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01.11.2007

NTT Data übernimmt Itelligence

Den japanischen Service-Provider interessiert vor allem das SAP-Know-how des ostwestfälischen Anbieters.

NTT Data Europe strebt eine mehrheitliche Übernahme der Itelligence AG, Bielefeld, an. Die europäische Tochtergesellschaft des japanischen IT-Dienstleisters bietet den Anlegern 6,20 Euro in bar je Aktie. Das ist ein Aufschlag von knapp 50 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Herbert Vogel, Mitbegründer und CEO von Itelligence, und seine Ehefrau halten zusammen knapp elf Prozent der Anteile und haben bereits angekündigt, die Hälfte davon zu verkaufen. Itelligence soll ihre Eigenständigkeit, den Namen, die Marken, die Standorte sowie die Börsennotierung anschließend mindestens vier Jahre lang behalten. Vogel will dem Unternehmen weiter als CEO vorstehen. Die neuen Partner demonstrieren so gegenüber Kunden und Mitarbeitern Kontinuität.

NTT Data

Standorte: Tokio (Zentrale), weitere Niederlassungen in China, Thailand, Indien, Südkorea, Vietnam, Malaysia sowie der Slowakei und den USA.

Anteilseigner: NTT (54,2 Prozent), Streubesitz.

Jahresumsatz: etwa sieben Milliarden Euro, davon 98,5 Prozent in Japan.

Mitarbeiter: 22 600.

Geschäftsfelder:

Systemintegration für Datenkommunikationssysteme,

Netzservices,

Optimierungs- und Wartungsdienste sowie Facility-

Management.

Itelligence

Standorte: Bielefeld (Zentrale), West- und Osteuropa, USA.

Anteilseigner: knapp 90 Prozent Freefloat, viele institutionelle Anleger.

Jahresumsatz: rund 164 Millionen Euro im Jahr 2006 (mehr als die Hälfte außerhalb Deutschlands).

Mitarbeiter: 1200.

Geschäftsfelder: Beratung, Entwicklung und Systemintegration, Lizenzgeschäft, Outsourcing, Hosting. Itelligence konzentriert sich auf SAP-nahe Services für mittelständische Kunden.

"In dem heutigen Umfeld, das von Konsolidierung Globalisierung, Internationalisierung geprägt ist, erweist sich die Übernahme als eine gute Option", sagte Vogel. "Der Schritt ist wohl überlegt, wir haben uns lange darauf vorbereitet. Die ersten Gespräche haben wir bereits vor knapp zwei Jahren mit NTT Data geführt." Verhandlungen über Akquisitionen oder Partnerschaften habe es aber auch mit anderen weltweit aufgestellten Systemintegratoren gegeben. Wichtig sei es dem Itelligence-Management gewesen, mit einem möglichen Partner stets aus einer Position der Stärke zu sprechen. Die jüngsten, Mitte Oktober veröffentlichten Finanzzahlen untermauern diese Einschätzung: Der Umsatz wuchs in den ersten neun Monaten 2007 um 16,4 Prozent auf 135,9 Millionen Euro. Das Ebit verdoppelte sich auf 7,8 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr stellte Vogel Einnahmen in Höhe von 190 Millionen Euro in Aussicht. Das sind etwa 16 Prozent mehr als 2006.

Die Übernahme durch NTT kommt in zweifacher Hinsicht überraschend: Zum einen hatte Vogel Anfang des Jahres in einem Gespräch mit der computerwoche eigene Übernahmen in Aussicht gestellt. "Bei den Akquisitionen, die wir im Blick hatten, sind uns die Preise weggelaufen", räumte der Itelligence-Gründer nun ein. "Das Risiko einer Fluktuation unter den Mitarbeitern war mir angesichts des finanziellen Aufwands zu hoch." Zum anderen hatte kein Marktbeobachter NTT Data als Käufer von hiesigen IT-Servicefirmen auf der Rechnung. Als mögliche Antreiber der Konsolidierung im deutschen IT-Dienstleistungsgeschäft galten eher indische Anbieter. Nun sind es offenbar die Japaner, die sich den deutschen Markt erschließen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte Fujitsu Services die TDS AG in Neckarsulm übernommen.

Wertvolles Know-how für das Mittelstandsgeschäft

NTT Data war bereits 1988 als Tochter des Carriers NTT (Nippon Telegraph & Telephone Corp.) gegründet worden. Das Unternehmen betreibt einfache Kommunikations- und Wartungsservices sowie Systemintegrationsdienste. Nur 1,5 Prozent der Einnahmen erzielt NTT Data außerhalb des Heimatlandes. Das Unternehmen ist bis dato im SAP-Umfeld schwach aufgestellt. Bislang wissen die Japaner rund 500 zertifizierte SAP-Berater in ihren Reihen. "Mit der Übernahme verdoppelt das Unternehmen schlagartig die Zahl der SAP-Consultants", beschrieb Ovum-Analystin Cornelia Wels-Maug die Akquisitionspläne. "Wertvoll ist insbesondere das Mittelstands-Know-how und das Wissen von Itelligence über SAPs jüngstes Produkt Business ByDesign." Das sieht Itelligence-Chef Vogel ähnlich: "NTT Data möchte von uns lernen, wie wir SAP-Lösungen zeit- und budgetgerecht im Mittelstand einführen", sagte er. Für die japanische Company ist Itelligence zudem ein wichtiger Schritt in neue Märkte. Das Unternehmen hat sich eine weitere internationale Expansion auf die Fahnen geschrieben. In Europa soll Itelligence diese Aufgabe übernehmen.

Die Ostwestfalen versprechen sich von der Übernahme Zugang zu den Offshore-Ressourcen der künftigen Muttergesellschaft in Asien. Doch das ist für Vogel nur ein Randaspekt. Er erhofft sich von dem starken Partner im Rücken mehr Ruhe und Kontinuität. Knapp 90 Prozent der Itelligence-Aktien sind derzeit im Streubesitz. Unter den Aktionären sind viele institutionelle Investoren mit wenig Geduld. "Man hat einen wahnsinnigen Druck von Quartal zu Quartal, das richtige Ergebnis zu liefern. Wenn es Irritationen gibt, kostet es viel Zeit, sie auszuräumen. Nun können wir etwas strategischer an bestimmte Themen herangehen", erläuterte Vogel. So könne man künftig intensiver nach passenden Akquisitionsobjekten Ausschau halten. (sp/jha)