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16.08.1996 - 

Mangel an Ausbildungsplätzen

Nur befristete Übernahme für Azubis in der IT-Branche

Ihr Versprechen, mehr Lehrstellen zu schaffen, haben die bundesdeutschen Unternehmen wieder nicht gehalten. Während bereits 1995 hunderttausend Jugendliche sich nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung arbeitslos melden mußten, drohen den Jugendlichen in diesem Jahr noch größere Probleme. Insgesamt 180 000 Lehrstellen werden in Deutschland zusätzlich zu den bereits bestehenden benötigt. Auf diese Misere machte jetzt Bernhard Jagoda, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit (BA), aufmerksam.

Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers wird nicht müde, die Privatunternehmen immer wieder daran zu erinnern, daß sie ihr im März 1995 gegebenes Versprechen, binnen zwei Jahren zehn Prozent mehr Lehrstellen anzubieten, "noch nicht erfüllt hätten." Da die Unternehmen so wenig Bereitschaft zeigen, will der Bund mit einer Ausbildungsinitiative selbst mehrere tausend neue Lehrstellen schaffen.

"Nur mit gutgemeinten Appellen bekommen wir das Problem nicht in den Griff", wettert dagegen IG-Metall-Vorstandsmitglied Erwin Vitt und fährt schweres Geschütz auf: "Junge Leute nicht zu übernehmen führt zu einer Vergreisung der Unternehmen." Die Betriebe würden sich nicht nur ihrer eigenen Zukunftschancen berauben, sondern auch den wichtigsten Standortvorteil - nämlich gut ausgebildete Arbeitskräfte - verschleudern. Um einen Ausweg aus der Ausbildungsmisere zu finden, fordern die Gewerkschaften bereits seit Jahren, daß Betriebe, die nicht aus- und weiterbilden, eine Abgabe in einen Weiterbildungsfonds zahlen müssen.

Weniger Angst vor drohender Arbeitslosigkeit müssen indes die Azubis haben, die in der Metallindustrie arbeiten. Die IG Metall hat im Tarifvertrag eine halbjährige Übernahme nach der Ausbildung vereinbart. Kein Wunder also, daß Konzerne wie Siemens oder IBM ausdrücklich betonen, ihre Azubis stünden nach der Ausbildung nicht auf der Straße. Pressesprecher Martin Siebert von der Siemens AG in München: "Nach diesem zwischen den Tarifpartnern ausgehandelten halben Jahr geht der größere Teil der ausgebildeten jungen Leute auch in ein festes Anstellungsverhältnis über."

Klaus Pawlek, Leiter der Berufsausbildung IBM Deutschland, räumt ein, daß in den vergangenen Jahren kein Personal eingestellt wurde: "Wir mußten erst einmal unsere interne Umstrukturierung hinter uns bringen."

Für Fachhochschüler und Studenten bietet Big Blue nach wie vor Praktikumsplätze an, allerdings ohne große Aussicht auf spätere Übernahme. Bei den Lehrlingen hat der Computerhersteller seit 1994 das Angebot erhöht und einem Teil von ihnen zum ersten Mal seit fünf Jahren eine feste Anstellung zugesagt. Pawlek: "Die anderen Azubis erhalten auf sechs oder sogar zwölf Monate befristete Verträge."

Die Deutsche Telekom hat heuer von 2000 ausgebildeten Lehrlingen nur 300 übernommen. Dafür hat der Konzern eine andere Lösung parat. Pressesprecher Stephan Althoff: "Bei den Kommunikationselektronikern gibt es eine Vereinbarung mit dem Zentralverband des Deutschen Elektrohandwerks. Wir zahlen denjenigen Unternehmen, die Azubis von uns übernehmen, eine Prämie zwischen 15000 und 21000 Mark."

Sehr unterschiedlich wird das Azubi-Problem in der Softwarebranche behandelt, deren Unternehmen nahezu ausschließlich tariffrei agieren. Bei Microsoft beispielsweise findet man keine Auszubildenden, sondern Praktikanten. Zwar könne es durchaus vorkommen, daß sich ein Praktikant auf eine intern ausgeschriebene Stelle bewerbe, "gewollt ist dies aber nicht", war aus der Personalabteilung des Unternehmens zu hören.

Wie groß das Interesse von jungen Leuten ist, einen Job in einem Softwarehaus zu finden, beweist die jährliche Ausschreibung der Oracle Deutschland GmbH. Marketing-Direktor Michael Gedon: "Wenn wir für unser Trainee-Programm 20 junge Leute suchen, erhalten wir zwischen 600 und 1200 Bewerbungen." Zwischen 70 und 80 Bewerber würden dann nach München eingeladen. Die Entscheidung falle in einem zwei Tage dauernden Assessment mit Einzelgesprächen und verschiedene Gruppenveranstaltungen. Gedon legt Wert auf die Feststellung, daß in seinem Unternehmen vor allem junge Leute eine Chance erhielten. Schließlich versuche Oracle permanent, den Altersdurchschnitt von derzeit 34 Jahren weiter zu drücken.

*Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.