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21.10.1988 - 

Siemens-Vorstandsmitglied Schlitzberger über kritische Karriere-Faktoren:

Nur Motivierte nehmen neue Technik an

Was sind kritische Karriere-Faktoren für angehende Fach- und Führungskräfte mit Blick auf den Unternehmenswandel durch neue CIM-Technologien? In einem Pressegespräch äußerte Hans-Hugo Schlitzberger* Gedanken zu qualitativen und quantitativen Anforderungen an Fachkräfte.

Qualifizierung ist bei dem Einsatz neuer Technologien, so Schlitzberger, das beste und notwendigste Mittel, Mitarbeiter zu motivieren und zu mündigen, eigenverantwortlichen Partnern zu machen.

Mit Automatisierung in Fertigung und Büro verbinden sich auch Veränderungen der Tätigkeitsstrukturen, Arbeitsaufgaben und der Arbeitsorganisation. Die Arbeitsteilung wird verringert. Routinetätigkeiten und Maschinenbedienfunktionen flachen zugunsten planender, steuernder, kontrollierender sowie instandhaltender Tätigkeiten ab. Dadurch gestaltet sich das Aufgabenfeld des einzelnen anspruchsvoller und abwechslungsreicher. Es ist zugleich auch mit mehr Verantwortung verbunden. Schlitzberger: "Je fortschrittlicher eine Technologie wird, desto wichtiger wird der Mensch - sowohl als Entwickler wie als Anwender."

CIM erfordert von kaufmännischen, gewerblichen und technischen Mitarbeitern aller Hierarchiestufen bei ihrer Arbeit erweiterte Qualifikationen, meint das Mitglied des Siemens-Vorstandes. Neben fachliche Anforderungen treten verstärkt übergreifende Fähigkeiten. Dazu zählt Schlitzberger vor allem

- Lernbereitschaft: Bereitschaft zu permanenter fachlicher Weiterbildung; Fähigkeiten und Techniken zur Aneignung neuen Wissens;

- Flexibilität: erworbenes Wissen auf unbekannte, neue Situationen oder Probleme anwenden;

- Abstraktes, vorausschauendes Denken in Zusammenhängen: problemlösungsorientiertes Verständnis für technische Zusammenhänge und betriebliche Abläufe; ganzheitliches Denken in Modellen und Systemen;

- Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsvermögen: Sachverhalte so darstellen, daß sie von anderen verstanden werden; Bereitschaft und Fähigkeit zu bereichsübergreifender, interdisziplinärer Teamarbeit;

- Eigenverantwortlichkeit: Bereitschaft und Fähigkeit zur

Übernahme von mehr Verantwortung.

Die Zahl qualifizierter Mitarbeiter steigt weiter

Diese gewandelten Anforderungen wirken sich nach Erfahrungen von Schlitzberger auch auf die Mitarbeiterstruktur aus. So stieg die Zahl der Ingenieure und Naturwissenschaftler bei Siemens bezogen auf alle Mitarbeiter in den letzten zehn Jahren von rund 13 auf 19 Prozent an. Zugleich ging jedoch der Anteil der An- und Ungelernten von 32 auf 24 Prozent zurück. Je weiter CIM ein Unternehmen durchdringt, desto mehr verstärkt sich auch dieser Trend. Für Schlitzberger heißt das aber, daß die Zahl der industriellen Arbeitsplätze für Angelernte zurückgehen wird. Gleichzeitig steigt die Zahl der qualifizierten Mitarbeiter weiter an. Die Höherqualifizierung, so lautet seine Schlußfolgerung, erhält also den Rang einer strategischen, unternehmerischen Aufgabe.

Traditionelle Karrierepfade werden zu Sackgassen

Traditionelle Karrierepfade wie beispielsweise der des Facharbeiters von der Werkstatt zur Arbeitsvorbereitung gibt es künftig immer weniger, gibt Siemens-Manager Schlitzberger zu bedenken. Karriere-Chancen hat indes, wer die für die CIM-Produktion nötigen Schlüsselqualifikationen besitzt. Die Höherqualifizierung durch Weiterbildung ist daher für den Siemens-Manager nicht nur eine unternehmerische Aufgabe, sondern liegt auch im Interesse des karrierebewußten Mitarbeiters - in allen Funktionsbereichen und auf allen Unternehmensebenen.

Als Beispiel führt Schlitzberger eine Reihe von Konzepten zur Höherqualifizierung gewerblicher Mitarbeiter an, die Siemens bereits erprobte. Sie reichen von der Qualifizierung von Angelernten in der Chip-Fertigung nach einem funktional gegliederten Modulsystem bis hin zum Facharbeiter über Qualifizierung von Vorarbeitern, Einrichtern und Werkern zu Systemführern durch fachbezogene Spezialkurse und gezielte Förderung von "berufsübergreifenden Fähigkeiten" bis zur verstärkten Förderung von Schlüsselqualifikationen durch die projekt- und transferorientierte Ausbildung (PETRA). In der zweiten Stufe übertragen die Ausbilder das Modell dann an ihren Standorten auf die Ausbildungspraxis.

Die Maßnahmen zur CIM-Qualifizierung schließen auch den technischen und kaufmännischen Bereich ein. So werden Entwickler und Konstrukteure in CAD/CAM-Kursen mit den neuen Techniken vertraut gemacht und lernen im Marketing-Seminar, die Einflüsse des Marktes auf ihre Arbeit zu berücksichtigen. Weiterhin lernen Kaufleute die betriebswirtschaftlichen Ansätze kennen, die sich aus den neuen Techniken ergeben.

CIM-Qualifizierung schließt aber auch die Manager ein. Rund 300 Führungskräfte aus allen Unternehmensbereichen nahmen an einem sechswöchigen CIM-Seminar teil.

Bei der Einrichtung neuer Fertigungslinien wird parallel zur Investitionsplanung eine qualitative Personalplanung durchgeführt. Es werden Pläne zur Höherqualifizierung der Mitarbeiter erstellt und verwirklicht.

Die Ausbildung in Berufen, die durch CIM geprägt sind, ist ein Teil der notwendigen Qualifizierungsaktivitäten. Daneben müssen die betriebsspezifischen Wissensinhalte durch Einarbeitung im Betrieb erworben werden. Der permanente Wandel technischer Systeme erfordert eine ständige Weiterbildung.

Weiterbildung ist aber nicht nur eine Reaktion auf die technische Entwicklung, sie ist vielmehr eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche technische Innovationen. So beginnt jede CIM-Realisierung beim Mitarbeiter: Nur motivierte Menschen werden die neuen Technologien wirklich annehmen und damit so arbeiten, wie es geplant ist. Deshalb ist die rechtzeitige Qualifizierung der Mitarbeiter besonders wichtig.

Hans-Hugo Schlitzberger verweist als ein Beispiel auf Siemens. Dort seien alle Zweige der betrieblichen Bildungsarbeit einbezogen, die Meisterschulung ebenso wie die kaufmännische Ausbildung. Assistenzkräfte lernen in ihrer Ausbildung unter anderem die Grundlagen lokaler Netzwerke als Bestandteil der CIM-Fertigung kennen. Im Trainingscenter für Automatisierungstechnik wird CIM-Wissen an Mitarbeiter und Führungskräfte vermittelt. Parallel dazu ist zur Zeit eine CIM-Schulung für Sachbearbeiter in Vorbereitung sie soll an verschiedenen Standorten durchgeführt werden.

Darüber hinaus schließlich unterstützt Siemens - Wechsel-wirkung und Know-how-Transfer ist gesucht und beabsichtigt - die Universitäten und Fachhochschulen bei der Integration von bestehenden oder neuen CIM-Bausteinen und der Weiterentwicklung des Lehrangebots.