Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

17.12.1976 - 

Bundesregierung informiert über Automatisierung der Steuerverwaltung

Nur Teilerfolfolge in den Finanzämtern

BONN - In der Bundesrepublik macht die Steuerverwaltung von allen Behörden am umfassendsten Gebrauch von der EDV: 30 Prozent der Finanzamtsarbeiten sind derzeit automatisiert - auf 50 Prozent hofft man bis 1980 zu kommen.

Allein durch die Automatisierung des Lohnsteuerjahresausgleiches konnten ungefähr 30 Prozent der Mitarbeiter eingespart werden, bei der Veranlagung beispielsweise zur Einkommensteuer immerhin 10 Prozent. Das sind jedoch nur die Einsparungen in der ersten Stufe der Steuerautomation. Durch Umstellung auf das "integrierte Besteuerungsverfahren", bei dem nicht nur die Festsetzung der Steuer, sondern auch noch die ganze Kontenführung bis zur "Rückstandsanzeige" für die Vollstreckungsstelle automatisiert sind, spart allein der Stadtstaat Berlin jährlich 4,4 Millionen Mark. Der Personalbedarf in den Finanzkassen mindert sich dadurch um 25 bis 30 Prozent.

Test auf Testmärkten

Steuertechnisch sind Berlin und das Saarland "Musterländle": Ihr ganzer Finanzamtsbetrieb ist automatisiert. Sie hatten allerdings einen erheblichen Zeitvorsprung: 1960 vereinbarten Bund und Länder, in diesen beiden auch von der Privatwirtschaft als Testmärkte bevorzugten Ländern, gemeinsame Versuche über einen umfassenden DV-Einsatz in der Finanzverwaltung durchzuführen. Ziel: ein integriertes Verfahren der Steuerfestsetzung und -erhebung zu schaffen und damit endlich auch das Nebeneinander der verschiedensten Buchungsformen und Kassenverfahren zu beseitigen.

Für das in Berlin entwickelte integrierte Besteuerungsverfahren entschieden sich 1970/71 Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Das Saarland entwickelte ein etwas anderes Verfahren, das sich vom Berliner vor allem dadurch unterscheidet, daß es eine sequentielle Verarbeitung mit Magnetbändern statt einer wahlfreien Verarbeitung mit Platten verwendet.

Zum Leidwesen des Bundesfinanzministeriums ist es in der föderalistischen Bundesrepublik juristisch nicht möglich, die Länder zur Verwendung einheitlicher Programme oder Buchführungsvorschriften für die Finanzämter zu zwingen. Zwar sind die Steuergesetze gleich - aber für die EDV-Lösung sind die Länder zuständig, wobei sie unterschiedliche Wege gehen können. Das Ergebnis: Trotz inzwischen erarbeiteter bundeseinheitlicher Programmunterlagen kamen zum Teil unterschiedliche Ergebnisse heraus, weil sich die Länder keineswegs immer und vollständig an die Vorschläge des Bundes hielten.

Zum 1. Januar 1977, wenn die automationsfördernd formulierte Neufassung der Abgabenordnung in Kraft tritt, möchte das Bundesfinanzministerium bundeseinheitliche Programm-Richtlinien befolgt wissen. Sicher ist das noch nicht - wie dem "Dritten Bericht über die Automation der Steuerverwaltung in den Ländern" zu entnehmen ist, den die Bundesregierung kürzlich dem Bundestag zuleitete.

Nicht nur Ersparnis-Überlegungen sprechen für eine einheitliche Lösung in allen Bundesländern: Geplant ist auf längere Sicht der konsequente Datenträgeraustausch mit Gemeinden (wegen Grund- und Gewerbesteuer), Industrie- und Handelskammern, die ihre Beiträge auf Gewerbesteuerbasis berechnen, statistischen Ämtern, Kfz-Zulassungsstellen sowie dein Kfz-Bundesamt in Flensburg, und mit Dienstleistungsrechenzentren zur Automatisierung der Umsatzsteuer-Überwachung.

Mit den technischen Voraussetzungen sieht es allerdings noch schlecht aus: mit ganz oder teilweise automatisierter Erhebung arbeiteten im Herbst 1975 erst 45 von den 475 deutschen Finanzämtern. Weitere 29 verwendeten das ältere und einfachere "saldierende Buchungsverfahren". Lediglich bei der Kfz-Steuer sehen die Zahlen - knapp ein Drittel der Ämter - etwas besser aus.