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07.06.1991 - 

User warten auf die angekündigten Releases der Communications Services

Novells Hinhalte-Taktik bringt Netware 386 langsam ins Gerede

FRAMINGHAM/MÜNCHEN (IDG/gh) - Die Unzufriedenheit der Novell-Kundschaft wächst. Im Kreuzfeuer der Kritik stehen zum einen die Qualität von Netware 386 als WAN-Betriebssystem, zum anderen das Marketing-Gebaren bei der verzögerten und unvollständigen Auslieferung der Communications Services.

Im Gegensatz zu Mitbewerber Banyan, dessen virtuelle LAN-Betriebssysteme von vornherein für den Ausbau zu unternehmensweiten Topologien konzipiert sind, tut sich Novell mit der Plazierung von Netware als einem WAN-tauglichen Betriebssystem schwer. So jedenfalls beurteilen die Marktforscher der Newtoner Business Research Group die WAN-Anstrengungen des Markführers aus Provo. Novell sei ständig gezwungen, in Netware zusätzliche Interfaces und Features zu implementieren, um nicht zahlreiche Kunden an die Konkurrenz zu verlieren.

Als Beispiel dieser Bemühungen führen die Marktbeobachter Novells Ausweitung der Serverkapazitäten in den T1-Bereich an (rund 1,544 Mbit/s), eine Übertragungsgeschwindigkeit, die aus der Sicht vieler Anwender offensichtlich unzureichend ist.

Brian F. Pasch, Senior Communications Engineer in der Information Technology Group bei Goldman, Sachs & Co., machte jedenfalls anläßlich einer Novell-Konferenz in New York seinen Unmut über die Unzulänglichkeiten von Novells Internetworking-Software an diesem Punkt fest. "Der von Novell propagierte Datendurchsatz im Bereich von T1 ist zu gering", stellte der IS-Manager angesichts der in seinem Unternehmen kontinuierlich ansteigenden Datenmengen lapidar

fest.

Unzufriedenheit herrscht aber auch in puncto weiterer Neuankündigungen. Schon im Februar avisierte Novell eine Multiprotokoll-Version von Netware als weiteren Meilenstein im Bereich der Netzwerk-Betriebssysteme zur Öffnung lokaler Netze für andere Netzwerk-Umgebungen und Netz-Management-Systeme. Bis heute allerdings blieb der Hersteller den Netware-Usern das entsprechende Internetworking-Upgrade schuldig.

Hinzu kommt, daß Novells Anspruch, Netware zu einem WAN-Betriebssystem auszubauen, nach Meinung zahlreicher Anwender mit der Auslieferung der kompletten Communications Services steht und fällt. Solange das Unternehmen hier mit einer Reihe angekündigter Features hinter dem Berg hält (vergleiche CW Nr. 22 vom 31. Mai 1991, S. 22), ist zumindest für Ray Chandler, Netz-Manager bei Arco Oil and Gas Co., "die Proklamation von Netware 386 als einem unternehmensweit einsetzbaren Netzwerk-Betriebssystem wenig glaubhaft".

Erwertungshaltung künstlich hochgeschraubt

Probleme mit der Ankündigungspolitik von Novell hat auch die Deutsche Netware Benutzergruppe e.V. (Denet). Markus Wartha, geschäftsführender Vorstand der in Augsburg ansässigen 1989 gegründeten User-Group konstatiert berechtigte Kritik angesichts der auch für ihn unverständlichen Tatsache, daß ein Hersteller wie Novell ein Produkt mit Aussagen ankündige, von denen man schon im Vorfeld wisse, daß sie nicht oder nur teilweise eingehalten werden können. Allerdings will der Denet-Geschäftsführer die Schuldzuweisungen nicht ausschließlich bei Novell festmachen. Erstens habe Novell, so Wartha, in der Zeit nach der Ankündigung der Communications Services die Anbindung an Welten wie TCP/IP, MFS und FTAM realisiert, zweitens müsse die Produktpolitik der anderen Hersteller mit berücksichtigt werden.

Die Novell-Entwickler konnten nach Ansicht von Wartha gar nicht so schnell auf die neuen Produkte und Features anderer Anbieter reagieren, zu denen die Communications Services kompatibel sein sollen. Auch die Ankündigung von Novell und IBM, gemeinsam Netware weiterzuentwickeln und zu vertreiben, dürfte gewisse Verzögerungen mit sich gebracht haben. Dies alles sei aber trotzdem, so Wartha, "keine Entschuldigung dafür, daß die Features eines ausgelieferten Produktes nicht der Ankündigung entsprechen."

Das Novell mit Aktionen dieser Art unglücklich agiert, schreibt der Denet-Vorstand dem Marktführer deutlich ins Marketing-Stammbuch. Mit solchen Announcements werde, so Wartha, "die Erwartungshaltung beim Kunden künstlich hochgeschraubt - mit dem Ergebnis, daß der User am Ende unzufrieden ist und unter Umständen sogar das Produkt wechselt".

Auf die Frage, ob Netware 386 letztendlich als WAN-Lösung zu klassifizieren sei, reagiert Wartha zurückhaltend. Das System sei als Plattform der neunziger Jahre im Bereich der Netzwerk-Betriebssysteme angekündigt und würde laut Announcement alle wichtigen Bestandteile eines WAN-Betriebssystems erfüllen. Allerdings, schränkt Wartha ein, scheine die jetzt in den USA angekündigte Version der Communications Services vom Umfang her nicht das zu erfüllen, was sich die Anwender vorgestellt haben. Was ihm und allen anderen Netware-Usern bleibe, ist die Hoffnung, daß die neuen Features baldmöglichst so ausgeliefert werden, wie sie angekündigt wurden.

Für die Zukunft hofft Wartha auf Marketing-Aussagen von Novell, bei denen "der Kunde sich nicht über den Tisch gezogen fühlt".