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09.10.1987 - 

WienerTankstellen testen Bankomaten:

Nur ein Viertel setzt auf Nixdorf

WIEN (CWÖ) - Mitte Juni hat ein lang diskutierter Pilotversuch an den österreichischen Tankstellen begonnen. Nach fast zwei Jahren konnten sich Mineralölwirtschaft und die Geldausgabeautomatengesellschaft mbH (Gabe) sehließlich über das Projekt "Zahlen mit Karte und Code" einigen. Noch ist das System aber nicht perfekt.

Von der Zapfsäule zur Kasse. Von der Kasse ins Kastl. Von dort zur Bank. Die Eurocheque-Karte mit Bankomat-Code macht den elektronischen Geldkreislauf möglich. Alles, was die 700 000 österreichischen Bankomat-Karteninhaber nun tun müssen, ist, recht häufig die Bankomat-Karte an den vorerst 40 Tankstellen im Großraum Wien zu zükken.

Je höher die Akzeptanz, um so rascher sollen weitere Bankomat-Kassen installiert werden. Und gerade die Akzeptanz der Kunden scheint zwei Monate nach dem Start des Versuchs alle Erwartungen zu übertreffen.

An den von der COMPUTERWELT ÖSTERREICH besuchten Stationen herrschte eitel Wonne ob der elektronischen Kastl bei Kassenpersonal und Kunden. Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf zeigte sich auch Walter Solarovszky, Geschäftsführer der Gabe. Und Shell-Prokurist Gerhard Held, Sprecher des Fachverbandes der Mineralölfirmen, konnte das Ganze als "Supererfolg" bezeichnen. Die Akzeptanz bei Tankstellen und Kunden sei groß, Umsatzsteigerungen vor allem an den Wochenenden vergrößerten noch die allseits vorhandene Freude. Wurden die Anzahl der Bankomat-Transaktionen Ende Juli mit 13 500 angegeben, so kletterte diese Zahl vier Wochen später auf fast das Doppelte. Die Karten-Umsätze lagen je nach Tankstelle zwischen 100 000 und 300 000 Schilling.

Keine Chance mehr für die Kassenräuber

Der Zahlungsverkehr wird vereinfacht, die Tankstellen erhalten ihr Geld dreimal so schnell wie bei Scheckausstellung, sie müssen nicht mehr so lange Listen über Bares und Schecks in der Kasse ausstellen- und sie fühlen sich sicherer, weil weniger Bargeld gleichbedeutend ist mit weniger Anfälligkeit für Raubüberfälle. Kostenlos ist diese enorme Erleichterung freilich nicht. Das Terminal allein kostet zwischen 25 000 und 40 000 Schilling.

Wohl stellen die Mineralölfirmen ihren Stationen die Bankomat-Kassen zur Verfügung. Zwei Lieferanten haben derzeit die strengen Forderungen der Gabe erfüllt und den vorgeschriebenen DES -Chip als Hardware-Modul (mathematischer Algorithmus, der kryptographisch abgesicherte Transaktionsdaten erstellt) in ihre Terminals integriert sowie für die erforderlichen Schnittstellen und Protokolle Vorsorge getroffen -Krone und Nixdorf.

Für welches Terminal sich welche Mineralölfirma entscheidet, hängt nun von der bereits vorhandenen Kasse an der Station ab. Nixdorf-Fans entscheiden sich für ihren Hauslieferanten - wie zum Beispiel Aral oder Mobil - , oder sie stellen ihren Tankstellen eine neue Kasse samt Terminal aus norddeutscher Provenienz hin. Denn wie Gerhard Held berichtete, würden Neukunden im Tankstellenbereich nur mit der Einheit Kasse plus Terminal beglückt.

Wer ADS, IBM oder Utax bereits im Kassenraum stehen hat, kann kein Nixdorf -Identifikationsterminal allein dazukaufen. Für ihn gibt es das Bankomat-System der Firma Krone. Während bei den Nixdorf-Lösungen der Betrag von der Kasse direkt durch Drücken und Bestätigen der "ec"-Taste ans Terminal überspielt wird, ist beim Krone-System zwischen Terminal und Kasse noch eine Box dazwischengeschaltet, in die von der Kassenkraft der Betrag zunächst eingegeben und dann weitergeleitet wird. Von den 40 Teilnehmern am Pilotversuch setzen 30 auf Krone, der Rest auf Nixdorf.

Steht die Systemvoraussetzung für den bargeldlosen elektronischen Zahlungsverkehr, beginnen die Betriebskosten zu laufen. Sie wurden gesplittet, wobei, so Held, "eine gerechte Verteilung erreicht wurde, abgestimmt auf den Nutzen, den Banken und die Tankstellenpartner durch diese Zahlungsart gewinnen". Jeder trägt also sein Scherflein bei.

Somit fällt für die Tankstellen zunächst einmal die fixe Datex-P-Gebühr pro Jahr an. Ursprünglich sollte sie 16 400 Schilling betragen, dann wurde die Bitanzahl für die Übertragung ins Gabe-Rechenzentrum verringert und dadurch die Leitungskosten auf 8000 Schilling gesenkt.

Als Autorisierungsgebühr berechnet die Gabe pro Transaktion ab 1,2 Prozent vom Rechnungsbetrag - und zwar degressiv. Solarovszky: "Je höher die Rechnung, desto geringer die Gebühr."

Ein kleiner Wermutstropfen verwässert jedoch derzeit den so positiven Verlauf des Versuches: In der Früh, so gegen sieben Uhr, ist die Rechnerwelt nicht immer in Ordnung - das System stürzt ab, und von Bezahlen in Sekundenschnelle kann wegen Zuwartens nicht mehr die Rede sein. Der Grund: Wenn die Gabe beginnt, im Rechenzentrum mit der Tagesverarbeitung zu fahren, ist das System überlastet.

Solarovszky: "Wir versuchen zwar, alle Meldungen relativ spät zu machen, um sie wie die Banken am gleichen Tag noch zu verarbeiten - doch in der Früh kann es zu kurzen Störungen kommen." Daher ist im Rechenzentrum ein Kapazitätsausbau vorgesehen, von dem allerdings auch weitere Pilotinstallationen abhängen. Die jetzige 4381-Installation soll durch einen fehlertoleranten Rechner (auch von Big Blue) entlastet werden.