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19.02.1982 - 

Norwegische DV- und Kommunikationsindustrie:

Nur durch rechtzeitige Innovation lebensfähig

Die norwegische Datenverarbeitungs- und Kommunikationsindustrie ist nicht sehr groß. In seinem Referat will Hans Lodrup* einen Überblick über diesen Teil der Industrie seines Landes geben. Allerdings konzentriert sich Lodrup auf die Hardware-Systemproduzenten. Norwegische Dienstleister wie Servicebüros, Software- und Beratungsfirmen der DV-Branche erreichten 1980 immerhin einen Umsatz von etwa 600 Millionen Mark.

Als Geburtsstätte der norwegischen Datenverarbeitungsindustrie kann man weitgehend das Forschungsinstitut des norwegischen Verteidigungsministeriums (FFI) bezeichnen. Hier wurden in den Jahren 1965 bis 1970 die ersten Labormodelle norwegischer Datenprodukte entwickelt. Doch sollten auch die Technische Hochschule (NTH), das Institut für Atomenergie und das staatliche Rationalisierungsdirektorat, die in der 60er Jahren wesentlich zum Aufbau der norwegischen Datenverarbeitungsindustrie beitrugen, erwähnt werden, der Bruttofertigungswert (zu Verkaufspreisen) der gesamten norwegischen Industrie mit ihren 380 000 Angestellten und Arbeitern beträgt etwa 50 Milliarden Mark. Die zahlen der norwegischen Datenverarbeitungsindustrie liegen mit etwa 1600 Personen und einem Fertigungswert von etwa 350 Millionen Mark in beiden Fällen unter ein Prozent der Gesamtzahlen.

Grob betrachtet liegen in den USA 50 Prozent des Weltmarktes. Dieser Markt wird zu 95 Prozent von US-Firmen beliefert. In Europa liegen wiederum 30 Prozent vom Weltmarkt, einschließlich des norwegischen Anteils von einem Prozent. Der US-Firmenanteil am europäischen EDV-Markt beträgt etwa 80 Prozent. Dies ist die "Tatsachenwelt", in der sich die europäische und damit auch die norwegische Datenverarbeitungsindustrie zu behaupten versucht.

Die Hardware-/Systemlieferanten konnten im letzten Jahr einen Umsatz von annähernd 700 Millionen Mark in Norwegen verzeichnen und lassen sich in ausländische Lieferanten und norwegische Produzenten aufteilen.

Unter den ausländischen Firmen findet man lauter Weltunternehmen wie die IBM, Univac, Hewlett-Packard und Control Data. Dazu kommen europäische Firmen wie Nixdorf, Philips, Kienzle, Cii-Honeywell Bull und Siemens. Die ausländischen Unternehmen beherrschen dann auch den Umsatz auf diesem Markt und können etwa 80 Prozent, das heißt 560 Millionen Mark, für sich verbuchen.

Stark in der Forschung

Wenden wir uns jetzt den norwegischen Datenverarbeitungsunternehmen zu, so sind in erster Reihe drei Firmen bedeutend: Zunächst Norsk Data, das wohl bis heute als Norwegens größter Erfolg auf dem Datenverarbeitungsgebiet bezeichnet werden muß. Norsk Data fertigt Minicomputer - sowohl 16- als auch 32-Bit-Maschinen - und hatte in 1980 einen Umsatz von über 120 Millionen Mark, eine Steigerung von etwa 40 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

Etwa 700 Mitarbeiter sind heute bei diesem Unternehmen beschäftigt, das mit einem Exportanteil von etwa 50 Prozent seines Umsatzes über Vertriebsorganisationen auf den wichtigsten Märkten Europas verfügt.

Eine andere interessante Firma ist Kongsberg Vaapenfabrikk, die außer im Datenverarbeitungsbereich im weiteren Branchen tätig ist und insgesamt über 4000 Mitarbeiter hat. (Konsberg Vaapenfabrikk A/S spielte zum Beispiel in Norwegen die führende Rolle in Verbindung mit dem F-16 Flugzeugprojekt. Das Produktspektrum ihrer Datadivision umfaßt in erster Linie die Erstellung kompletter Systeme in Verbindung mit automatischen Präzisionszeichenanlagen sowie auch die Modifizierung von numerischen Steuerungen für Werkzeug- und Brennschneidemaschinen.

Im letzten Jahr konnte die Datendivision mit ihren 400 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 75 Millionen Mark verbuchen, wovon etwa 90 Prozent exportiert wurden. Mit einem solchen Exportanteil hat sich das Unternehmen mit Vertriebsorganisationen auf den meisten europäischen Märkten etabliert.

Schließlich als drittes Unternehmen Tandberg Data, das je zur Hälfte Siemens A/S (51 Prozent) und dem norwegischen Staat (49 Prozent) gehört. Tandberg produziert Datensichtstationen, Bildschirmcomputer und Magnetbandgeräte. Im letzten Geschäftsjahr erreichte das Unternehmen einen Umsatz von 50 Millionen Mark, wovon etwa 75 Prozent exportiert wurden. Eine wesentliche Rolle in diesem Zusammenhang spielte gerade der Export nach Deutschland, der etwa 20 Millionen Mark betrug.

Tandberg Data beschäftigt heute 285 Mitarbeiter. Mit Neuentwickeln Emulatoren der Datensichtgerätefamilie TDV 2200 konzentriert sich der Einsatz auf die Märkte von Honeywell Bull, NCR, DEC und Datapoint.

Zuwachsraten positiv

Neben den drei hier besonders hervorgehobenen norwegischen Datenverarbeitungsunternehmen, die alle nach norwegischen Verhältnissen eine bedeutende Größenordnung erreicht haben, bestehen auch eine Reihe kleinerer - aber deswegen nicht weniger interessanter - Firmen. So fertigt die Firma Mycron Mikrocomputer, ICAN( Interactive Computer Aids of Norway A/S) automatische Zeichengeräte und SIM-X grafische Bildschirmgeräte für die Zeitungsbranche.

Insgesamt hatten die norwegischen Hardwareprodzenten im letzten Jahr - bei einem Exportanteil von etwa 65 Prozent - einen Umsatz von rund 300 Millionen Mark.

Jetzt zur Kommunikationsindustrie:

Neben der Ring-Gruppe ist die Stentor A/S, deren Tochtergesellschaft die deutsche Stentofon ist, als Vertreter der norwegischen Kommunikationsindustrie besonders hervorzuheben.

Die Stentor A/S beschäftigt mit einem Jahresumsatz von etwa 20 Millionen Mark rund 200 Mitarbeiter. Im letzten Jahr hatte die deutsche Stentofon, die seit 1971 einen Vertriebsvertrag mit der deutschen Telefon- und Kabelwerke AG (DeTeWe) in Berlin hat, einen Umsatz von etwa 15 Millionen Mark.

Mit ihren Kommunikationssystemen - insbesonders auch im Bereich der flexiblen Industrie-Systeme - hat Stentofon seit 20 Jahren einen sehr guten Ruf in Deutschland aufgebaut. Stellvertretend für die Kunden seien hier nur die Firmen Daimler-Benz, Lufthansa, IBM und Ruhrkohle AG, sowie die Polizeiverwaltungen in allen Bundesländern der Bundesrepublik genannt.

Überschuß durch Ö1 und Gas

Der gesamte Außenhandel zwischen Deutschland und Norwegen hat sich von einem traditionellen, Handelsüberschuß für Deutschland, zuletzt in 1977 mit 1,1 Milliarden Mark (3,9 Milliarden Mark Exporte gegen 2,8 Milliarden Importe) in ein Defizit von Milliarden Mark (3,3 Milliarden Mark Exporte gegen 5,3 Milliarden Mark Importe) in 1979 verwandelt. Dies ist auf die Ö1- und Erdgaslieferungen aus Norwegen zurückzuführen.

Betrachtet man aber die Zahlen des Elektroaußenhandels im selben Jahr, so ergeben diese einen klaren deutschen Exportüberschuß von etwa 436 Millionen Mark (515 Millionen Mark Exporte gegen 78 Millionen Mark Importe). Die darin enthaltenen Zahlen für die Datenverarbeitungsindustrie zeigen aber ein tendenziell besseres Verhältnis für die norwegische Datenverarbeitungsindustrie mit einem deutschen Exportüberschuß von "nur" 10 Millionen Mark bei Exporten in Höhe von 33 Millionen Mark gegenüber 23 Millionen Mark an Importen.

Wie läßt sich nun eine lebensfähige norwegische Datenverarbeitungs- und Kommunikationsindustrie weiter ausbauen? Wir haben einen kleinen Heimatmarkt und müssen auch weiterhin stark exportorientiert bleiben. Wir werden uns dem Wettbewerb nicht stellen können, wo es um lange Fertigungsserien und billige Preise geht.

Vielmehr müssen wir die Wendigkeit, die Fähigkeit, sich schnell umzustellen und eine Neuentwicklung rasch zu realisieren und zu vermarkten, noch besser ausnutzen. Dies ist ein großer Vorteil, den relativ kleine Unternehmen gegenüber den Größeren haben.

Wir müssen immer vorn liegen. Funktionen anbieten, die die Konkurrenz noch nicht hat, und für die die Kunden deswegen gewillt sind, mehr zu bezahlen. Und wir müssen rechtzeitig wieder von einem Produkt weg und die nächste Generation entwickeln, bevor die gesamte Konkurrenz das mittlerweile Bekannte billiger herstellt. Bisher ist uns dies gelungen, aber es erfordert viel Planung, Forschung und teure Entwicklung und man kann dabei leicht verhängnisvolle Fehler machen.

Auf der Softwareseite, die einen höheren Anteil an hochqualifizierten Arbeitskräften hat als die Hardwarefertigung, sind die Aussichten, sich gegen die weltweite Konkurrenz zu behaupten, vielleicht sogar besser, weil bei uns die hochqualifizierten Arbeitskräfte, verglichen mit den weniger qualifizierten, billiger sind als im Ausland.

Von großer Bedeutung für die norwegische Datenverarbeitungsindustrie dürfte die gute und intensive Zusammenarbeit mit den offiziellen Forschungsinstituten sein, aus denen sie in den 60er Jahren hervorgegangen ist.

*Hans Lodrup, Tandberg Data A/S, Oslo