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05.11.1982 - 

Was IBM 1983 tatsächlich freigeben wird, liegt noch im Nebel:

Nüchterne XA-Betrachtung läßt PCMs hoffen

MÜNCHEN (CW) - Je, mehr Zeit ins Land geht, um so optimistischer beurteilen die PCMs das XA-Problem. Machten kurz nach der Ankündigung der erweiterten Architektur verunsicherte Anwender die IBM-kompatiblen Anbieter nervös, so scheint inzwischen auch bei den Benutzern Ruhe eingekehrt zu sein. Folge: Die PCMs reagieren immer gelassener.

Vor allem die inzwischen nüchterne Betrachtung des neuen IBM-Betriebssystems MVS/SP 2, das die XA-Funktion enthält, ist es, daß die kompatiblen Hersteller die Freigabe dieser Software im ersten Quartal des nächsten Jahres ruhig abwarten läßt. Bei der XA-Ankündigung hatte noch, wie sich ein PCM zurückerinnert, "jeder kleine DOS-Anwender" wegen dieses Problems nachgefragt. Da zu der Zeit des Announcements aber niemand genau wußte, was da auf die IBM-Welt eigentlich zukommt, herrschte Nervosität an der IBM-Betriebssystemfront.

Mittlerweile ist klar geworden, daß es in den nächsten drei Jahren in Deutschland vielleicht 200 Kunden gibt, die als ernsthafte Interessenten für XA gelten können. Vor allem aber will die PCM-Industrie festgestellt haben, daß ein Benutzer den XA-Einführungstermin um so mehr relativiert, je größer die Anwendung ist. Einem internen IBM-Papier war zusätzlich vor einiger Zeit zu entnehmen, daß die Umstellung auf XA durchaus eineinhalb Jahre dauern kann.

Dies ist nach Ansicht der PCM-Industrie auch durchaus realistisch, denn schließlich wisse man mittlerweile, welche Kompatibilitätsprobleme IBM selber bei der Umstellung von der MVS-Version 1 auf die Version 2 habe. Das berühmte "Conversion Handbook" gibt darüber deutlich Auskunft und umfaßt nicht umsonst an die 300 Seiten. Wenn sich jetzt ein Anwender an die Umstellung machen würde, müßten zunächst einmal einige Leute dieses Handbuch durcharbeiten.

Der nächste Schritt ist dann, die Programme auf diese Kriterien hin durchzusehen. Bei großen Anwendungen können da leicht bis zu 1 0 000 Stück zusammenkommen, die allerdings nicht alle betroffen wären. Die betroffenen aber, stichelt der Mitarbeiter eines größeren IBM-Mitbewerbers, seien in der Regel "hervorragend dokumentiert". Der Anwender habe inzwischen begriffen, daß die Umstellung Arbeit verursache und nicht, wie anfangs geglaubt, nur einem Releasewechsel gleichkomme.

Dabei ist die Notwendigkeit der erweiterten Architektur nirgends umstritten. Vier Zwänge existieren, die einen Benutzer zur Einführung veranlassen:

- Aus der Anwendung ergibt sich, daß der virtuelle Adreßraum von 16 MB nicht mehr ausreicht.

- Der Anwender kommt mit dem realen Speicher oder der Organisation des Speicherraumes nicht mehr aus und muß deshalb auf die Version 2 gehen.

- Es ist soviel Peripherie zu bedienen, daß man auf das Floating-Channel-Prinzip angewiesen ist.

- Das Imagebedürfnis des Kunden verlangt die XA-Einführung ("Ich brauche es nicht, aber ich will es").

Auch IBM Teil des Problems

Hat der Kunde das Problem, keine 308X-Maschinen zu fahren, können weder IBM noch PCM mit den vollen XA-Funktionen dienen. Wenn der Kunde in diesem Fall nach einer Lösung sucht, so sind nicht nur die PCMs ein Teil des Problems, wie es ein Sprecher aus der betroffenen Sparte formuliert, "dann ist auch die IBM teil des Problems".

Fast alle Anwender in der Größenordnung, in der XA interessant wird, haben mehrere Rechner und nicht nur einen Jumbo. Wenn jetzt die IBM diesen Anwendern versuche einzureden, alles rauszuwerfen und nur noch mit 308X-Systemen zu arbeiten, so sei dies eine Illusion. Denn der Anwender hat nicht die Freiheit, das zu tun, was er möchte - oder das zu tun, was die IBM möchte.

All diese Sachzwänge, die die Benutzer zu einer realistischeren Betrachtungsweise gebracht haben, lassen nun auch die PCMs bei der eigenen Realisierung von XA hoffen. Der Anwender stelle nur die Forderung, daß XA mit allen Funktionen auf den kompatiblen Maschinen ablauffähig ist. Im übrigen bleibt es jetzt der Intelligenz und dem wirtschaftlichen Denken jedes Herstellers überlassen, ob er das nun mit Mikrocode, Software oder "Hardware-Overkill" realisiert. Was die Performance betrifft, so gibt es beispielsweise eine Amdahl-Aussage, daß sie bei älteren Maschinen erheblich reduziert sei, bei den neueren hingegen nicht.

Mikrocode nicht notwendig

Zur Realisierung müßten die PCMs noch nicht einmal wissen, was im einzelnen im Mikrocode verpackt sei. Wichtig zu wissen sei,, welche Funktionen die CPU, welche die Kanalsteuereinheiten ausfahren, was zentral, was dezentral erfolgt, wie die Struktur einer Ein-/ Ausgabebehandlung beschaffen ist, mit welchen Steuerinformationen Nachrichten nach außen geschleust werden oder wie die Geräte- und Kanalverwaltung erfolgt. Dies sei aber alles in den "Principles of Operation" beschrieben. Auf der Softwareseite ist zu verstehen, welche Auswirkungen die zusätzlichen Befehle haben. Inzwischen, so behaupten die PCMs durchgängig, wisse man, wie es funktioniert.