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28.10.1988 - 

IDC-Manager prophezeien drastische Reduzierung der Proprietary-Welten:

Nur IBM-Systeme werden Unix überleben

MÜNCHEN (qua) - "1993 wird es im wesentlichen drei Systemwelten geben: /370, OS/2 und Unix". Diese These vertrat Edward O'Hara, Managing Director beim skandinavischen Zweig der International Data Corporation (IDC), anläßlich eines mit "Open Systems" betitelten Analysten-Kongresses in München.

Dasselbe Bild, lediglich aus der Hardwareperspektive betrachtet, malte Robert Tasker, bei der IDC als Vice President Software Research tätig: Die traditionell dreischichtige Rechnerwelt verwandle sich über kurz oder lang in eine nurmehr zweigeteilte, in der die Mainframes lediglich als Datenbankmaschinen und Netzcontroller fungierten und die anderen DV-Aufgaben von Workstations mit sprunghaft ansteigenden Leistungs- und Funktionsumfängen wahrgenommen würden.

"Das sind möglicherweise schlechte Nachrichten für Digital Equipment und andere Midrange-Anbieter", orakelte der Marktbeobachter. Eine rosige Zukunft wollte denn auch keiner der Referenten den Mini-Hersteller voraussagen. Viele Anbieter von mittlerer Datentechnik würden sich mit ihren "Me-too"-Unix-Maschinen selbst Konkurrenz machen, ohne sich klar zu offenen Systemen zu bekennen. Konstatierte IDC-Vice-President David Moschella: "DEC hat heute Schwierigkeiten, den Kunden zu erklären, warum sie gleichzeitig Ultrix und VMS anbieten."

Analystenschelte auch für die IBM: Daß der Branchenführer AIX auf seiner RISC-Rechnern 6150 und auf den PS/2-Maschinen, nicht aber auf den Systemen /3x und AS/400 anbietet, nannte O'Hara einen "typischen Fall" von "den Kuchen essen und ihn gleichzeitig behalten wollen".

Die bloße Zugehörigkeit zur Open Systems Foundation (OSF), darin waren sich die Redner weitgehend einig, ist noch kein Beweis dafür, daß die großen Anbieter es mit ihrem Engagement für offene Systeme ernst meinen. Moschella: "Es wird von entscheidender Bedeutung sein, ob die Hersteller ihren Kunden Migration-Tools von ihren Proprietary-Betriebssystemen auf ihre Unix-Derivate zur Verfügung stellen oder nicht."

Obgleich Henning Oldenburg, Direktor der OSF Europa, als Gastreferent eingeladen war, fiel das Urteil der IDC-Redner über die "Foundation" zumeist wenig schmeichelhaft aus. "Das ist die schlimmste Seifenoper seit Dallas", spottete O'Hara; das ebenfalls von ihm kreierte Schimpfwort "OS/FUD (Fear, Uncertainty and Doubt = Angst, Unsicherheit und Zweifel)" belegt jedoch, daß der Analyst die "Seifenoper" als einen durchaus ernstzunehmenden Versuch begreift, die Klientel zu verunsichern.

Angesichts der Quasi-Monopole die derzeit den DV-Markt bestimmen, hat die Forderung nach einem offenen Betriebssystemstandard für O'Hara den Charakter eines "Manifests für die Anwender-Befreiungsfront". Der skandinavische IDC-Geschäftsführer: "Unix ist mehr als Portabilität und mehr als ein Standard - es ist ein Schrei nach Freiheit."

So prognostiziert O'Hara dem Betriebssystem denn auch für die nächsten fünf Jahre ein nahezu ungehemmtes Marktwachstum. Spätestens 1993, so der IDC-Manager, wird OS/2 jedoch ein Standard sein und Unix im Bürobereich überholt haben. Das bedeute allerdings keineswegs das Aus für offene Systeme. Vielmehr gibt sich O'Hara überzeugt, daß zu diesem Zeitpunkt ohnehin die Anwendungsentwicklung über mehrere Betriebssysteme simultan erfolgen werde. OS/2 und Unix liefen dann - für den Anwender "transparent" - auf ein und demselben Rechner gleichzeitig.

Bis dahin rät O'Hara den Kunden und den Softwareentwicklern, auf Posix zu setzen; alle zusätzlichen Funktionen würden nämlich auf diesem Standard aufsetzen. Aus diesem Grund hält der Marktkenner denn auch das Gerangel um eine einheitliche Benutzerschnittstelle für überflüssig: X/Windows, Presentation Manager etc. würden exakt dieselben Funktionen bieten, auch wenn dafür ein anderer Knopf gedrückt werden müsse. O'Hara: "Unter Posix ist alles gleich."