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SEAS-Benutzertreffen durchleuchtet IBM-Politik:


04.11.1983 - 

"Object-Code-0nly" verliert seinen Schrecken

OXFORD - Ende September 1983 fand in Oxford die Jahrestagung der IBM-Benutzergruppe Share European Association (SEAS) statt. Mit mehr als 150 Vorträgen wurde den Teilnehmern ein aktueller Querschnitt aber gegenwärtige und zukünftige Computeranwendungen aus allen Bereichen der Informationstechnologie geboten. Dr. Hagen Hultzsch, Präsident der SEAS, berichtet in seinem Beitrag über den Verlauf der Tagung und deren wichtigste Ergebnisse.

Siebzehn Nationen aus Europa, dem Mittleren Osten und USA repräsentierten etwa 480 Teilnehmern. Unter den vielen Diskussionspunkten war die neue Distributionspolitik von IBM in Softwarebereich (Objekt Code Only) besonders wichtig für die zukünftigen Belange der Computeranwender. Den Delegierten erläuterten Dick Herodes, Direktor für Programming Systems bei IBM, daß der Marktführer auch in Zukunft die Interessen solcher Anwender anerkennen wird, die weiterhin auf eine eigene Modifikation an existierender und zukünftiger Software angewiesen sind.

Für die meisten existierenden Softwareprodukte werden lediglich spezielle vertragliche Vereinbarungen erforderlich sein, um in den Besitz des QueIlcodes zu kommen. Nur ein sehr kleiner Teil neuerer Software-Produkte ist von der "Objekt Code Only-Distribution" betroffen.

Für die Verteilung von Software wird es in Zukunft mehrere Kategorien geben:

- Keine Restriktionen - keine Änderungen an der existierenden Distributionspolitik

- Restriktiv - Quellcode wird nur aufgrund von klaren Vertragsvereinbarungen an den Anwender weitergegeben

- Object Code Only - keine Weitergabe von Quellcode, wobei sich diese Verteilungspolitik lediglich auf neuere Entwicklungen in den Bereichen Datenbanken und Programmiersprachen bezieht.

- Mischung von Restriktiv und Object Code Only - Teile der Software unterliegen der OCO-Regelung während andere nur restriktiv als Quellcode weitergegeben werden.

Obwohl der Schutz der Investitionen in die Softwareentwicklungen als Teil dieser komplexen Struktur verstanden worden ist, sind die Interessen der Anwender besonders stark zu berücksichtigen, insbesondere auch deshalb, weil ihre Investitionen und damit die Nutzung entwickelter Programmpakete in äquivalenter Weise zu schützen sind.

Deshalb wurde vom SEAS Executive Board besonderer Wert auf eine klare Definition und ausreichende Bereitstellung von "User Exits" an der geschätzten Software gefordert, so daß auch in Zukunft bei "Object Code Only"- Software anwenderspezifische Adaptionen möglich sind. Bezüglich der limitierten Weitergabe (Restricted Distribution) von Quellcode steht jedem Anwender die Möglichkeit offen, entsprechende vertragliche Vereinbarungen zu schließen, die ihm dann auch die Verfügbarkeit des Quellcodes garantieren.

Dick Herodes hat ebenfalls erläutert, daß die neue Verteilungsstrategie in keiner Weise fixiert bleiben muß, wie sie einmal implementiert wurde. Als Beispiel führte er VS-Basic an, das ursprünglich "Object Code Only"-Software sein sollte. In der Zwischenzeit ist der Code jedoch als Restricted Material verfügbar, da die ursprüngliche Distributionsstrategie an der Praxis scheiterte.

Expertensystem - richtig oder falsch

Zwei konträr gegenüberstehende Ansichten wurden in den beiden Vorträgen von Harry C. Reinstein, IBM Paolo Alto Scientific Centre, und Professor Fred Brooks, University of North Carolina, zum Themenkreis "Expert Systems" vorgebracht. Reinstein sieht in den gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklungen von Expertensystemen eine generelle Zielsetzung durch Computerunterstützung Problemlösungen anzubieten, die normalerweise nur von hochqualifizierten Spezialisten erreicht werden können.

Nach seiner Auffassung werden die Expertensysteme den Kenntnisstand und die damit verbundenen problemabhängigen Daten mit den problemunabhängigen Programmen verknüpfen, die extrem abhängig von der jeweiligen Datenstruktur sind. Dies bezeichnet er als "Interferenzmaschine".

Solche Systeme werden den Endbenutzer in die Lage versetzen, qualifizierte Lösungen zu entwickeln, die naturgemäß den normalen Überlegungsprozeß erheblich effizienter gestalten werden. Die Entwicklung solcher Systeme wird die Einbeziehung von Systemkonstrukteuren erforderlich machen, die ihrerseits Experten in bestimmten Anwendungsbereichen sind. Schließlich werden die "Bereichsexperten" sich an die Gesamtstruktur der Systemtechnologie adaptieren und damit die Implementierung sehr komplexen Expertensysteme möglich machen.

Professor Brooks warf dagegen die Frage auf, ob die Computersysteme tatsächlich die Produktivität des "Management" erhöhen würden. Unter der Voraussetzung, daß "Management" im wesentlichen aus der Analyse komplexer Zusammenhänge, der Konzeption und Überzeugungstechnik, sowie aus dem Verfolgen einmal eingeschlagener Zielsetzungen besteht, glaubt er, daß die Aufgabenteile, die durch Computerunterstützung automatisiert werden können, lediglich im Bereich von zehn Prozent der Arbeitsleistung eines "Managers" liegen. Er glaubt nicht, daß die komplexen Faktoren im Entscheidungsprozeß, die tatsächlich die 90 Prozent des Expertensystems ausmachen müßten, durch Computerisierung ersetzt werden können.

In seinem Bericht über die Untersuchungen an fünf ausgewählten europäischen wissenschaftlich technischen Anwendungen in großen Rechenzentren erläuterte A. L. Lim vom IBM-Labor in Kingston (USA) die Beiträge, die als Ergebnis dieser Analyse die Strukturen zukünftiger Rechnerarchitekturen und Rechnerimplementierungen beeinflussen werden.

Die Übersicht schloß Strukturanalyse, Teilchenphysik, Aerodynamik und andere Simulationen ein. Mit dem Projekt wurde ein konsistentes Muster von verschiedenen Anwendungen untersucht, das representativ für ein breites Spektrum von technisch-wissenschaftlichen Aufgabenstellungen darsteht.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten deutlich den Zuwachs in der Problemgröße, die sich im Verlaufe der Untersuchung ergeben hat. Ebenfalls wurde der komplexe Zusammenhang zwischen Durchsatzleistung und Ein-/Ausgabeanforderungen erkannt. Sehr große virtuelle Adreßräume werden jetzt stärker in die Überlegungen zur Strukturierung von geeigneten Rechnerorganisationen herangezogen werden. SEAS hat sich in der Vergangenheit in diesem Gebiet besonders engagiert. Die Ergebnisse der Anwendungsuntersuchungen bestätigen die Forderung des SEAS High Performance Processing Projekts nach Verfügbarkeit von Hochleistungsrechenkapazität.

In den Gesprächen mit SEAS APL-Projekt wurde deutlich, wie schwierig der Stand vom APL an den Großrechenanlagen in Zukunft sein wird. Mit der kürzlichen Ankündigung von APL für den Personal Computer und dem zugehörigen "Statement of Intendu" wird jedoch deutlich, daß Schnittstellen zwischen APL und dem relationalen Datenbanksystem DB/2 verfügbar sein werden.

PC evolutioniert Büroautomatisierung

Nachdem ebenso zukünftige Versionen wie APL die Möglichkeit haben werden, generelle Felder, beispielsweise auch relationale Tabellen, zu behandeln, wird in dieser Weise ein ausgesprochen effizientes interaktives APL-System verfügbar sein, wie es sich der Endbenutzer und der Anwendungsentwickler bereits seit langer Zeit in Form von "Requirements" der Benutzerorganisationen gewünscht hatten.

Mit dem Vortrag von F. van Arkel vom IBM International Education Centre in La Hulpe (Belgien) wurde die evolutionäre Rolle des Personal Computers in der Büroautomatisierung und bei der elektronischen Kommunikation hervorgehoben. Nicht die Frage neuer Funktionen, meint er, sondern die Anwendungs-Ökonomie werden zum Einsatz vieler neuer Einheiten führen, wobei die Nutzung eines sehr breiten Spektrums von Software und die unmittelbare Hardwareverfügbarkeit für den Endbenutzer im Vordergrund stehen,

Die meisten Aufgabenstellungen im Büro - Datenerfassung, Abspeicherung, Editieren, Wiederauffinden - können vom Personal Computer ausgeführt werden. Obwohl das Gerät gegenwärtig meist nicht integriert eingesetzt wird, zeigt die zukünftige Software deutlich in Richtung von Integration.

Die Anwendungen werden zusammen mit den Informationen durch Integration lokal verfügbar gemacht. Dabei wird neben den existierenden Kommunikationsprotokollen ein breites Spektrum anderer Übertragungstechniken unterstützt werden müssen, so daß beliebige Anschaltfunktionen möglich werden. Neu ist, daß ebenfalls überlegt wird, Produkte auf der Basis des IBM Personal Computer als strategische Workstations an den IBM 8100 verfügbar zu machen.

James Donahue von IBM sprach zum Thema "Large Systems View of Office Automation". Während er das generelle Wachstum der Automatisierung durch Computer behandelte, stellte er die durch die Datenverarbeitung erreichten Produktivitätsverbesserungen in den organisatorischen Bereichen den bisher nur unvollständig von DV-Technologien unterstützten Bereichen "Management" und "Ingenieur-Disziplin" gegenüber.

Renaissance der Großrechner

Den Grund darin sieht er in der historisch stark durch die Textverarbeitung geprägten Fortschritten in der Büroautomatisierung. Zukünftige Entwicklungen werden die Arbeitstechniken auch in anderen Bereichen jedoch revolutionär verändern. Das gegenwärtige Transportieren von Informationen auf Papier wird vollständig durch elektronische Medien ersetzt werden, die dem Benutzer im Prinzip die gleichen Techniken der Archivierung, des Wiederauffindens und Vergleichens von Informationen ermöglicht. Wesentliche Voraussetzung einer solchen technologischen Veränderung sind:

- Einzelne Terminals mit einem Zugriff auf vielfache Datenbanken und Computersysteme weltweit

- Text muß in einfacher Weise mit Grafik, Bildern und Stimme verknüpft werden können und in gleicher Weise einfach zugreifbar sein - Antwortzeiten im Bereich von Bruchteilen einer Sekunde müssen Standard werden, um die Produktivität und Reaktionsfähigkeit des Anwenders uneingeschränkt wirken zu lassen.

In seiner Zusammenfassung hob Donahue hervor, daß alle diese Anforderungen zu einem ganz erheblichen Wachstum im Großrechnerbereich führen werden. Die Großrechner werden eine essentielle Funktion nicht nur bei der Kontrolle, bei der Verwaltung und beim Service von Datenbanken ausüben, sondern auch selbst die riesigen Kommunikationsnetzwerke, die sich in der Zukunft entwickeln werden, verwalten und koordinieren.

Engpässe in der Datenkommunikation

Louis Pouzin vom Centre Nationale d'Etudes des Telecommunications (CNET) berichtete in seinem Vortrag "Progress and Roadblocks in the Future of Data Communication" über die vielen Schwierigkeiten, die heute noch den "Mann auf der Straße" davon abhalten, Computersysteme effizient zu nutzen. Ganz erhebliche Umstrukturierungen werden seiner Auffassung nach erforderlich sein, um die große Breite von Menschen an die effiziente Nutzung von Computern heranzubringen.

Gegenwärtige Systeme werden abgelehnt, weil sie für den Nichtcomputerspezialisten, der keine Möglichkeit hat, sich gegen diese Schwierigkeiten zu wehren, immer noch zu unhandlich und unverständlich in die Bedienung sind.

Pouzin sieht eine Notwendigkeit in der Entwicklung von Systemen, die sowohl im Labor, im Büro als auch in der Privatsphäre eingesetzt werden können, wobei gleichartige Bedienungsstrukturen erreicht werden müssen. Obwohl er erwartet, daß die Datenkommunikation erheblich erleichtert wird, glaubt er trotzdem erhebliche Engpässe in den gegenwärtig sichtbaren Diensten zu sehen.

Während heute noch eine Kommunikation über klassische Telefonleitungen im Vordergrund steht, werden die massiven Investitionen, die erforderlich sind, die Einführung von digitalen Techniken bei der Datenübertragung erheblich verzögern. Von den gegenwärtig aufgebauten öffentlichen Netzwerken glaubt er, daß sie in Wirklichkeit nicht öffentlich sind, weil sie keine allgemeinen Verzeichnisse, keine allgemein zugängliche Unterstützungsfunktion und keine öffentlichen Terminals zulassen.

Eine augenfällige Anforderung ist seiner Auffassung nach ebenfalls eine wirkliche und praxisnahe Standardisierung. Die V.24-Schnittstelle war recht erfolgreich, weil sie ihn ihrem Funktionsspektrum limitiert war auf die Übertragung von Bits. Der Trend in Richtung X.25 war exakt entgegengesetzt. Es ist ein System in sich selbst, das Tausende von Worten zur Beschreibung der Logik und seiner Austauschpakete anfordert. X.25 führte deshalb zur Mehrdeutigkeit und erforderte ein breites Spektrum von Optionen für spezielle Anwendungen und spezielle nationale Aufgabenstellungen.

Regeln für die Anwendungen könnten verglichen werden mit einem Satz von Limitierungen, die mehr auf den praktischen Einsatz als auf Gerätestrukturen zugeschnitten sind. In dieser Weise haben die Postverwaltungen die Spielregeln festgesetzt und waren diejenigen, die von diesen Spielregeln profitierten.

Anmerkung: Eine ausführliche Wiedergabe der Konferenzbeiträge wird innerhalb von drei Monaten in den SEAS Proceedings verfügbar sein, die von SEM Headquarters, Toernooiveld 1, NL-6525 Ed Nijmegen, Holland, bezogen werden können.