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24.11.1978

Nur die Hardware-Verantwortung vertellen?

"Distributed Processing" war noch nie so aktuell wie jetzt: Bei IBM sollen sich bereits jetzt die Bestellungen für das frühestens Ende 1979 ausgelieferte Kommunikationssystem 8100 türmer. Auch die Siemens-Alternative das System 6000, erfreue sich starker Nachfrage.

Die erste Euphorie über die nun gebotenen neuen Technologien ist inzwischen abgeklungen - der Anwender beginnt sich detaillierter mit den ihm jetzt gebotenen Informationen auseinanderzusetzen. Prompt zeichnet sich ein neues DV-Schlagwort in der Branche ab: "Controlled "Distributed Processing" erscheint vielen EDV-Chefs nun als die Möglichkeit, den gesamten Kommunikationsbereich im "Griff" zu behalten.

Resümee aus den Antworten der vier von uns befragten EDV-Chefs in Großbetrieben: Auch künftig bleibt die Verantwortung in der Zentrale. Hier wird weiterhin Anwendungsentwicklung betrieben, hier werden die Betriebssysteme gepflegt und hier bleiben auch die Schreibtische der EDV-Spezialisten. Ausgelagert werden nur die "nackte" Hardware und die Pflege dafür.

Winfried Bersin,

Abteilungsdirektor, Karstadt AG, Essen

Karstadt beteiligt die Mitarbeiter aus den Fachabteilungen bei der Konzeption der Lösungsansätze, der Lösungswege und den daraus resultierenden Anwendungen. Wiederkehrende Anwendungen, die über die sinnvolle Möglichkeit von Abfragesprachen - orientierte Formulierungen von Einzelproblemen - hinausgehen, sollen nicht in der

Fachabteilung formuliert werden. Deshalb werden wir nach wie vor unser Konzept der zentralen Programmierung beibehalten.

Unser Konzept des "kontrollierten Distributed Processing" wird immer in die Richtung gehen, daß zentral Programme - nach entsprechender Abstimmung und Beteiligung der Fachabteilung - in der Zentrale entwickelt werden. Wir dezentralisieren den Einsatz, nicht die Entwicklung. Wir sehen dabei auch die Möglichkeit, höherwertige Compiler gegebenenfalls nicht nur etwa auf dem System 8100 einzusetzen sondern auch auf dem Host-Rechner, um so eine noch bessere Auflösung zu erreichen.

Kritisch beurteilen wir, daß Co_ für die 8100 nicht identisch ist demjenigen der Hostrechner. Eine absolute Beurteilung ist uns nicht möglich. Unter den vorher gestellten Voraussetzungen einer zentralen Erstellung der Programme werden wir Spezialisten in der Zentrale einsetzen.

Sicherlich ist zu erwarten, daß mit fortschreitender Dezentralisierung auch in den Fachbereichen der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit entsteht, soweit sie sinnvoll ist, begrüßen wir das. Eine daraus entstehende Problematik befürchten wir für unser Haus nicht, weil wir, um die Abläufe rationell gestalten zu können, die Organisationsabläufe - mit einigen Modifikationen, die volumenabhängig sind - für alle Filialen gleich gestalten.

Für uns ist das Prinzip eines multiplikativen Programmeinsatzes entscheidend. Wir wollen nicht, daß eine Filiale ein anderes Verfahren für die Behandlung des gleichen Problembereiches verwendet als eine andere.

Wir wollen durchaus den Motivationsbereich der Fachabteilung in der Konzeption, beim Entwickeln von Anwendungslösungen einbeziehen, glauben jedoch, daß die reine Dienstleistung der Umformulierung einer Problemlösung in den Maschinen-technischen Bereich mit Spezialisten zentral durchführen können, ohne daß daraus ein Motivationsverlust der dezentralen operativen Einheiten entsteht

Dr. Werner Brack,

Geschäftsführer, Mannesmann-Datenverarbeitung, Lintorf

In der Presse war kürzlich zu lesen: Mannesmann dezentralisiert. Was hat sich tatsächlich verändert: Die Initiative und Verantwortung für die Anwendungsentwicklung und den Betrieb der vorhandenen Vorortrechner einschließlich der entsprechenden Mitarbeiter wurden - soweit bisher bei der Mannesmann-Datenverarbeitung wahrgenommen und geführt - in die einzelnen Untenehmensgruppen zurückverlagert. Damit liegen Verantwortung und Erfolg in einer Hand .

Die Querschnittsfunktionen für den gesamten Konzern werden weiterhin zentral von der Mannesmann-Datenverarbeitung GmbH wahrgenommen .

Hier ist unter anderem die Entwicklung allgemeiner Anwendungsprogramme auf dem Gebiet des Personal- und Rechnungswesens sowie ausgewählter mathematischer, statistischer und automatisierungstechnischer Programme angesiedelt. Auch die system-technische Betreuung und der Betrieb der zentralen Großrechner, die für mehrere Unternehmen arbeiten sowie die fachliche Unterstützung der Konzernunternehmen werden von dort aus vorgenommen. Der Bereich Konzerninformatik liefert das Handwerkszeug für die Lösung der EDV-Aufgaben des Konzerns durch Auswahl der Programmiersprachen, Planung und Beschaffung von Hard- und Software.

Die Erarbeitung von Leitsätzen und Richtlinien gewährleisten die Sicherheit und Ordnungsmäßigkeit der DV-Aktivitäten sowie die sinnvolle Entwicklung des Datenlast und

-funktionsverbundes im Konzern.

Die zentrale DV-Ausbildung bietet allen Konzernunternehmen ein breit gestreutes Programm an. Dadurch wird die gezielte Weiterbildung der Mitarbeiter auf dem Gebiet der Datenverarbeitung ermöglicht. Außerdem betreut sie einheitlich die Berufsausbildung zum mathematisch-technischen Assistenten und zum Datenverarbeitungskaufmann .

Verschiedene Arbeitskreise sichern die Kommunikation zwischen den Anwendern. Sie vermitteln Information, Erfahrungsaustausch und Abstimmung untereinander und sorgen für Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung des Querschnittswissens in den Unternehmensgruppen .

Dr. Werner Koscharte

Leiter Organisation und Datenverarbeitung

Ruhrkohle AG, Essen

Die Diskussion über distributive Systeme ist durch die Ankündigung neuer Rechnerfamilien - beispielsweise IBM 8100 und Siemens 6000 erheblich verstärkt worden. Als Hauptargument für die Installation solcher Systeme werden die vom Hersteller immer noch spektakulär sinkenden Hardware-Kosten - genauer: Die Verbesserung des Preis/ Leistungsverhältnisses - angeführt.

Diese Argumentation ist für den Anwender in gleicher Weise ein erfreulicher wie auch verdächtigter Aspekt. Erfreulich, weil unter dem durchweg bestehenden Kostendruck auf die Unternehmen es jedenfalls weiterhin ermöglichen wird, die Rationalisierung in den Betrieben mit Hilfe der EDV voranzutreiben. Verdächtig, weil diese Argumente - nämlich die weitere Senkung der Hardware-Kosten - seitens des Herstellers übertönt erscheinen.

In Dialog mit den jeweiligen Vertriebsbeauftragten, die insbesondere Fragen der Systemsoftware berühren, stellt man immer wieder unüberhörbare Unsicherheiten fest. Dies betrifft insbesondere die Kompatibilität der Programmiersprachen zwischen den in den Rede stehenden Systemfamilien mit dem zentral installierten Großrechner. So

wäre in wirtschaftlicher Hinsicht nichts gewonnen wenn die sinkenden Hardware-Kosten durch entsprechende Software-Kosten, in besondere durch dezentral zusätzlich anfallende Programmierkosten beim Anwender überkompensiert werden. Es scheint so, daß zur Forcierung der Datenverarbeitung in Richtung distributiver Systeme der Hersteller eine harte Vorwärtsstrategie zu betreiben gedenkt, in der Weise, daß die verschiedenen Fachbereiche eines Unternehmens von den Vertriebsrepräsentanten direkt angesprochen und zur Installation quasi autonomer Systeme ermuntert werden sollen. Solange es sich darum handelt, echten Bedarf zu decken, ist dies sicher im Sinne des Anwenders. Sollte es sich aber vorwiegend darum handeln, Bedarf zu wecken, könnte die konzerninterne DV nicht mehr überschaubar und sicher nicht immer wirtschaftlich betrieben werden.

Es kann nicht um die Alternativezentrale oder dezentrale Datenverarbeitung gehen. Es ist im Gegenteil sehr wahrscheinlich, daß wie zum Beispiel in unserem Konzern - beide Varianten nebeneinander gefahren, dem Optimum am nächsten kommen. Um für das jeweilige Unternehmen die in diesem Sinne maßgeschneiderte System konfiguration zu erreichen, bedarf es in Zukunft mehr als bisher des ständigen Dialogs zwischen Hersteller und Anwender.

Wolfgang Wissing

Städtischer Verwaltungsdirektor und Leiter Insitut für automatisierte Datenverarbeitung der Stadtverwaltung, Düsseldorf

Das Insitut für automatisierte Datenverarbeitung stellt auch bei

der Stadtverwaltung Düsseldorf als zentrale Einrichtung für ihre Benutzer die Hardwarekomponenten die Datenbasis und Methodenbasis zur Verfügung. Mit der Einführung der Datenverarbeitung begann 2 Prozess der Dezentralisierung der Hardware, der sich mit der Installation von Prozeßrechnern, Kommumkationsrechnern und zukünftig von Subsystemen fortsetzt. Auch die Dezentralisierung eines Teiles der Datenbasis wird die Folge dieser Entwicklung sein.

Nach den auch heute noch geltenden Grundsätzen behält sich das Institut für ADV als zentraler Einrichtung für alle Benutzer schon aus der Verantwortung für die Vefügbarkeit des Gesamtnetzes den Aufbau; die Pflege und die Weiterentwicklung der Methodenbasis mit der betriebsnahen Software und den Anwendungsprogrammen ausdrücklich vor. Soweit in Einzelfällen Angehörige der Fachbereiche vor allem der technischen Ämter und Betriebe, Programmleistungen erbringen, erfolgt dieses im Rahmen zentral gesteuerter Projekte.

Ausgenommen von diesen Grundsätzen ist schon seit längerer Zeit der Einsatz von Dateiabfrage und Dateiauswerteprogrammen. Insbesondere in den Fachbereichen Statistik und Planung fertigen eine größere Zahl geschulter Dienstkräfte eigene Programme eines speziellen Sprachumfanges an. Die dezentrale eingesetzten Systeme mit entsprechenden Fachdateien von Ort eröffnen sicher weitergehende Möglichkeiten auch für andere Fachbereiche, ohne daß hierdurch schon das Grundprinzip der zentralen Verwaltung der Methodenbasis durchbrochen wird.