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13.08.1982 - 

Trotz Konjunkturflaute, steigender Arbeitslosenquote und sinkender Stellenangebote:

Nur Informatiker können noch wählerisch sein

NÜRNBERG (nw) - Angesichts der Erwerbslosenzahlen, ihrer Steigerungsraten und der immer weiter dezimierten Stellenangebote wird man auch im immer noch ungeschorenen Lager der DV-Branche unruhig. Doch bislang scheint die Nachfrage das Angebot nach wie vor zu übersteigen. So ermittelte die Frankfurter Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) die besten Aussichten für Informatiker: Hier kann ein Bewerber durchschnittlich zwischen zwei oder drei Jobs wählen.

Die anhaltende Konjunkturflaute und die strukturellen Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft spiegeln sich in den hohen Arbeitslosenzahlen wieder. Neuestes Krisensymptom ist, wie das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft alarmiert feststellt, die Zunahme der Arbeitslosigkeit schon im Juni. Damit nicht genug, der Trend setzte sich auch im Juli fort - in diesem Monat betrug die Arbeitslosenquote 7,2 Prozent oder 1 757 437 in absoluten Zahlen.

Neben der konjunkturellen Flaute belastet zur Zeit aber auch, nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit, der Zustrom von Berufsanfängern, die nach Abschluß einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung keinen Job finden, den Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik. Auf der anderen Seite bleibe die Einstellbereitschaft der Wirtschaft gering. Der Bestand an offenen Stellen sank weiter auf 106 375. Selbst die Berufsaussichten für Akademiker werden von der ZAV zur Zeit außerordentlich schlecht eingestuft. Eine Analyse der Behörde weist ein recht knappes Angebot an Arbeitsplätzen für Soziologen, Gymnasiallehrer, Psychologen und Volkswirte aus. Besonders betroffen seien die Politologen. Auf eine freie Stelle melden sich hier durchschnittlich 624 Nachfrager.

Schlecht ist auch die Situation für Naturwissenschaftler, Juristen, Betriebswirte, Mathematiker und Architekten: Die Nachfrage übersteigt das Angebot der freien Stellen. Lediglich bei Ärzten und Ingenieuren ist der Bedarf den Arbeitsvermittlern zufolge größer als die der Bewerbungen. Absolute Außenseiter sind hier die Informatiker: Sie haben "die Qual der Wahl".

Dennoch warnt der Präsident der Technischen Universität München, Wolfgang Wild, davor, durch eine weitere Werbung einen noch größeren Prozentsatz der Studienanfänger, in die Ingenieurwissenschaften zu locken. So zeige eine vom Wissenschaftsrat vorgelegte "Stellungnahme zur Lage in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Berufen", daß es einen größeren Ingenieurmangel nicht gebe und auch kaum geben werde.

Die für die Ingenieure günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes Ende der siebziger Jahre hat sich nach Angaben von Wild in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr fortgesetzt. So sei die Zahl der arbeitslosen Universitätsingenieure von September 1980 bis September 1981 um 51 Prozent von 2679 auf 4045 gestiegen, die der beschäftigungslosen Fachhochschulingenieure um 47 Prozent von 4686 auf 6911.

Dieser Anstieg lag Wild zufolge über der Zunahme der gesamten Akademikerarbeitslosigkeit um 43 Prozent von 41 850 im Jahr 1980 auf 59 866 in 1981. Ende 1981 seien 14 700 arbeitslosen Ingenieuren nur noch 9500 offene Stellen gegenübergestanden.

Zudem verspreche ein stetig wachsender Anteil der Ingenieurstudienanfänger an der Gesamtzahl, daß sich die Absolventenzahl in diesem Fach mittelfristig dem vermutlichen Bedarf nähert: Im Wintersemester 1981/82 schrieben sich 24 Prozent mehr Schulabgänger als noch im Jahr zuvor bei den Ingenieurwissenschaften ein. Gleichzeitig nahm indessen die Zahl der "Neuankömmlinge " nur um 1 5 Prozent zu.

Zudem sind die künftigen Berufschancen der Jugend im technischen Bereich, wie der Universitätspräsident betont, nur vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Strukturwandels zu sehen. So eröffne die Mikroelektronik nicht nur die Möglichkeit einer weitgehend automatisierten Produktion, sondern auch eine computergestützte Entwicklungsarbeit. Die plausible These von einem tendenziös wachsenden Ingenieurbedarf müsse man deshalb mit Vorsicht genießen.