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21.09.2001 - 

IDC prognostiziert geringes Wachstum der IT-Ausgaben

Nur wenig Licht am Ende des Tunnels

MONACO (ajf) - Der IT-Branche geht es schlechter, als die meisten Beteiligten offiziell zugeben wollen. Für zusätzliche Probleme hat der Terroranschlag auf die USA in der vergangenen Woche gesorgt. Die Marktforscher von IDC haben daher ihre Prognosen für die IT-Ausgaben nach unten korrigiert.

Keine guten Nachrichten hielt der europäische IDC-Kongress für eine ohnehin angeschlagene IT-Branche bereit. Die Veranstaltung, die wie im vergangenen Jahr in Monaco abgehalten wurde, stand ganz im Zeichen der Terrorangriffe auf die USA in der Vorwoche. Fast alle amerikanischen Referenten kamen via Videostream ins Auditorium, denn sie konnten, wollten oder durften nicht per Flugzeug anreisen.

Zudem sorgte der Inhalt ihrer Botschaften nicht für Euphorie unter den Anwesenden, denn vom "Licht am Ende des Tunnels", so das engagierte Motto des Kongresses, war wenig zu sehen.

Stattdessen übten sich die meisten Beteiligten in Schadensbegrenzung und sprachen sich gegenseitig Mut zu, getreu der Devise: Es wird schon besser werden, weil es bisher immer wieder besser geworden ist. Stellenweise fühlte man sich an die prognostische Qualität von Bauernregeln erinnert. Lediglich IDCs Chef-Marktforscher John Gantz traute sich mit konkreten Zahlen auf die Bühne und übte sich in Optimismus: Derartige Einbrüche habe es nämlich schon früher gegeben.

Er erinnerte an den Tiefpunkt von 1992, als die IT-Budgets in Westeuropa nur um rund zwei Prozent wuchsen und sich der durchschnittlichen Steigerungsrate des Bruttosozialproduktes annäherten. Was folgte, war der Aufschwung durch die Internet-Euphorie. Demnach, so Gantz, sei auch davon auszugehen, dass es nach dem aktuellen Abschwung wieder zu einem Anstieg der IT-Ausgaben kommen werde. Dafür spreche, dass nach dem Tiefpunkt im Mai dieses Jahres die Budgets der Anwender im Juli und August um sieben Prozent angewachsen seien.

Auch Gantz sah sich jedoch gezwungen, nach den Terrorangriffen die Wachstumsprognosen und das "Worst Case Scenario" von IDC neu zu formulieren. Statt der im schlimmsten Fall erwarteten 7,9 Prozent steigen die IT-Ausgaben in Westeuropa dieses Jahr womöglich sogar nur noch um 7,4 Prozent an, meinte der Analyst. Für 2002 fällt die Diskrepanz zwischen dem alten Worst Case (IDC-Name: Hurricane Hugo) und der neuen Version (Desert Storm) noch deutlicher aus: Das Wachstum der IT-Budgets beträgt dann nur noch 6,5 statt der ursprünglich anvisierten 8,5 Prozent. Der Worst Case von gestern ist über Nacht zum Normalfall geworden. Zu den Motoren dieses begrenzten Wachstums zählte Gantz das E-Business sowie daran anknüpfende Integrationsprojekte mit dem Backend. Diese seien zwar von vielen IT-Verantwortlichen als wichtig identifiziert worden, allerdings gebe es in allen Bereichen betriebswirtschaftlicher Software einen enormen Nachholbedarf. Gerade einmal zwölf Prozent aller westeuropäischen Großunternehmen hätten ihre Website mit dem Tool für das Supply-Chain-Management (SCM) verknüpft, die Integration von ERP-Software und dem Internet hätten nur 15 Prozent der Konzerne in die Tat umgesetzt.

Insgesamt werden in den nächsten neun Quartalen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (Emea) mehr als 850 Milliarden Dollar für die DV ausgegeben, so Gantz. Davon entfallen 15 Prozent auf PCs und Workstations, 21 Prozent sind für die übrige Hardware vorgesehen. Softwareprogramme stehen mit 22 Prozent knapp darüber in der Gunst der Anwender.

Den Löwenanteil in den Budgets bilden jedoch die Services: Mit 42 Prozent vom gesamten IT-Kuchen fließen mehr als 350 Milliarden Dollar in die Kassen der Dienstleister. Es gibt also doch ein Licht am Ende des Tunnels - allerdings nicht an jedem.

Flugangst

Eigentlich hätten der Zeitpunkt und die Keynote-Redner auf dem IDC-Forum in Monaco nicht besser gewählt sein können: Neben Hewlett-Packard-Chefin Carleton Fiorina sollte auch Compaqs CEO Michael Capellas seine Sicht der Branchensituation vortragen. Beide hatten zugesagt, lange bevor die Fusion der IT-Konzerne bekannt gegeben worden war.

Doch der Anschlag auf das World Trade Center machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Weder Fiorina noch Capellas erschienen persönlich, auch die Professoren Lester Thurow (MIT) und Michael Porter (Harvard) sowie Accentures oberster Forscher Glover Ferguson waren nur per Videokonferenz anwesend. Amazons CEO Jeffrey Bezos ließ sich selbst dort noch vertreten. Fiorina hingegen nutzte die Gunst der Stunde und referierte rund 20 Minuten über die positiven Effekte der Fusion mit Compaq, wobei sie mit der Presse und den Analysten wegen der kritischen Berichterstattung in den letzten Wochen ins Gericht ging. Mehr zum IDC-Forum finden Sie in der nächsten Ausgabe der CW.

Abb: IT-Ausgabenwachstum in Westeuropa

Der Terroranschlag auf die USA wirkt sich auch auf Europa aus. IDC hat seine pessimistische Prognose (Worst Case) für die Region weiter nach unten korrigiert. Quelle: IDC