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30.08.2002 - 

Hoffnungen ruhen auf dem Weihnachtsgeschäft

Nvidia eignet sich nicht mehr als Vorbild

30.08.2002
MÜNCHEN (CW) - Der Grafikspezialist Nvidia galt lange Zeit als immun gegen die wirtschaftliche Krise. In diesem Jahr hat die Flaute allerdings auch die Company aus Santa Clara erwischt, und eine kurzfristige Erholung ist nicht in Sicht.

In den letzten Jahren war nur eine Firma richtungsweisend in der Entwicklung von PC-Komponenten: Mit seinen Grafikchips gelang es Nvidia, auf vornehmlich privat genutzten Rechnern den technologischen Takt anzugeben. Wettbewerber wie Matrox und ATI gerieten unter Druck, weil sie dem Dauerfeuer aus neuen Produktankündigungen nur wenig entgegenzusetzen hatten. Bislang letztes Produkt aus dem Hause Nvidia ist der Chip "Geforce 4600 Ti" mit 63 Millionen Transistoren, der die einschlägigen Leistungswettbewerbe unangefochten dominierte. Nun hat ATI mit dem "Radeon 9700" mindestens gleichgezogen, und auch in puncto Wirtschaftskraft blättert der Lack bei Nvidia ab.

Im zweiten Quartal (Ende: 28. Juni) des Geschäftsjahres sank der Nettogewinn auf 5,3 Millionen Dollar, nachdem im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch 33 Millionen Dollar Profit erzielt worden waren. Damit lag das Unternehmen im Rahmen einer zwei Wochen zuvor ausgegebenen Gewinnwarnung. Grund für die Korrektur waren die schlechte Konjunktur des PC-Markts sowie Sonderabschreibungen auf Lagerbestände in Höhe von 21 Millionen Dollar.

Umsatzeinbruch im Sommer

Der Umsatz stieg gegenüber dem zweiten Quartal 2001 um 64 Prozent auf 427 Millionen Dollar an. Verglichen mit dem direkten Vorquartal, als 583 Millionen Dollar eingenommen worden waren, brach die Company jedoch deutlich ein. Im laufenden Berichtszeitraum will Nvidia seine Umsätze um ein bis fünf Prozent steigern und einen Gewinn von sechs bis zwölf Cent je Aktie ausweisen. Beides liegt unter den Erwartungen der Wallstreet, die allein 16 Cent Gewinn prognostiziert hatte.

Viel versprechen sich die Company und ihr Mitgründer Jen-Hsung Huang vom kommenden Weihnachtsgeschäft. Ob der für diesen Zeitpunkt angekündigte Grafikchip "NV30" für die fünfte Geforce-Generation auf breiter Front verfügbar sein wird, steht allerdings noch in den Sternen. Gerüchten zufolge hat der Auftragsfertiger TSMC Probleme mit der Entwicklung der 0,13-Mikrometer-Prozessoren. Huang wollte US-amerikanischen Presseberichten zufolge nicht bestätigen, dass der Designprozess für den Chip bereits abgeschlossen ist. Der CEO äußerte sich lediglich zuversichtlich, dass der NV30 zum Weihnachtsgeschäft erhältlich sein wird. Karten mit den neuen ATI-Prozessoren sollen bereits ab Oktober an den Handel ausgeliefert werden.

Ob die Kunden zum Jahresende in neue Rechner und Komponenten investieren, ist angesichts der Konjunkturflaute jedoch fraglich. Derartig bestückte Grafikkarten schlagen mit mindestens 450 Euro zu Buche, und ein Einsatz lohnt nur, wenn im Rechner auch eine Highend-CPU arbeitet. Microsofts Multimedia-Schnittstelle "Direct X 9", von der gegenwärtig nur eine Betaversion existiert, wird zudem frühestens im kommenden Jahr von Spielen unterstützt - die Chips bieten dies theoretisch schon heute.

Neuer Finanzchef berufen

Eine Lücke geschlossen hat Nvidia vergangene Woche hingegen mit der Ernennung eines neuen Finanzchefs. Marvin Burkett löst Mary Dotz ab, die das Amt seit April ausgeübt hat. Damals war sie für Christine Hoberg eingesprungen, die Nvidia verlassen musste. Hintergrund war eine Untersuchung der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC), die sich für die Bilanzierungsmethoden der Company interessiert hatte. Das Ergebnis war, dass Nvidia seine Bücher der letzten zwei Jahre überarbeiten musste. Dabei kam ans Licht, dass 1,3 Millionen Dollar zuwenig als Nettogewinn ausgewiesen worden waren.

Aktie stark gefallen

Die Bilanzprobleme haben ihren Teil dazu beigetragen, dass der Aktienkurs von Nvidia in den vergangenen Monaten unter die Räder gekommen ist. Gelang es dem Papier im vergangenen Jahr noch, den Standard-and-Poor''s-500-Index als bester Wert anzuführen, folgte 2002 prompt die Quittung der Investoren: Die Nvidia-Aktie sank seit Januar um mehr als 80 Prozent. "Wir sind vorsichtig, was den kurzfristigen Ausblick betrifft", äußerte sich Firmenchef Huang in einer Pflichtmitteilung verhalten. Die langfristigen Perspektiven in dem Geschäft seien jedoch "aufregend".

Neben den Grafikprodukten versucht das Unternehmen aber auch, neue Teilmärkte im PC für sich zu gewinnen. So setzt Nvidia verstärkt auf seine "Nforce"-Chipsätze, die Multimedia-, Grafik- und Netzfunktionen für AMD-Prozessoren bereitstellen. Vergangene Woche kündigte Hewlett-Packard (HP) an, unter der "Compaq"-Marke künftig Business-Rechner mit "Athlon"-CPUs von AMD auf den Markt zu bringen. Nvidia liefert die Grafikchips der alten "Geforce-2"-Serie sowie die Chipsätze. Dem Aktienkurs hat die Diversifizierung jedenfalls gut getan, denn das Nvidia-Papier kletterte um 18 Prozent. (ajf)