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Das Personalkarussell drehte sich 1992 schwindelerregend schnell (Schluß)


08.01.1993 - 

Ob Olsen, Lorentz oder Page: Die Aufsichtsraete kannten kein Pardon

So sehr die Wachabloesungen von DEC-Gruender Ken Olsen und Bull- Chef Francis Lorentz fuer Wirbel sorgten, so unspektakulaer verliefen zwei weitere Ruecktritte oberster Konzernchefs. Dass Karlheinz Kaske, seit 1981 Vorstandsprimus der Muenchner Siemens AG, sich 1992 aufs Altenteil zurueckziehen wuerde, war seit laengerer Zeit bekannt. Ebenfalls stand bereits seit rund 18 Monaten fest, dass Heinrich von Pierer (50), Jurist und Volkswirt, in seine Fussstapfen treten wuerde, nachdem er Mitte 1991 vom Aufsichtsrat des Elektronikriesen zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden gewaehlt worden war. Den Ernstfall konnte von Pierer schon im Januar letzten Jahres proben, als er seinen Chef auf der Jahresbilanz-Pressekonferenz des Konzerns vertreten musste, weil sich dieser Tage zuvor bei einem Sturz das Bein gebrochen hatte.

Am 1. Oktober 1992 trat der gebuertige Erlangener den Vorstandsvorsitz an - leicht wird er es nicht haben. Zum einen duerfte er unter dem Druck stehen, nahtlos an die Erfolge seines Vorgaengers anzuknuepfen. Immerhin konnte Kaske in seiner elfjaehrigen Amtszeit den Umsatz der Siemens AG mehr als verdoppeln, faedelte im Halbleiter-Bereich ueberlebenswichtige Kooperationen mit Toshiba sowie IBM ein und baute das US-Geschaeft aus. Zum anderen muss sich von Pierer ganz schnell etwas einfallen lassen, um die hoechst unrentablen Sparten Halbleiter und Siemens- Nixdorf auf Gewinnkurs zu bringen. Dass er nicht gewillt ist, Verlustgeschaefte ewig weiterzufuehren, stellte der neue Siemens- Chef in einem Interview mit dem "Manager Magazin" im September klar, indem er sagte: "In diesen Faellen werden wir mit aller Konsequenz daran arbeiten, den Turn-around zu schaffen. Wenn uns dies nicht gelingt, muessen wir uns auch andere Konsequenzen ueberlegen."

Noch weniger Aufsehen erregte der Machtwechsel, der in der Hewlett-Packard-Zentrale in Palo Alto ueber die Buehne ging. John Young, der 14 Jahre lang als Praesident und CEO bei HP das Sagen hatte, legte zum

1. November sein Amt nieder und zog sich aufs Altenteil zurueck. Dass die Ruecktrittserklaerung des HP-Obersten im Sommer letzten Jahres die Oeffentlichkeit nur wenig schreckte, lag daran, dass er aus Altersgruenden seinen Posten zur Verfuegung stellte. Seit 1983 naemlich gibt es bei Hewlett-Packard ein Fruehpensionierungsprogramm fuer Fuehrungskraefte, das ihnen vorschreibt, mit 60 Jahren in Rente zu gehen. Young hatte diese Altersgrenze im Laufe 1992 genauso erreicht wie Dean Morton, Executive Vice-President sowie Chief Operating Officer, der ebenfalls zum 1. November in den Ruhestand trat.

Youngs Nachfolger Lewis Platt (51) ist erst der dritte Vorstandsvorsitzende in der 53jaehrigen Geschichte des Unternehmens. Bis 1978 oblag die Leitung den Firmengruendern Bill Hewlett und David Packard, dann uebernahm Young das Steuer, der bis dahin dem HP-Bereich Mess- und Testinstrumente vorgestanden hatte. Mit Platt hat nun erstmals ein Computerprofi auf HPs Chefsessel Platz genommen.

In 26 Jahren Unternehmenszugehoerigkeit bekleidete er naemlich nicht nur verschiedene Posten in den Geschaeftsbereichen Medizin- und Analytiksysteme, sondern machte sich auch zunehmend mit der Computerszene vertraut.

Bei der letzten grossen Umstrukturierung Ende 1990, die nicht zuletzt mit Blick auf die 1992 anstehenden Pensionierungen stattfand, avancierte Platt zum Executive Vice-President der neukreierten Computer Systems Division, in der Workstations und Multiuser-Systeme angesiedelt wurden. Seitdem forcierte er nicht nur vehement die Unix-Aktivitaeten, sondern machte HP auch zu einem der Great Player im Workstation-Markt.

Platt war indes nicht der einzige Kandidat fuer den Job des HP- Vorstandsprimus. Hoffnungen hatte sich auch Richard Hackborn (55) gemacht, der ebenfalls seit zwei Jahren positiv aufgefallen war, nachdem man ihm die Leitung der neugegruendeten und fortan PCs, Drucker sowie Peripherie umfassenden Computer-Products- Organization (CPO) anvertraut hatte. Vor allem bei den Laser- und Tintenstrahldruckern konnte er zum Teil glaenzende Absatzzahlen vorweisen. Zwar blieb Hackborn der grosse Sprung letztlich verwehrt, immerhin aber wurde er gemeinsam mit Platt in den Verwaltungsrat berufen und nimmt laut David Packard, der als Chairman des Board of Directors fungiert, eine Schluesselrolle in Platts Managementteam ein.

John Young hat dem neuen HP-Chef ehrgeizige Ziele hinterlassen. Zum einen wollen die Kalifornier bei den professionellen Dienstleistungen besser ins Geschaeft kommen und verstaerkt bei der Systemintegration ein Woertchen mitreden. Zum anderen haben sie sich auf die Fahne geschrieben, in IBMs ureigenster Domaene, den Rechenzentren, auf Kundenfang zu gehen. Dazu erweiterte HP im Sommer die 9000-Serie um vier neue Server (890S/1, 890S/2, 890S/3 sowie 890S/4) und zeigte sich auch in Sachen Migrationshilfen von proprietaeren zu offenen Systemen ruehrig, um den RZ- Verantwortlichen den Umstieg vom Mainframe auf Client-Server- Umgebungen schmackhaft zu machen.

Fuer amerikanische Analysten haengt der Erfolg HPs dabei aber nicht nur vom Rechner- und Serviceangebot ab. Vielmehr, so Eric Fisher von der Fisher Systems Consulting in Groton, Massachusetts, muesse der Workstation-Spezialist seine Verkaufsstrategie aendern. "Wenn HP in direkter Kokurrenz zu IBM verkaufen will, muessen die Kalifornier tun, was IBM tut - naemlich Beziehungen zu den Vorstaenden der Unternehmen knuepfen. Platt sollte beispielsweise mit dem Chairman der Bank of America zu Mittag essen." Dafuer wird dem neuen Mann das richtige Haendchen nachgesagt. "Wenn es eine Sache gibt, die Platt versteht, dann ist es das Verkaufsgeschick eines CEOs", so Robert Herwick, Analyst bei Hambrecht & Quist Inc., San Franzisko. "Er bringt die noetige Aggressivitaet mit und hat den entsprechenden Anzug."

Eine andere Ruecktrittserklaerung im HP-Konzern sorgte fuer wesentlich mehr Ueberraschung. Vor wenigen Wochen - Platt hatte in den USA gerade sein Amt angetreten - gab HP-Deutschland-Chef Eberhard Knoblauch (57) bekannt, dass er zum 30. April 1993 seinen Posten abgeben und in den Aufsichtsrat wechseln werde. Sein Nachfolger steht bereits fest. Der 53jaehrige Joerg Menno Harms, seit 1968 fuer das Unternehmen taetig und seit 1988 Geschaeftsfuehrer - er leitet die Produktgruppe Medizinelektronik europaweit -, wird den Vorsitz der Geschaeftsfuehrung uebernehmen.

Mit Knoblauch zieht sich ebenfalls einer der "Altgedienten" von HP in ruhigere Gefilde zurueck. Der gebuertige Ludwigsburger, der sich aus gesundheitlichen Gruenden zu diesem Schritt entschlossen haben soll, stiess 1960 direkt nach seinem Studium im Alter von 25 Jahren zu Hewlett-Packard und setzte an zu einer steilen Karriere. Bereits neun Jahre spaeter wurde er zum Geschaeftsfuehrer bestellt, nach weiteren sechs Jahren stand er als Vorsitzender der Geschaeftsfuehrung ganz an der Spitze. Der HP-Topmanager ist eher ein ruhiger Vertreter seiner Spezies. Dennoch versaeumte er es nicht, immer wieder Seitenhiebe in Richtung Politiker auszuteilen, wenn er sich zur Wettbewerbsfaehigkeit des Industriestandortes Bundesrepublik aeusserte, oder auch deutliche Worte an die Adresse der Gewerkschaften zu richten. So lehnte er beispielsweise 1990 die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich kategorisch ab mit der Begruendung, dies werde zu Konkurrenznachteilen fuehren. Ein Jahr spaeter erboste er sich ueber die angekuendigte Anhebung der Unternehmensbesteuerung und kreidete Politikern an, nicht zu ihrem Wort zu stehen.

1990 kuerte das Kronberger Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC Deutschland GmbH den Diplomkaufmann zum "Computermann des Jahres". In der Laudatio wurden unter anderem seine bodenstaendigen schwaebischen Tugenden wie Bescheidenheit, Zuverlaessigkeit sowie Kreativitaet, gepaart mit Offenheit und Zugaenglichkeit gegenueber seinen Mitarbeitern, hervorgehoben. Bodenstaendig ist Knoblauch wirklich: Wenn er im Mai in den Aufsichtsrat wechselt, hat er bereits 33 Jahre HP-Zugehoerigkeit auf dem Buckel.

Keineswegs freiwillig stellte Helmut Blank im Mai 1992 seinen Geschaeftsfuehrerposten bei der Next Computer Deutschland GmbH in Ismaning bei Muenchen zur Verfuegung. In einer Nacht-und-Nebel- Aktion wurde er genauso gefeuert wie acht seiner Mitstreiter der ohnehin nur zwoelf Angestellte umfassenden deutschen Filiale.

Eine Ueberreaktion von Steven Jobs, der den Workstation-Hersteller 1985 gegruendet hatte, soll es gewesen sein, der zu dem spektakulaeren Umsturz fuehrte. Die wahren Gruende wurden nie bekannt. Vermutlich aber nahm der legendaere Apple-Mitbegruender und Computervisionaer, dem ein nicht unerhebliches Mass an Launenhaftigkeit nachgesagt wird, Blank uebel, sich bei seinen selbstgesteckten Absatzzielen gehoerig verschaetzt zu haben. Schon bei seinem Debuet als Geschaeftsfuehrer der damals gerade gegruendeten Deutschland-Dependance auf der CeBIT 1991 prognostizierte der ehemalige Apollo-Manager fuer das laufende Kalenderjahr einen Absatz von rund 5000 Next-Rechnern. Obwohl Ende 1991 erst 4000 der schwarzen Design-Computer an den Kunden gebracht worden waren, hatte Blank keine Bedenken, fuer 1992 einen Verkauf von rund 18 000 Next-Workstations in Aussicht zu stellen.

Vollmundigen Worten konnte der deutsche Next-Statthalter aber letztlich keine Taten folgen lassen - zu gering die Akzeptanz der Anwender, zu undurchsichtig die Marketing-Strategie der Next- Mannschaft. Bereits zu Beginn letzten Jahres revidierte Blank seinen Absatz-Forecast 1992 erst auf 12 000, dann auf 8000 Rechner. Auf fehlende Umsaetze und Gewinne reagiert indes jeder Firmenchef: So fackelte Jobs nicht lange und setzte Blank mit seiner gesamten Vertriebsmannschaft vor die Tuer. Die Position des geschassten Marketiers uebernahm Michael Gobran, bis dahin geschaeftsfuehrender Gesellschafter des Next-Wiederverkaeufers AMG Industrie Consulting GmbH, Dortmund.

Lange aber durfte es sich der 26jaehrige nicht auf dem Chefsessel in Ismaning bequem machen. Dass er fuer Steven Jobs wohl nur eine Interimsloesung gewesen war, kapierte Gobran spaetestens im August, als sich naemlich der neue Europa-Chef Bernhard Woebker und der fuer die europaeischen Finanzen zustaendige Herbert Schwab als Geschaeftsfuehrer von Next Deutschland ins Handelsregister eintragen liessen. Gobran wurde immerhin noch die Position des Vertriebsleiters in Ismaning angeboten, die lehnte er aber dankend ab und kehrte nach Dortmund zu seiner AMG zurueck. Die Verantwortung fuer den Vertrieb uebernahm schliesslich Karl Klarmann (38), den man von der im Maerz an Silicon Graphics verkauften Mips Computer zu Next geholt hatte.

Helmut Blank hat sich von seinem misslungenen Next-Abenteuer laengst erholt. Er heuerte bei der noch weitgehend unbekannten GFT Gesellschaft fuer Technologietransfer mbH, St. Georgen, an, die sich seit

ihrer Gruendung 1987 mit der Erstellung objektorientierter Software-Entwicklungswerkzeuge auf Basis grafischer Benutzeroberflaechen befasst. Der ehemalige Next-Verkaufsstratege soll von Muenchen aus nun die Vertriebsaktivitaeten der Schwarzwaelder, die sich bislang ueberwiegend im Projektgeschaeft betaetigten, betreuen und forcieren. Ueber Kooperationen mit namhaften Hard- und Softwareherstellern will man im Markt fuer objektorientierte Entwicklungswerkzeuge, der noch in den Kinderschuhen steckt, schon bald eine fuehrende Position einnehmen.

Ein denkwuerdiges Jahr erlebte einmal mehr Juergen Tepper. Sein Traum, mit der neuen Pen-Computing-Technologie fuer den amerikanischen Newcomer Momenta ganz Europa zu erobern, zerplatzte im vergangenen Juli wie eine Seifenblase. Da naemlich drehte die kalifornische Mutter - von ihren eigenen Investoren in den USA im Stich gelassen - dem 49jaehrigen den Geldhahn zu, und Tepper musste fuer die Momenta Computer GmbH in Frankfurt Konkurs anmelden. Das Debakel, das die Illusionen des findigen Europa-Managers quasi ueber Nacht zerstoerte, hatte sich allerdings schon Wochen zuvor angekuendigt. Im Mai 1992 setzten die Momenta-Financiers Firmengruender Kamran Elahian ab, weil die Absatzerfolge des mobilen Stift-Computers Pentop mehr als spaerlich waren und die Investoren um ihr Geld fuerchteten. Der gebuertige Iraner Elahian hatte sich in seiner Pentop-Euphorie genauso verschaetzt wie zahlreiche Marktforschungsinstitute, die den Stifte-PCs fuer 1992 glaenzende Verkaufsaussichten prophezeit hatten, dann aber nach und nach ihre Absatzprognosen nach unten revidieren mussten.

Fuer Elahian holten die US-Financiers den PC-Profi Del Yocam an Bord, um zu retten, was noch zu retten war. Yocam eilte der Ruf voraus, Problemprodukte erfolgreich in den Markt bringen zu koennen, nachdem ihm dies zuvor bei Apple schon einige Male gelungen war. Momentas Geldgeber begingen allerdings den taktischen Fehler, den Ex-Apple-Topmanager mit finanziellen Versprechungen zu locken, die sie dann nicht einhielten. Folge: Nach wenigen Wochen warf Yocam bereits wieder das Handtuch.

Tepper hatte schon 1991 Pech mit seinem Engagement bei AT&T gehabt, als er beauftragt wurde, fuer den New Yorker Telefonriesen das europaeische Computergeschaeft aufzubauen. Der Konzern kaufte dann aber NCR auf, was seinen Job obsolet machte. Doch auch durch diese Pleite liess sich Tepper nicht unterkriegen. Seine guten Kontakte in den USA bescherten ihm schon drei Monate spaeter mit der Radius Inc., Hersteller von Monitoren und Erweiterungskarten fuer Apple-Computer, einen neuen Arbeitgeber. Mit ihm als Europa- Chef wurde zum 1. Oktober 1992 in Frankfurt die Radius GmbH aus der Taufe gehoben, die auch als europaeische Zentrale fungiert. Tepper soll auf dem Alten Kontinent das Distributorennetz der US- Company ausbauen und den Umsatz steigern. Bislang nimmt sich der Europa-Anteil mit 35 Millionen Dollar am Gesamtumsatz von rund 170 Millionen Dollar im Geschaeftsjahr 1991/92 eher bescheiden aus.

Drehte sich bei einigen Hardwareherstellern 1992 das Personalkarussell schwindelerregend schnell, so blieb es in den Vorstandsetagen der Softwarehaeuser ruhig. Bis sechs Wochen vor Jahresschluss - da krachte es erst bei der Software AG, dann im Debis-Konzern. Am 19. November sagte Vorstandsmitglied Peter Page der Software AG ueberraschend ade, allerdings keineswegs aus freien Stuecken. Der Aufsichtsrat des Darmstaedter Softwareriesen hatte dem 53jaehrigen Diplomingenieur, der fuer die Bereiche Marketing, Vertrieb und Entwicklungsprojekte verantwortlich zeichnete und immerhin seit 22 Jahren fuer das Unternehmen taetig war, den Stuhl vor die Tuer gestellt.

Warum es zu dieser ploetzlichen Trennung kam, darueber scheiden sich die Geister. Der Betroffene selbst nannte als Grund seine Ankuendigung, dem Unternehmen nur noch vier Jahre lang zur Verfuegung stehen zu wollen (siehe CW Nr. 50 vom 11. Dezember 1992, Seite 7). Aus internen Kreisen verlautete jedoch, dass es zwischen Page und dem Vorstandschef Peter Schnell immer groessere Unstimmigkeiten ueber die Art der Geschaeftsfuehrung gegeben habe. Auch sei es durch die Ende Oktober vereinbarte Kooperation mit dem Konkurrenten SAP, in deren Rahmen die Software AG den Walldorfern unter anderem ihr Datenbank-Management-System Entire SQL-DB gegen Lizenzgebuehren zur Verfuegung stellt und die vor allem auf Betreiben Pages zustande kam, zu Differenzen zwischen den beiden Topmanagern gekommen.

Wer die Luecke, die Page bei der Software AG zweifellos hinterlaesst, schliessen soll, ist noch nicht bekannt. Fraglich ist zum jetzigen Zeitpunkt auch, ob der Posten des 53jaehrigen ueberhaupt in dieser Form wieder besetzt wird. Konkrete Vorstellungen scheinen Firmengruender Schnell noch abzugeben. Den Kunden soll er mitgeteilt haben, dass statt eines Ansprechpartners auf hoechster Ebene kuenftig mehrere unterhalb des Vorstands angesiedelte Spezialisten zur Verfuegung stuenden. Aus dem Unternehmen sickerte indes durch, dass Schnell auf der Suche nach einem "Externen" fuer diesen Job ist. Zunaechst einmal wurden Pages Zustaendigkeiten auf die drei anderen Vorstandsmitglieder verteilt. Offen ist auch noch, wie der ehemalige "Mister Software AG" seine weitere berufliche Zukunft gestalten will.

Fuer Wirbel sorgte nur zwei Wochen spaeter auch die Ankuendigung von Kaj Green, Mitglied der Geschaeftsleitung der Debis Systemhaus GmbH und Vorsitzender des gemeinsam mit der Cap Gemini Sogeti (CGS) gegruendeten Softwareherstellers Cap Debis, beim Debis-Konzern zum Jahresende auszuscheiden (siehe CW Nr. 50 vom 11. Dezember 1992, Seite 3). Ueberraschend indes kommt der Entschluss des Schweden nicht. Zu lange hatte es bereits zwischen Green und Karl-Heinz Achinger, Chef der Debis Systemhaus GmbH, geschwelt. So soll Achinger Insidern zufolge seinen Mitstreiter immer wieder gemassregelt haben, wenn sich dieser seiner Meinung nach in der Oeffentlichkeit zu sehr in den Vordergrund draengte. Auffaellig war auch, dass sich beide bei gemeinsamen Auftritten auf Pressekonferenzen oder Symposien keines Blickes wuerdigten.

Mit Green, der seit 1979 in den Diensten der Cap Gemini Sogeti steht und Group Vice-President des Pariser Software- und Serviceriesen ist, geht Debis ein wahrer Restrukturierungskuenstler verloren. Konnte der heute 50jaehrige schon 1990 sein Organisationstalent in Deutschland unter Beweis stellen, indem er die von den Franzosen zugekaufte Hamburger SCS Scientific Control GmbH mit der Muenchner Cap Gemini Sesa zusammenfuehrte, so machte er mit der Formierung der Cap Debis Software und Systeme seinen Meister. Nachdem naemlich die Daimler-Tochter Debis AG im Juli 1991 rund 34 Prozent an der CGS-Mutter Sogeti S.A. erworben hatte und eine strategische Allianz zwischen Debis und Cap Gemini Sogeti vereinbart worden war, fiel es Green zu, aus der Cap Gemini SCS sowie Teilen des Debis Systemhauses ein wohlstrukturiertes Unternehmen zu machen und auf Kurs zu bringen. Im Januar 1992 lief die Cap Debis Software und Systeme vom Stapel und schwimmt Insidern zufolge in sicheren Gewaessern, sprich: ist profitabel.

Kurz vor Weihnachten schliesslich gab Kaj Green noch bekannt, dass er auch der Cap Gemini Sogeti den Ruecken kehren wird. Obwohl CGS- Chef Serge Kampf dem dynamischen Skandinavier gleich zwei Angebote unterbreitet hatte, um ihn zu halten, will sich Green in seiner schwedischen Heimat in einem neuen Unternehmen versuchen. Kuenftig wird der 50jaehrige Topmanager bei der Stockholmer Kommun Data den Chefsessel besetzen.