Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.06.1993

Nur benutzerorientierte Lernprogramme sichern notwendige Akzeptanz Computer Based Training (CBT): Aus Fehlern von frueher lernen

Obwohl sich Computer Based Training inzwischen als wirksame Lernmethode etabliert hat, mischen sich immer wieder auch kritische Stimmen in die Diskussion. Entscheidend ist, so die Auffassung von Ute Wolter*, dass die Vorteile der Methode zu den Lernzielen passen und dass die Unternehmen das Verfahren gezielter einsetzen sollten als bisher.

*Ute Wolter arbeitet als CBT-Spezialistin bei der ICR GmbH in Neustadt.

Fuer die Unternehmen wird es immer schwieriger, den immensen Schulungsbedarf durch Seminare und andere traditionelle Methoden rechtzeitig zu decken. Hier bietet sich das computerunterstuetzte Lernen als vernuenftige Loesung an.

Die Entscheidung fuer den Einsatz in der betrieblichen Bildung wird haeufig aus oekonomischen Erwaegungen getroffen: Bei einer groesseren Zielgruppe verringern sich durch CBT der Arbeitsausfall, Reisekosten und Kosten fuer externe Trainer. Das macht sich vor allem bei dezentral organisierten Unternehmen bemerkbar. Da sich zudem die Lernzeit gegenueber traditionellen Seminaren verkuerzt, laesst sich die Kosten-Nutzen-Relation im Bildungsbereich verbessern.

Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation sehen viele Betriebe den Einsatz von CBT oft ausschliesslich unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit. Dabei sprechen noch andere Argumente fuer diese Lernmethode.

CBT heisst auch

lernen ohne Stre Lernsoftware ist leicht modifizierbar, wenn die sich schnell aendernden Bedingungen eine Aktualisierung des Lernstoffs erforderlich machen. Fuer Benutzer ohne PC-Erfahrung kann CBT geeignetes Mittel zur Hinfuehrung an die Arbeit mit dem Computer sein. Beschaeftigte, die mit dem Rechner arbeiten, koennen ihn nun auch als Lernstation nutzen.

Als Selbstlernmethode stellt CBT eine Bereicherung des Schulungsangebots dar. Computerunterstuetzes Lernen heisst angstfreie Wissensaneignung ohne Stress. Kursteilnehmer koennen ihr individuelles Lerntempo, die fuer sie verdauliche Lernmenge und ihre Lernzeit selbst bestimmen.

Integrierte Lernerfolgskontrollen mit entsprechenden Rueckmeldungen geben jederzeit Aufschluss ueber den jeweiligen Wissensfortschritt. Durch flexiblen Zugriff sind auch Wiederholungen jederzeit moeglich. Vielfaeltige Interaktionsmoeglichkeiten foerdern die Eigenaktivitaet der CBT- Anwender. Darueber hinaus lassen sich unterschiedliche Lernniveaus vor einem Seminar homogenisieren.

CBT kann, sofern vernuenftig machbar, am Arbeitsplatz stattfinden oder zumindest arbeitsplatznah, in speziellen Lernzentren oder entsprechend ausgestatteten Schulungsraeumen. Es ist aber kein Allheilmittel: Die zu vermittelnden Inhalte muessen CBT-geeignet sein beziehungsweise fuer die jeweilige Zielgruppe mindestens genauso gut oder besser geschult werden koennen als durch andere Massnahmen.

Hier bieten sich zunaechst Themen aus der DV selbst an. Buerokommunikations-Systeme wie Memo, Office Vision oder Lotus Notes lassen sich anschaulich und praxisnah vermitteln. Statt gleich am Echtsystem zu ueben - mit eventuell laestigen Begleiterscheinungen - koennen sich die zukuenftigen Anwender per Simulation an die Software herantasten.

Die Gestaltung von Anwendungs-CBTs erfolgt unterschiedlich. Enthalten sein koennen: eine Informationssequenz, die Sinn und Vorteile der neuen Anwendung darstellt und dabei zukuenftige Anwender fuer die spaetere Arbeit mit der Echtanwendung motiviert und ihnen moegliche Aengste nimmt. Nicht fehlen sollten:

- Informationen ueber Aufbau, Bedienung, Hilfsfunktionen etc. der Anwendung, eventuell mit ersten kleinen Uebungen,

- didaktisch aufbereitete Simulations- und andere Uebungen mit Infotexten,

- Fallbeispiele aus der taeglichen Anwenderpraxis,

- Lernerfolgskontrollen und differenzierten CBT-Rueckmeldungen sowie

- vollstaendige Simulation der Echtanwendung ohne Zusatzmeldungen und -informationen.

Ein Anwendungs-CBT kann sowohl Teile als auch die gesamte Bandbreite der Moeglichkeiten enthalten, je nachdem, welchen Stellenwert das Lernprogramm im Gesamtschulungs- Konzept einnimmt. Das gilt nicht nur fuer Buerokommunikations-Systeme, sondern ebenso fuer andere Software wie CAS, MIS/EIS, ISPF, Betriebssysteme etc.

Die Moeglichkeiten der

Interaktion ausschoepfen

Wird das Lernprogramm am Arbeitsplatz, ob Grossrechner oder PC, installiert, kann der Lernende direkt, sofern das CBT dies zulaesst, in die Echtanwendung springen, wenn er sich aufgrund der durchgearbeiteten Sequenz sicher genug fuehlt.

Natuerlich sind die grafischen Gestaltungsmoeglichkeiten am Grossrechner geringer als am PC, doch diese Einschraenkung wird dadurch wettgemacht, dass Mitarbeiter jederzeit ueber das Lernprogramm verfuegen, ohne den Arbeitsplatz verlassen zu muessen.

Darueber hinaus ermoeglicht CBT die Vermittlung unterschiedlichster Inhalte, von BWL ueber Produktschulungen, die Bedienung von CNC- Maschinen, Umweltschutzmassnahmen in der Industrie bis hin zu Verkaufstraining.

Einige Experten behaupten, mit CBT liessen sich ausschliesslich kognitive, das heisst auf Wissen und Verstehen bezogene Lernziele vermitteln. Unbestritten entspricht das dem Medium am ehesten, doch koennen in begrenztem Umfang auch affektive, also gefuehlsbezogene Lernziele oder sogar (psycho)motorische Fertigkeiten (zum Beispiel die Bedienung eines Computers) einbezogen werden.

Man kann einiges tun, um Probleme bei der Einfuehrung und beim Einsatz von CBT zu minimieren. Zunaechst gilt es, dieses Medium als Teil des Gesamtschulungs-Konzepts und nicht als isolierte Massnahme zu sehen. Es geht nicht um die Frage "CBT auf jeden Fall, aber wofuer?", sondern darum zu pruefen, an welcher Stelle und fuer welche Zielgruppen es die geeignete Loesung ist und wo andere Massnahmen sinnvoller erscheinen. Geht es um die Vorbereitung einer Schulung, um die Vermittlung von Basiswissen, um Vertiefung (Fach- oder Expertenwissen), um Wiederholung oder Ergaenzung, oder soll der computerunterstuetzte Unterricht im Einzelfall auch mal ein Seminar komplett ersetzen?

Ist ein Standardprodukt geeignet, oder erfuellt nur ein massgeschneidertes Lernprogramm die Anforderungen ist eine weitere wichtige Frage, die sich beim Einsatz stellt. Das heisst, eine gute Vorbereitung ist unerlaesslich. Unguenstig ist es, die Einfuehrung von CBT ueber den Kopf der Trainer hinweg zu beschliessen. Die Weiterbildner muessen selbst vom Nutzen der Massnahme ueberzeugt sein; zumal sie durch den Einsatz der Technik nicht ueberfluessig werden, sondern immer anspruchsvolleren Aufgaben nachgehen: Sie sorgen fuer die Integration von CBT in ihr Bildungskonzept und sind selbst als CBT- Autoren taetig.

Unabhaengig davon, ob die CBT-Entwicklung intern oder extern ablaeuft, ist es sinnvoll, einen Berater hinzuzuziehen, der sich damit auskennt, um moegliche Anfangsschwierigkeiten weiss und Ueberzeugungsarbeit im Sinne von CBT-Bildungsmarketing leisten kann. So wird moeglichen Widerstaenden entgegengewirkt und Motivationsarbeit geleistet. Wichtig ist, dass sich ein Team fachlich Versierter DV- und Schulungsspezialisten zusammenfindet und vorhandenes Know-how geschickt nutzt.

Damit die zukuenftigen Anwender auch den erwuenschten Lernerfolg erzielen, sollten sie nach Moeglichkeit in die CBT-Erstellung einbezogen werden. So wird ein Vorbeiplanen an der Zielgruppe, sei es hinsichtlich der didaktischen Aufbereitung, des Schwierigkeitsgrades, des Sprachstils oder Grafikeinsatzes im Vorfeld vermieden. Kosten- und zeitaufwendige Korrekturen werden verringert.

Die Aufbereitung von CBT muss adressatengerecht sein, nicht nur hinsichtlich von Sprache und Grafikeinsatz, sondern auch der Beruecksichtigung des Vorwissensstandes, der Vertrautheit mit dem PC und mit CBT.

Grundsaetzlich empfiehlt sich eher ein modularer uebersichtlicher Programmaufbau als ein unuebersichtliches Blaetterwerk. Und mit anschaulichen Fallbeispielen lernt es sich besser als durch eine rein abstrakte Wissensvermittlung.

Gute Lernprogramme stellen eine Vielzahl von Interaktionsmoeglichkeiten bereit. Unterschiedliche Fragetypen wirken Ermuedungserscheinungen entgegen; differenzierte, motivierende Rueckmeldungen auf Eingaben von Lernenden statt schlechten Standards und Hilfen erleichtern den Verstehensprozess.

Die Grundregeln des Bildschirmaufbaus (Textmenge, Schriftgroessen und -arten, Farbgestaltung, Layout etc.) sollten eingehalten werden. Die derzeitige Multimedia-Euphorie verlockt haeufig dazu, mit CBT das technisch Machbare umzusetzen und mit Audio- und Videoelementen ziellos zu experimentieren.

Multimedia ist jedoch nur da angebracht, wo es didaktisch sinnvoll ist, also dort, wo sich Inhalte mit Bewegtbild und Ton besser als auf andere Weise vermitteln lassen.

Schliesslich ist zu entscheiden, ob es sinnvoll ist, das Lernprogramm durch Begleitmaterial wie Printmedien zu ergaenzen. Dem kann auf verschiedene Weise entsprochen werden:

- der Seminaranbieter gibt Handouts in Auftrag;

- im Programm vorhandene Zusammenfassungen werden per Hardcopy ausgedruckt oder

- ein elektronisches Notizbuch im Lernprogramm ermoeglicht eigene Zusammenfassungen zu erstellen und jederzeit aufzurufen.

Neben der didaktischen Qualitaet sind die Lernbedingungen wichtig. Die Verantwortlichen sollten die Frage klaeren, ob sich die Mitarbeiter diese Form der Weiterbildung wuenschen und ob sie diese akzeptieren. Darueber hinaus muessen kompetente Ansprechpartner die Betreuung der Lernenden gewaehrleisten. Feldtests mit entsprechender Evaluation sichern den Erfolg ab. Mitarbeiter muessen die Faehigkeit zum Selbstlernen oft erst erwerben, denn aufgrund der schulischen Sozialisation kann man Eigenverantwortung und Selbstaendigkeit nicht unbedingt voraussetzen. Gutgemachtes und zielgruppengerechtes CBT kann diese Faehigkeit foerdern.