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08.06.1984 - 

Big-Blue-Politik gilt als User-unfreundlich und wettbewerbsfeindlich:

"Object-Code-only" frustriert IBM-Anwender

FRAMINGHAM (hh) - IBMs Object-Code-Politik verunsichert immer noch die Anwender. User, die ihre Systemsoftware nicht modifizieren, fühlen sich durch die Restriktionen zwar nicht tangiert, Aussagen anderer Nutzer jedoch belegen, daß dieses Sujet nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat. Vor nahezu einem Jahr beschloß die IBM, daß sie die Verfügbarkeit des Quellcodes verschiedener Systemsoftware restriktiver handhaben möchte. Der Computer-Riese beabsichtigte, mit dieser Politik seine Software zu schützen, insbesondere vor den Japanern (CW berichtete).

Darüber hinaus zielten die Restriktionen auf eine Verringerung der Probleme, die durch Veränderungen der Systemsoftware auf Benutzerseite hervorgerufen wurden. Zwar sei, so berichtet die CW-Schwesterpublikation COMPUTERWORLD, ein stillschweigender Waffenstillstand über dieses Problem zwischen der IBM-Gesellschaft und dem Hersteller vereinbart, aber dennoch läßt sich eine Unzufriedenheit innerhalb der Anwendergemeinschaft über diese vielfach als einseitig angesehene Politik nicht leugnen. So bezeichnet eine Studie im Auftrag der IBM-Benutzergruppe Share, die über 100 Interviews auswertete, die "Object-Code-only" -Politik des Computerherstellers immer noch als emotional aufgeladen und kontrovers.

In einem Papier der Association of Data Processing Service Organizations (Adapso) wurde kurz nach Bekanntgabe dieser neuen Politik die Befürchtung geäußert, daß einige Software-Manufakturen durch diese Vorgehensweise ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt würden. Die IBM-Praxis wurde als wettbewerbsfeindlich dargestellt. Bis heute sind die Adapso und die IBM in Gespräche über die Restriktionspolitik engagiert, dennoch gibt es keine Statements über den aktuellen Stand der Dinge.

Verschiedene Anzeichen deuten allerdings darauf hin, daß die IBM bemüht ist, mit Anwendern, die durch die Restriktionspolitik Probleme haben, wieder ins reine zu kommen. In kontrollierten Situationen, so heißt es aus Amerika, würden bestimmte Quellcode-Materialien zur Verfügung gestellt. Dennoch fürchten viele Anwender, daß IBM diese Kooperationsbereitschaft nur vorgebe, um die Situation zu beruhigen.

Unter dem Bewußtsein, daß sie selbst an der IBM-Politik nichts ändern können, verzichten viele User auf Modifikationen ihrer Systemsoftware. Dabei treten verschiedene

Randprobleme auf. So ist es beispielsweise ohne den IBM-Source-Code nur unter großen Mühen feststellbar ob ein Fehler, der bei einem Einsatz von standardisierter Software auftritt, durch das Paket oder die IBM-Software verursacht wurde. Dabei scheint der Kampf nach Meinung der COMPUTERWORLD erst jetzt in die heiße Phase ZU kommen.

Denn immer mehr Produkte unterliegen der neuen Politik. So hat die IBM, als sie die Restriktion im Februar 1983 ankündigte, damals nur zehn Produkte mit dem Bann belegt. Inzwischen ist diese Zahl nach Auskunft eines amerikanischen IBM-Sprechers auf 65 angewachsen.

Alarmiert zeigen sich die Insider vor allem im VM-Bereich. Es gilt als sicher, daß das nächste Release des Betriebssystems, daß im Sommer erwartet wird, den Restriktionen bereits unterliegt.

Offizielle Stellungnahmen des Marktführers zu diesen Spekulationen gibt es zwar nicht, aber ein US-Sprecher Big Blues räumte ein, daß es das Ziel des Unternehmens sei, die Politik weiter zu verfolgen, wenn möglich, ohne den Anwender über Gebühr zu beanspruchen. Der Sprecher bestätigte indes, daß auch die Anwender von DOS/VSE mit gewissen Restriktionen rechnen müssen, wenn das Release 2.1.0 ausgeliefert wird. Andere weit verbreitete Produkte, die unter diese Politik fallen könnten, sind JES2 und JES3, SQL/DS sowie die VM/XA-Migrationshilfe.

Gerüchte behaupten darüber hinaus, daß auch IBMs CICS-Teleprocessing-Monitor demnächst unter diese Restriktionen fallen wird.