Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.04.1979

Nur drei Anbieter auf dem Gesamtmarkt

Dr. Herbert Klimesch,* Bayerische Staatskanzlei München.

Die Aufgliederung des ADV-Marktes läßt sich nicht aus statistischen Jahrbüchern ersehen Produkte, Anbieter und Nachfrager sind so heterogen, daß jeder Darstellung in Zahlen eine subjektive Bewertung vorausgehe muß Eine übersichtliche, aber nicht sonderlich tiefgehende Darstellung wird jährlich von Diebold herausgegeben. Bei den Produkte unterscheidet Diebold lediglich zwischen Universalrechnern. Prozeßrechnern und Terminalsystemen Die Aufgliederung nach Herstellern geschieht nach dem Firmennamen, dabei gehen Zulieferungen zwischen Firmen und Eigentumsverflechtungen unter Besondere Schwierigkeiten bei de statistischen Darstellung der Marktanteile macht die Festlegung von Meßeinheiten Die Anzahl der Installationen ist von mangelhaftem Aussagewert, da unterschiedliche Rechnergrößen und verschiedene Konfigurationen addiert werden Einen besseren Eindruck vermittelt die Zusammenfassung de Installationswerte, wobei auch hier Probleme durch die Unterschiede Kauf, Miete und Leasing entstehen Schließlich ist es auch sehr schwierig. die jeweils installierten Rechenanlagen von den bestellten, aber noch nicht gelieferten, und den gekündigten. aber noch nicht entfernten abzugrenzen.

Der ADV-Markt in Deutschland ist wie in anderen Ländern von IBM beherrscht, wobei das wertmäßige Übergewicht der Universalrechner für den ganzen Markt durchschlägt. Die Konkurrenz der IBM ist in de Regel national bedingt, wodurch etwa in Frankreich CII-Honeywell-Bull. in Großbritannien ICL und in Deutschland Siemens an die zweite Stelle gerückt sind. Der ADV-Markt in den USA ist wesentlich reichhaltiger als in der Bundesrepublik Zwar ist auch hier IBM eindeutiger Marktführer; doch gibt es sehr viel mehr kleinere und mittlere Unternehmen, die auf bestimmte Typen von Rechenanlagen spezialisiert sind und technisch durchaus mehr als IBM bieten können. Addiert man die Installationen in der ganzen Welt zusammen, so zeigt sich ein Übergewicht der USA. Dies drückt sich auch aus in der Rechenkapazität bezogen auf die Einwohnerzahl oder bezogen auf das Brutto-Sozialprodukt.

Die Datenverarbeitung in den USA ist inzwischen ein Gebrauchsgut geworden. das möglicherweise für den Mann auf der Straße ein Bewertungsniveau entsprechend dem Kraftfahrzeug besitzt. Ausbildung in der Anwendung von Rechnern wird allgemein in den höheren Schulen gelehrt. Die Anzahl von Hobby-ADV-lern steigt rasch an. In der Bundesrepublik ist die Datenverarbeitung oft dagegen noch Reservat von Spezialisten und größeren und mittleren Unternehmungen. Ein Rechner wird mit allem Zubehör vom Geschäftsstellenleiter des Hersteller an das hohe Management eines Unternehmens übergeben und heißt als Ganzes "Der Computer".

Solange Computer wie Atom-Kraftwerke verkauft werden, kann man nur sehr bedingt von einem eigentlichen Markt sprechen. Erst wenn die Nachfrager den Computer als Gebilde aus vielen einzelnen Geräten verstehen, die erst durch ihre Kombination die ADV-Leistung hervorbringen, entstehen Bedingungen, die als Markt zu bezeichnen sind. Die Leistungen der einzelnen Geräte sind wesentlich einfacher zu messen und hängen auch nicht so sehr von der Qualität eines vom Anwender erstellten Programms ab Als Maßstab für die Leistung eines Gerätes hat sich die Maximal mögliche Leistung der Hardware durchgesetzt. Somit gibt es nicht mehr einen Markt für Computer, sondern Teilmärkte für die Geräte mit einer vergleichbaren Leistung. Ein Drucker läßt sich nicht mit einer Bandeinheit vergleichen; möglicherweise muß man sogar für Schnelldrucker, Matrixdrucker und Fotodrucker unterschiedliche Märkte annehmen. Ein Nachfrager verhält sich dann wirtschaftlich, wenn er auf jedem dieser Teilmärkte das Gerät beschafft, bei dem die Leistung zum günstigsten Preis geboten wird, und das Ganze zu einem individuellen Computer zusammenfaßt. Leider ist die Kombinierbarkeit der einzelnen Geräte nicht völlig problemlos. Solange die Schnittstellen nicht ganz genau definiert sind und auch eingehalten werden. lassen sich Probleme im Betrieb und in der Wartung nicht vermeiden. Die Reibungsverluste durch "Mixed Hardware" müssen als Kosten bei der Beschaffung der Geräte miteinkalkuliert werden.

Um die Marktsituation für ADV-Artikel einigermaßen aufzuhellen, soll hier eine kurze Übersicht über eine mögliche Gruppierung von Teilmärkten erfolgen:

Rechner (zum Beispiel Großrechner, MDT, Minirechner, Analogrechner) Speichergeräte (zum Beispiel Bandeinheiten, Plattengeräte, Trommel-Speicher, Hauptspeichererweiterung). Übertragungsgeräte (zum Beispiel Leitungssteuerung, Bildschirme, Schreibgeräte, intelligente Datenstationen)

Ein/Ausgabegeräte (zum Beispiel Kartenleser, Drucker, Belegleser, Plotter)

Nicht elektronische Geräte (zum Beispiel Tabelliermaschine, Sortiermaschine, Locher)

Mikro-Rechner (zum Beispiel Taschenrechner, Tischrechner)

Zubehör (Lochkarten, Bänder, Platten)

Neben diesen Hardwareleistungen gibt es eine Reihe von anderen Leistungen, die auch als Software, Orgware oder Teachware bekannt ist.

Basis-Software (zum Beispiel. Betriebssysteme, Sortierprogramme. Compiler, DB-Systeme, DC-Systeme)

Standardanwendungsprogramme (zum Beispiel Stücklistenprozessoren, statistische Analyse-Verfahren)

Wartungsleistung,

Programmierleistung,

Ausbildungsleistung,

Datenerfassungsleistung,

Rechenzentrumsleistung,

Anschlußmöglichkeiten an ein überregionales Netz.

Prüft man die Marktanteile der verschiedenen Hersteller von Rechnern, so kommt man zum Ergebnis, daß die Marktform des asymmetrischen Oligopols vorherrscht. Bei Universalrechnern besitzt der Marktführer IBM 54,1 Prozent bei Prozeßrechnern Siemens 37,7 Prozent und bei Terminalgeräten Nixdorf 22,3 Prozent des Marktes .Zwei bis fünf weitere Konkurrenten sitzen noch über fünf Prozent. Einige wenige weitere haben mehr als ein Prozent, der Rest ist auf noch kleinere Anbieter verteilt. Sicher kann man die entsprechende Gliederung auch auf andere Teilmärke übertragen und grundsätzlich - soweit es die Hardware betrifft - von einer überschaubaren Anzahl von Anbietern sprechen, aus denen in der Regel nicht mehr als fünf Hersteller hervorragen.

Auf dem im Diebold-Bericht dargestellten Teilmarkt für Rechner ist nur die IBM (und sehr schwach noch Philips) auf allen drei Teilgebieten aktiv. Wenn man dieses Bild auf andere Teilmärkte ausdehnt, so wird man feststellen, daß nur die großen Herstellerfirmen sich auf mehr als einem Teilmarkt erfolgreich betätigen. Nur bei diesen Unternehmungen besteht die Möglichkeit des Kostenausgleichs und des ergänzenden Angebots über mehrere Teilmärkte. Deshalb erscheint es für das später zu beschreibende Modell durchaus sinnvoll, lediglich von drei Anbietern auszugehen, die sich einen Konkurrenzkampf auf dem gesamten Markt liefern die restlichen Anbieter unter einem einzigen Marktpartner zu subsummieren.

Gäbe es eine Statistik der Nachfrager von ADV-Leistungen, so würde kaum einer über ein Prozent Marktanteil besitzen. Neben den Computerherstellern selbst haben zumindest in der Bundesrepublik nur die organisatorisch zusammengefaßten Gruppen von Nachfragern

(zum Beispiel Bundesverwaltung, Bundesbahn, Kreditgenossenschaften) einen nennenswerten Bedarf. Auch dort entscheidet im Grunde jeder Benutzer über den Betrieb eines Rechenzentrums. Wegen dieser starken Untergliederung kann auf der Nachfrageseite kaum irgendwelche Marktmacht entstehen. Selbst Großunternehmen, wie etwa Volkswagen AG, können ihre Wünsche nur schwer gegen einen oder mehrere Hersteller durchsetzen. Erst die internationale Kooperation, beispielsweise eines Ölkonzerns, ist in der Lage, dem Computer-Riesen IBM Paroli zu bieten Innerhalb eines solchen Konzerns ist aber die Datenverarbeitung wiederum nur ein geringer Posten, um die gesamte Konzernmacht mobilisieren zu können.

Vorabdruck aus "Ein Simulationsmodell des ADV-Marktes" von Dr. Herbert Klimesch. erscheint im R. Oldenbourg Verlag, München.