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16.07.1982 - 

Japanische DV-lndustrie an zweiter Stelle in der Weltrangliste:

Nur "Uncle Sams" DV wird ernst genommen

Mit einer Produktion von rund 1300 Milliarden Yen (rund 13 Milliarden Mark) im Jahre 1981 sowie über 70 000 Installierten Mehrzweckcomputern ist Japan das zweitgrößte Hersteller- und Einsatzland von Datenverarbeitungssystemen. Dr. Gerhard Reckel vom Zentralverband der Elektronischen Industrie e. V., Frankfurt, berichtet über die japanischen Informatikpolitik.

Obwohl der Abstand zur führenden USA noch beträchtlich ist, haben die Japaner alle übrigen Industrieländer übertroffen. Auch die verbliebenen Schwächen im Softwarebereich können nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Land mittlerweile über Spitzentechnologie verfügt, die sich im wesentlichen auf hochentwickeltes Know-how in Herstellung und Anwendung elektronischer Bauelemente stützt.

Durch den energischen Ausbau der japanischen Computer- und Halbleiterproduktion gingen die Marktanteile ausländischer Anbieter in den letzten Jahren erheblich zurück.

Bei der Installationszahl von Computern lag das Verhältnis der führenden japanischen Computerhersteller (Fujitsu, Hitachi, NEC, Toshiba, Mitsubishi) gegenüber der amerikanischen Konkurrenz (IBM, Univac, Burroughs, NCR, CDC) bei 69,4 zu 30,6 Prozent. Der Umsatzwert betrug 53 zu 47 Prozent. Hierbei ist zu bedenken, daß die Japaner erst im Jahre 1960 mit dem Aufbau einer eigenständigen Computerproduktion begonnen haben.

In Japan wird der Übergang von der Industriegesellschaft zur postindustriellen informierten Gesellschaft als nationale Aufgabe verstanden und unter planerischer Leitung des Ministry of International Trade and Industry (MITI) von der Regierung sowohl technisch als auch gesellschaftspolitisch aktiv gefördert.

Da Japan sehr international ausgerichtet und auch verflochten ist, kommt der Informationsverarbeitung unter anderem folgende Aufgabe zu:

- Reibungsloser Transfer von Know-how nach Japan, Sammlung von Informationen in Datenbanken.

- Entwicklung hochleistungsfähiger Maschinen und Systeme für den Absatz auf internationalen Märkten.

- Förderung der Informationsverarbeitung in den Entwicklungsländern, Aufbau von Kooperationsbeziehungen, Entwicklung angepaßter Systeme und Unterstützung bei Infraskuktur-Maßnahmen.

- Internationale Zusammenarbeit mit Industrieländern, vor allem auf dem Gebiet der Computertechnologie. Ziele: Kostenersparnis durch Arbeitsteilung und Verbesserung des wirtschaftlichen Gesamtklimas.

Förderung der Datenverarbeitung

Japan sieht die USA als einzigen ernstzunehmenden Konkurrenten an. Daneben gestehen sie nur noch Großbritannien und Frankreich eine DV-Industrie zu. Die schwache Position der Bundesrepublik Deutschland wird darauf zurückgeführt, daß in der Anfangsphase der Aufbau einer eigenständigen Datenverarbeitungsindustrie durch "vollständige Liberalisierung" verspielt wurde und auch durch die zu spät einsetzende staatliche Förderung nicht korrigiert werden konnte.

Das "Computer White Paper 1979" enthält ein ganzes Bündel von Gesetzen, Verordnungen und Maßnahmen zur Förderung der Datenverarbeitung, jedoch keine Zahlenangaben, aus denen auf die effektive finanzielle Wirkung bei den Unternehmen geschlossen werden kann. Dies gilt insbesondere für steuerliche Maßnahmen. Aus verschiedenen Presseveröffentlichungen geht jedoch hervor, daß allein zur Nachentwicklung von IBM-Systemen direkte Finanzhilfen in Milliardenhöhe gegeben wurden.

Vollends unmöglich ist es, den zweifellos beachtlichen Koordinierungs- und Integrationseffekt zu bewerten, der durch die "Ausrichtung der Aktivitäten auf ein gemeinsames nationales Ziel" bei Herstellern und Anwendern zustande kommt.

Ermutigt durch die Erfolge der japanischen Computerindustrie sowie die staatlichen Förderungsprogramme wird die amerikanische Herausforderung angenommen, Dies gilt auch für Bereiche, in denen bis heute nur den USA die erforderliche Entwicklungskapazität und das nötige Kapital zugetraut wurde (Hochleistungsrechensysteme für Wissenschaft und Technologie, fünfte Computergeneration).

Dennoch machen die Japaner nicht den Fehler, die Informationsverarbeitung nur unter wirtschaftlichen, exportorientierten Gesichtspunkten zu sehen. Um die japanische Stellung im internationalen Kräftefeld zu sichern, benötigen sie ein flächenübergreifendes GIobalkonzept, das alle Felder des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens umfaßt. Hier läßt sich nun unschwer die japanische Auffassung der Einheit von privater und gesellschaftlich/staatlicher Sphäre, aber auch ein gewißes Moment nationalen Selbstbewußtseins erkennen.