Microsofts aus "MS at Work", so dass man bei Novell heute ueber hundert Hersteller zaehlt.

Die Visionen des CEO sind in Sachen NEST keinesfall auf die Geraeteparks von Bueros beschraenkt. Vielmehr werde NEST kuenftig etwa ueber die Ertragslage der einarmigen Banditen in Casinos wachen und den Betreiber unverzueglich ueber die Gluecksstraehne eines Besuchers alarmieren. Selbst auf der Strasse koennten dem vernetzten Buerger von morgen bald die ersten Autos mit dem Logo "Yes, it run's with Netware" begegnen, sollte sich diese Technologie durchsetzen. Das Fahrzeug koennte im Fehlerfall die Reparateure der naechstgelegenen Niederlassung bereits vor dem Eintreffen mit entsprechenden Diagnosedaten versorgen. Weiteres Szenario: NEST hilft als elektronisches Heinzelmaennchen an Bord bei der Routenfindung und informiert ueber das aktuelle Wetter sowie die Verkehrslage.

Neben NEST, auf der kuenftig auch die Software-Schnittstelle fuer Infrarotverbindungen zwischen Notebook und Telefon beruhen soll, damit die leidige Strippenzieherei im Hotelzimmer der Vergangenheit angehoert, kommt bei der Verwirklichung der NCS den Netware Directory Services eine entscheidende Bedeutung zu. Fuer Frankenberg haben die NDS gar eine Schluesselrolle, da sie im Netz die Funktion der Yellow Pages uebernehmen und zudem fuer die Sicherheit verantwortlich sind. Ein Punkt, in dem Frankenberg glaubt, einen Vorsprung von zwei bis drei Jahren gegenueber dem Mitbewerber Microsoft zu haben. Mit einem sarkastischen Laecheln begruesst der Manager denn auch, dass die Gates-Mannschaft nun ebenfalls fuer NT ein Directory Service entwickeln will.

Allerdings glaubt der CEO, dass dem Unternehmen das notwendige Know-how fehlt, denn "Microsoft versuchte sicherlich nicht ohne Grund, nach und nach unser Directory-Entwicklerteam abzuwerben".

Die eigenen NDS wollen die Netzwerker weiter verbessern, so dass Milliarden von verteilten Devices verwaltet werden koennen. Zudem sollen sie kuenftig nicht nur wie beschrieben ein Bestandteil von Unixware sein, sondern auch Dritten zugaenglich gemacht werden. Dabei schloss Frankenberg eine Portierung von NDS auf Windows NT nicht aus, allerdings sei man bei Microsoft momentan zu keiner Zusammenarbeit bereit. Sollte dies so bleiben, hat Frankenberg fuer NT-User, die nicht zwei bis drei Jahre auf einen Directory Service made by Bill Gates warten wollen, bereits Trost bereit: Eine Non- dedicated-Version von Netware, die mit NT zusammenarbeitet und so den Anwendern Directory Services bereitstellt. Die Frage nach der moeglichen Verfuegbarkeit beantwortete der Manager lediglich mit einem "We will see".