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20.12.1985 - 

In der Bürokommunikation folgte eine Ankündigung der anderen:

OA zwischen ISDN-Systemen und Token-Ring-LAN

Im Hinblick auf ISDN war im vergangenen Jahr meist die Rede von den darauf zugeschnittenen Kommunikationssystemen. Nach Verabschiedung der CCITT-Norm Ende 1984 kündigten Siemens, PKI, TN und SEL Zug um Zug ihre digitalen Nebenstellenanlagen für das neue Postmedium an. In puncto LAN dagegen drehte es sich mehr um das Netz selbst. Hier versuchte Big Blue mit seinem Token-Ring-Konzept Oberwasser zu bekommen.

Als erster Hersteller "zog" der Münchner Elektro- und Elektronikkonzern Siemens mit viel Aplomb das Hicom-System "aus der Tasche". Die digitale und ISDN-fähige Nebenstellenanlage für die simultane Übermittlung von Text, Daten, Sprache und Bildern in einem Netz beziehungsweise über eine Rufnummer lieferte die Schlagzeile für die erste Ausgabe der COMPUTERWOCHE 1985. Hardwareseitig gehört zu dem neuen System, in das Siemens einen Entwicklungsaufwand von insgesamt 500 Millionen Mark steckte, auch ein Multifunktionsterminal in der Preislage unter 5000 Mark. Im Rahmen der wenig später vorgestellten Siemens Büro Architektur - kurz SBA-nimmt Hicom natürlich auch eine dominierende Rolle ein. Vorgesehen ist hier eine "schwerpunktmäßige Ausrichtung der Inhouse-Netze auf die Übertragungsarten und Protokolle von ISDN durch Verwendung der Hicom-Vermittlungssysteme" und daneben "das Einbinden von Bus-Netzen (LAN) für Kommunikationsinseln mit hohem Verkehrsaufkommen ".

PKI spielt Offenheit in den Vordergrund

Die zweite ISDN-fähige Kommunikationsanlage wurde im März 1985 von Philips angekündigt. Ihr System "Sopho S" entbehrte zunächst zwar noch eines multifunktionalen Terminals, soll aber im Gegensatz zu dem Siemens-System eine offenere Struktur durch zusätzliche Schnittstellen aufweisen. Dazu schrieb die COMPUTERWOCHE: "Als Besonderheit ihrer Entwicklung sehen die Philips-Leute neben der Integration in ihr globales Sophomation-Konzept die offenen V.24-, V.35- und X.21 Schnittstellen, über die an das neue Sprachterminal KT 64 beliebige Terminals und Mikros anschließbar sind."

Eine derartige Offenheit gegenüber Fremdsystemen beansprucht allerdings auch die Frankfurter Telenorma (TN), die unmittelbar nach der PKI Endgeräte mit ISDN-Option ankündigte. So stehen beispielsweise für die beiden TN-Kommunikationsanlagen 222 und 333 mehrere Batch- und Dialog-Emulationen, Anschlüsse für die öffentlichen Netze beziehungsweise Dienste Btx, Hfd, Datex-P sowie Datex-L und die oben erwähnten Interfaces zur Verfügung. Eine selbstgestrickte Schnittstelle soll darüber hinaus noch die Integration des TN-Daten- und Textsystems "Isy" ermöglichen, welches wiederum modular vom Einzelplatz bis zu 128 Arbeitsplätzen aufgestockt werden kann.

Der Computerbauer Nixdorf, der neben DeTeWe mit der ersten digitalen Nebenstellenanlage überhaupt aufwartete, hat für sein digitales Telefon "Digifon" und das Vermittlungssystem DVS 8818 ISDN-Funktionen in Aussicht gestellt. Es wird allerdings noch gut ein Jahr ins Land gehen, ehe die Paderborner diese Kommunikationsanlagen mit den CCITT-Schnittstellen ausrüsten können. Die Interface-Entwicklung wird übrigens aus dem BMFT-Säckel bezahlt.

SEL-Anlage ab '86 mit ISDN-Option

Das fünfte und bis dato letzte Unternehmen im Bunde der Anbieter von ISDN-Systemen ist die Stuttgarter Standard Elektrik Lorenz AG. Ihr System 12 B-B steht hier für Bürokommunikation -soll ab 1986 über den passenden Anschluß verfügen. Im Gegensatz zu den übrigen Anbietern hat SEL die Anlage jedoch noch nicht in sein Bürokommunikationskonzept eingebettet, diese verfügt aber ebenfalls über zusätzliche Schnittstellen.

Was nun das neue Dienste-integrierende digitale Netz selbst angeht, so hat die Bundespost die eigentliche Startphase für das Jahr 1988 angesetzt. Vorher werden aber schon Pilotversuche in Stuttgart und Mannheim über die Bühne gehen. Dort sollen alle Hersteller mit ISDN-Anlagen die Gelegenheit haben, ihre Systeme zu testen. Alles in allem will die Post in den beiden Städten mit einer sehr hohen Dichte an Geschäftsanschlüssen 400 Endgeräte anschließen.

Ein heißes Eisen in Zusammenhang mit ISDN ist natürlich auch die Gebührenregelung, die die COMPUTERWOCHE Ende 1985 mehrfach aufs Tapet brachte. Die letzte diesbezügliche Veröffentlichung bezieht sich auf die neue Telekommunikationsordnung (TKO) der Deutschen Bundespost, die ein vorläufiges Gebührenmodell beinhaltet. Demzufolge belaufen sich die fixen Kosten für einen monatlichen Universalanschluß auf 54 Mark. Wird ISDN dabei jedoch nicht nur für das Fernsprechen, sondern auch für andere Telekommunikationsdienste genutzt, kommen monatlich noch einmal zehn Mark dazu. Die Gebühren für die einzelnen Verbindungen liegen wie die heutigen Telefongebühren bei 23 Pfennig pro Einheit, unabhängig davon, welche Dienste in Anspruch genommen werden.

Beim Thema LAN, wo sich bis dato der Ethernet-Standard und darauf basierende Systeme behaupten konnten, sorgte 1985 wohl Big Blue für den meisten Zündstoff. Im Oktober ließ der Marktführer die Katze aus dem Sack und präsentierte den mit Spannung erwarteten Token-Ring. Er eignet sich allerdings zunächst nur für die PC-Vernetzung. Mit Hilfe einer speziellen Adapterkarte lassen sich an das neue LAN bis zu 260 Mikros "anhängen" wobei alle PC-Modelle von IBM zum Zuge kommen können. Daneben besteht - nur über Gateways - die Möglichkeit, Rechner der Serien /1, /36, /370 und 4300 einzubinden. Die Adapterkarte, die die vollständige Netzwerksteuerung enthält, soll 2125 Mark kosten und im dritten Quartal nächsten Jahres an Kunden und autorisierte Händler ausgeliefert werden.

Erste Token-Ring-Produkte von Dritten angekündigt

Wie nicht anders zu erwarten war, zeigte sich schon kurz nach dem IBM-Announcement das übliche ,Kompatibilitäts-Syndrom. Produkt(...) von nach dem Token-Zugriffsverfahren arbeitenden lokalen Netzwerken signalisierten unter anderem der LAN-Spezialist Ungermann-Bass sowie die amerikanische Firma Bridge Communications.

Die Beweggründe, die IBM für die Notwendigkeit des Token-Ring-Konzepts ins Feld führt, wurden in der CW allerdings mehrfach heftig kritisiert. So schrieb Paul Hoffmann von der Abteilung Produktmanagement der Wetronik Automation in München im März 1985: "IBM stellt mittels geschickter grafischer Darstellungen immer wieder die angeblichen Performance-Vorteile des Token-Rings gegenüber dem Ethernet-Verfahren heraus. Dies soll ab etwa 40 Prozent der Netzbelastung der Fall sein. Wann aber diese 40prozentige Belastung bei welcher Anwendung erreicht wird, bleibt absolut offen."

Und in einem anderen Fabchbeitrag hieß es dazu: "Von IBM wurde (sicher nicht ganz zufällig) eine für das Ethernet-Konzept ungünstige, für den Token-Ring jedoch vorteilhafte Paketlänge gewählt." Setze man dagegen die Paketlänge niedriger an, was bei einem interaktiven Terminalverkehr ohnehin wahrscheinlicher wäre, wende sich das Blatt zu ungunsten des Token-Ring-Konzeptes.

Glaubenskriege entspannen sich im vergangenen Jahr auch an der Frage, wie es nach der Einführung von ISDN überhaupt um den LAN-Markt bestellt sein wird. Bernd Stehle beispielsweise, Leiter der Abteilung Datensysteme bei der Frankfurter Telenorma, sieht die Felle für LANs ganz eindeutig wegschwimmen. Seine kategorische Aussage in der COMPUTERWOCHE: "Den LAN-Konzepten der vergangenen Jahre fehlten die Marktstandards... Kein Wunder also, daß sich die Anwender zurückhielten. Zu oft hatten die Ankündigungen einiger Hersteller und Anbieter den tatsächlichen Leistungsumfang einer Lösung überspielt." Mit ISDN dagegen sehe die Sache ganz anders aus. Die Verabschiedung einer einheitlichen Norm gewährleiste, daß Investitionen der Anwender und Hersteller langfristig gesehen nutzbar blieben. Eine kostenintensive Neuverkabelung in Koax-Technologie sei nur in Teilbereichen gerechtfertigt - beispielsweise in der Produktionsautomation und auf dem CAD/CAM-Sektor. Mit 2x64-KBit-Nutzkanälen und seinem 16-Bit-Steuerkanal sei ISDN jedoch für alle kommerziellen Büroanwendungen mit Ausnahme der Bewegtbildübertragung die wirtschaftlichste und zukunftsträchtigste Alternative.

Andere Akzente in diesem Punkt setzt die Hamburger SCS. Ihre Prognose, die auch von anderen Fachleuten unterstützt wird, lautet: "Digitale Nebenstellenanlagen und LANs werden mit unterschiedlicher Rollenverteilung koexistieren."