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16.02.1996 - 

Exact will einen Softwarekonzern aufbauen

Nur die grossen, maechtigen und profitablen Anbieter ueberleben

CW: Ihre Firma ist hierzulande wenig bekannt. Was machen Sie, um in Deutschland Fuss zu fassen?

Houtman: Wir haben eine Niederlassung in Neuss gegruendet, aber fuer den eigentlichen Einstieg sollen uns deutsche Mitbewerber helfen, die wir uebernehmen.

CW: Ist das der Hintergrund fuer den Kauf der Bavaria Soft Datentechnik?

Houtman: Ja.

CW: Sie wollen sich im Maerz auf der CeBIT mit eigener kaufmaennischer Software und mit der von Bavaria praesentieren. Machen Sie sich damit nicht selbst Konkurrenz?

Houtman: Die Synergien ueberwiegen. So braucht das typische Anwenderunternehmen von Exact im Vergleich zum Bavaria-Kunden mehr Funktionalitaet und ist auch groesser, sprich: Die Produkte ergaenzen sich.

CW: Von den Systemplattformen aus betrachtet, sieht es eigentlich so aus, als koennte Bavaria mit der neuen NT-Version umfangreichere Kundenansprueche befriedigen als Exact mit der Windows-Version von "Exact 6.0" .

Houtman: Stimmt. Bavaria wird hierzulande ein Server-Produkt anbieten, bevor wir das - vermutlich nicht vor 1997 - koennen.

CW: Das klingt ja doch nach direkter Konkurrenz ...

Houtman: Was zaehlt, ist die Erfahrung, und bisher standen wir nicht direkt im Wettbewerb. Bavarias Markt liegt vor allem im sueddeutschen Raum, waehrend wir uns auf den Norden konzentrieren. Das kann sich natuerlich in den kommenden Jahren aendern. Wer weiss, vielleicht schliessen sich beide Produkte in vier, fuenf Jahren gegenseitig aus. Momentan sieht die Situation anders aus. Aber wir haben Bavaria auch nicht nur wegen der Produkte gekauft.

CW: Warum dann?

Houtman: Wie gesagt, Exact ist hierzulande nicht bekannt. Bavaria dagegen hat einen guten Ruf, ein erprobtes Haendlernetz und eine breite Kundenbasis. Das sind genau die Dinge, die wir fuer unseren Markteintritt in Deutschland brauchen.

CW: Sie kaufen sich also in den deutschen, genauer den sueddeutschen Markt ein. Gibt es Akquisitionsplaene fuer andere Regionen?

Houtman: Ja. Moeglicherweise wird es zur CeBIT eine Ankuendigung geben, die den Wert des jetzigen Deals uebersteigt.

CW: Um welches Unternehmen geht es dabei?

Houtman: Das will ich jetzt noch nicht sagen. Die UEbernahme ist auch noch nicht unter Dach und Fach.

CW: Ist es einfach, Unternehmen zu finden, die sich uebernehmen lassen?

Houtman: Fuer Firmen wie Bavaria ist es eine Frage des langfristigen UEberlebens. Dafuer braucht man heutzutage einen starken Partner, der willens und in der Lage ist, in die Entwicklung moderner Produkte und in internationales Marketing zu investieren. Die Entwicklung eines neuen Produkts kostet in unserem Bereich mindestens zehn bis 15 Millionen Mark. Bavaria haette sich das nicht leisten koennen.

CW: Sie sagen also voraus, dass nur die grossen Anbieter ueberleben werden?

Houtman: Das ist die allgemeine Entwicklung in der technischen Industrie. Die Groesse eines Unternehmens wird immer wichtiger. Man muss gross, maechtig und profitabel sein, um zu ueberleben.

CW: Wenn ich Ihre Strategie richtig verstehe, setzen Sie auf Erfolg durch schiere Groesse.

Houtman: Ja. Wir gehen vorsichtig in neue Maerkte, studieren sie, beginnen dann mit der Akquisitionsphase und uebertragen schliesslich unser Geschaeftsmodell auf die neuen Tochterunternehmen.

CW: Es heisst, Sie sind dabei, einen europaweiten Konzern aufzuziehen?

Houtman: Mehr als das. Wir haben mit "Exact Global" eine Software, die fuer international agierende Anwenderunternehmen konzipiert ist und die weltweit angeboten wird.

CW: Haben Sie auch mit anderen europaeischen Unternehmen ueber eine UEbernahme gesprochen?

Houtman: Ja, wir haben 1994 zwei Firmen in Belgien gekauft. In Deutschland haben wir zum Beispiel mit KHK gesprochen.

CW: Sie wollten KHK kaufen?

Houtman: Selbstverstaendlich. Wir haben hier keine Beruehrungsaengste. Die belgischen Unternehmen gehoerten dort auch zu den Marktfuehrern.

CW: KHK betont die moderne objektorientierte Architektur des Client-Server-Produkts "X-Line". Kann Ihre Software hier mithalten?

Houtman: Ist X-Line schon am Markt?

CW: Nein.

Houtman: Bei amerikanischen Kunden kann man mit Technologie durchaus Eindruck schinden. Aber im Endeffekt zaehlt doch nur die Funktionalitaet. Die liefern wir. Wenn sie nur mit Objekt- oder mit Client-Server-Technik zu realisieren ist, dann tun wir das.

CW: Sie agieren also eher wie Computer Associates. Das Unternehmen ist dafuer bekannt, Produkte zu kaufen und zu entwickeln, die zwar nicht unbedingt Stand der Technik sind, aber eine breite Anwenderbasis besitzen.

Houtman: Nein. Wir haben ein Labor voll mit innovativer Software. Dort arbeiten wir zum Beispiel an einem Data-Warehouse und an Produkten, die sich problemlos in Microsofts Server-Suite "Back Office" integrieren lassen. Ausserdem kommt unser Wachstum von jaehrlich etwa 24 Prozent ueberwiegend aus eigener Kraft. Akquisition ist fuer uns lediglich ein Mittel, um uns den internationalen Markt zu erschliessen.

CW: Sie nennen sich selbst die SAP der mittelstaendischen Industrie. Wie ernst ist das gemeint?

Houtman: Das ist ein Vergleich. Wir sind ja nur selten im direkten Wettbewerb mit R/3. SAPs Standardsoftware wird in der Regel als zentrale Loesung eingesetzt. Wir haben zumindest in den Laendern, in denen wir Markfuehrer sind, eine aehnliche Position auf Abteilungsebene. Wie sind immerhin etwa viermal so gross wie der deutsche Marktfuehrer KHK.