Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

31.10.1975

Ob Bänder eine Seele haben?

MÜNCHEN - Unheimliche und unergründliche Medien sind Magnetbänder. Wer seine Erfahrungen mit ihnen gemacht hat, faßt so eine Spule nur noch unter Zwang und mit spitzen Fingern an.

Erstaunlich, unfaßlich erscheint es, welch seltsame Wandlungen Magnetbänder im Laufe ihres Daseins erfahren. Nehmen wir die Vorkommnisse in dem Unternehmen, in dem ich tätig bin:

Seit dem Jahre 1969 waren bei uns Magnetbandgeräte des Herstellers X installiert. Die Maschinen funktionierten gut, das Bandmaterial war erstklassig, die Magnetbandverarbeitung im Rechenzentrum ohne Probleme.

Mit den Jahren kam es zu einzelnen Störungen (Data-Checks) die schließlich immer häufiger wurden. In unserer Einfalt und Unerfahrenheit meinten wir, die allmählich altersschwach werdenden Maschinen seien der hohen Beanspruchung nicht mehr gewachsen. Weit gefehlt! Die Techniker des Herstellers X versicherten bestimmt und absolut glaubwürdig, daß nicht die Maschinen, wohl aber die Magnetbänder alt und fehlerhaft geworden seien.

Ehe wir uns zu einem Austausch des Bandmaterials aufgerafft hatten, wurden die Magnetbandlaufwerke im September 1973 durch neue, schnelle selbsteinfädelnde Magnetbandgeräte des gleichen Herstellers ersetzt. Die Maschinen funkelten und schnurrten, und wir schämten uns mit unserem schlechten Bandmaterial. Aber siehe da: Unsere alten Bänder waren ja auf einmal gar nicht schlecht! Keine Data-Checks gab es, kein Techniker beklagte sich mehr.

Bis zum Februar 1974. Da tauschen wir nämlich die Magnetbandmaschinen gegen ähnliche Geräte des Herstellers Y. Zwei Wochen lang waren unsere Magnetbänder mit dem Tausch zufrieden. Fehlerlos paßten sie sich den neuen Maschinen des neuen Herstellers an. Dann rebellierten sie. Sie produzierten Lese- und Schreibfehler in großer Zahl, sie dehnten und überdehnten sich, und die Techniken des Herstellers Y legten uns grimmig nahe, das Zeug endlich wegzuwerfen und gute Bänder einzusetzen.

Nicht so die Techniker des Herstellers Z, der uns dann ab Mai 1974 mit seiner Magnetband-Peripherie beglückte. Denn wieder geschah ein Wunder: Alle unsere so verwahrlosten, uralten Magnetbänder funktionierten vorbildlich. Einen Monat, 2 Monate, 10 Monate. Bis März 1975. Plötzlich wieder Data-Checks: Techniker - justieren - testen - wieder Fehler - justieren - prüfen - zusammenfassen: Bandmaterial ist Fehlerhaft. Unser laienhafter Einwand, daß vielleicht doch die Maschinen..., weil ja die Bänder..., wurde mit technischen Argumenten vom Tisch gefegt.

Wir kannten unsere Magnetbänder. Wir sind hart geblieben. Und wir taten gut daran. Denn seit Mai 1975 sind die gleichen Magnetbänder wieder von vorzüglicher Beschaffenheit. Auch die Techniker des Herstellers Z sind voll zufrieden.

Ob die Dinge vielleicht doch eine Seele haben? Oder haben Sie, geneigter Leser, eine andere Erklärung für die geheimnisvolle Wandlungsfähigkeit simpler Magnetbänder?

PS: Um Mißdeutungen vorzubeugen: Ein Magnetband-Reinigungsgerät war nicht im Spiel!

Maximilian Wieland ist Leiter EDV bei der Bayerischen Beamten- und Lebensversicherung a.G., München.