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01.12.1989

Nur gute Rechner dürfen herstellerspezifisch sein

Im Computergeschäft ist das Wort "proprietär", also "herstellerspezifisch~ zum Schimpfwort geworden. "Herstellerspezifisch" ist schrecklich, schlimm und unamerikanisch, so sagen zumindest Kritiker, die nachts nur deshalb ruhig schlafen können, weil sie meinen, daß herstellerspezifische Systeme ohnehin zum Aussterben verurteilt sind. Dieses Wort ist die schlimmste Beleidigung, die ein Händler oder Mitbewerber einem armen schutzlosen Computer Hersteller von herstellerspezifischen Systemen um die Ohren schlagen kann.

In vielen Fällen sollte man ähnliche, inkompatibel oder nicht-standardisierte Systeme besser vergessen. Allerdings haben sich die Dinge zu schnell entwickelt. Die Händler der Computer-Industrie, die ohnehin zu Überreaktionen neigen, sind schon länger von einer Art "Offene-Systeme-Hysterie" erfaßt worden.

Gleichzeitig verbeugen sich diese kurzsichtigen und selbstherrlichen Alleswisser vor der noch unfertigen Next-Maschine des Mini-Gurus Steve Jobs. Da bei ist die Next-Maschine so herstellerspezifisch wie sonst etwas. Sie verträgt nicht einmal Disketten. und an MS-DOS ist nicht mal zu denken!

Aber die Leute mögen die Next-Maschine, weil sie einen innovativen Touch hat und einfach

anders ist. Der Grund für dieses Anderssein ist, daß die Maschine 100 Prozent herstellerspezifisch ist. Jobs hat seine ersten Millionen auch mit einem herstellerspezifischen System verdient., dem Apple Macintosh Durch legale Aktionen und Drohungen konnte er erreichen, daß der Macintosh nicht geklönt wurde. Aber im nachhinein kann man sagen, daß er dafür auch nur halb so aufregend war. Wem wird bei PC-DOS schon warm ums Herz? Es ist ein intellektuell so flaches System, daß es nicht geschützt werden muß.

Die meisten Neuerungen wurden zu Beginn heftig als herstellerspezifisch verleidigt, wie zum Beispiel der Mac, der IBM Micro Channel Bus, viele Workstations und selbst Lotus 1-2-3.

Was wäre, wenn nichts herstellerspezifisch wäre? Stellen Sie sich einmal vor, alle Autos würden die selben Teile verwenden. Natürlich wäre ein Auto sehr nützlich, das nur rund 700 Dollar kosten würde, aber es würde vermutlich aussehen wie ein Trabbi und etwa 30 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Das Ziel für die Computerhersteller muß aber lauten, ein Gegenstück zum Porsche zu entwickeln, das drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht.

Computer werden auf zwei Arten verbessert: Der verbreitetste Weg ist die technische Weiterentwicklung, ein langweliger, aber wirkungsvoller Ansatz bei dem die Technologien weiterentwickelt werden. Die PC-Industrie hat diese Evolutionstechnik angewandt. Daher ist der IBM PC, den sie vor fünf Jahren gekauft haben, auch ungefähr das Gleiche wie die 80386-Supermaschine, die Sie erst letzte Woche erstanden haben, außer, daß, der alte PC viel langsamer ist.

Aus diesem Grund hat es auch seit 1982 keine wirklich, aufregenden Produktankündigungen mehr im PC-Bereich gegeben. Und deswegen hat die Welt auch gegähnt, als Intel den 80486 angekündigt hat.

Was soll bitte daran so aufregend sein, Wordstar mit 15 VAX-MIPS zu fahren?

Dies ist der Kompatibilitäts-Zyklus. Solange es eine Evolution gibt, werden die Kunden keinen herstellerspezifischen Protektionismus hinnehmen. Im Gegenteil, die Kunden können so etwas sogar richtig übelnehmen.

Sobald ein System zum Durchschnitt wird, kann es nicht weiter als herstellerspezifisch überleben. Wenn zum Beispiel der Macintosh ins Mittelmaß absinkt, werden die Kunden fordern, daß er zum offenen System wird, oder sie werden ihn nicht länger kaufen.

Jede halbwegs korrekte Architektur hat einen bestimmten Lebenszyklus, in dem Kompatibilität wichtig ist. CP/M hatte ein paar gute (na ja, schlechte...) Jahre, und Mac und PC haben die Einführungsphase fast überlebt. CP/M und der IBM PC waren nicht gut genug, um eine hersteller-spezifische Protektion zu verdienen.

Spitzencomputer hingegen verdienen herstelIerspezifische Protektion. Aber diese Protektion sollte nur solange andauern, bis der Mitbewerb aufgeholt hat. Dann heißt es Öffnung oder Abschied nehmen. Die immer aufmerksamen Leute von Sun Microsystems haben das als erste verstanden. Zuerst waren ihre Systeme herstellerspezifische, aber es kümmerte niemanden, weil die Systeme so gut waren. Als dann andere aufholten, war Sun schlau genug, einen Sun Klone-Markt zu erschließen. Ganz schön clever!

Denken wir also an diese Theorie, wenn wir über herstellerspezifische .Systeme sprechen. Solange sie gul sind, können sie auch herstellerspezifisch sein. Aber wenn sie nicht mehr so gut sind, und irgendein halbgebildeter Händler nach mehr herstellerspezifischen Schutz fragt, dann geben Sie ihm das, was er verdient: einen auf die Nase und einen Fußtritt hinterher. +