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28.03.1986

ÖBiFeZ und ein teures Textsystem:Sony schlaucht mit altem Wein

HANNOVER (CW) - Wer von Japans Video- und Fernsehinnovator Sony auch auf dem Gebiet Computer Neues erwartete, konnte sich einen Besuch auf dem Stand des Walkman-Erfinders getrost sparen. Von den "Neuheiten", die das Unternehmen im CeBIT präsentierte, was ein fast 10000 Mark teures Textverarbeitungssystem unter CP/M 2.2 noch die aufregendste.

"Bürokommunikation mit Sony - Spaß mit System" lautete der Slogan, mit dem der Videospezialist versuchen wollte, Rechtsanwälten, Notaren und Selbständigen ein schon drei Jahre altes Miniaturcomputerchen schmackhaft zu machen. "Modell 10" nennt sich das Produkt, das äußerlich stark an einen Macintosh mit zwei Laufwerken erinnert, technisch allerdings herzlich wenig mit demselben gemein hat.

Es läuft unter dem betagten Betriebssystem CP/M 2.2 und kann nichts als Texte verarbeiten. Für die Kombination CP/M und 3,5-Zoll-Mikrofloppy gibt's halt kaum Software. An einen Matrixdrucker kann man das Modell 10 nicht anschließen - nur an bestimmte Typenrad- und Laserdrucker, darunter die von Ricoh hergestellten Sony-Printer. Der Apparat mit dem 9-Zoll-Schwarzweißmonitor kostet dafür wenigstens viel Geld - nämlich 9800 Mark einschließlich Typenraddrucker (20/40 Zeichen pro Sekunde) und deutscher Software.

Mehr Bedeutung innerhalb der Firmenstrategie als dem Textzwerg mißt Masahiko Morisono, als Vizepräsident der Sony Corp. für Forschung und Entwicklung verantwortlich, aber dem Konzept Sios (Sony Integrated Office System) bei: "Sios dämmt die Papierflut und steht im Büro von morgen" war während Morisonos Messe-Referat, überdimensional vom Großbildprojektor an die Wand geworfen, zu lesen.

Und auch Dr. Ron Sommer, deutscher Geschäftsführer, schreckte nicht davor zurück, die Uraltvokabel vom "papierlosen Büro" in den Mund zu nehmen. Sios - das ist der Prototyp eines Büroinformationssystems, in dessen Mittelpunkt ein 3,3-Gigabyte-Optikspeicher und ein Scanner stehen. Doch die wirklich interessanten Funktionen werden am Stand vorgeführt - etwa Übernahme von gescannten Texten in die Weiterbearbeitung.

Weitere Ausstellungsstücke bei Sony: ein MSX-II-Videocomputer für die Steuerung interaktiver Videosysteme, neue Großbildprojektoren, die sich automatisch an die Bildfrequenzen von Mikros und Mainframes anpassen, und "ÖBiFeZ", die Öffentliche Bild-Fernsprech-Zelle. Auf den Postminister hält Ron Sommer überhaupt große Stücke, auch wenn ihm ein öffentliches Lob auf Schwarz-Schillings Politik allgemeine Heiterkeit im Saale einbrachte. Immerhin wäre Sony einer der Hauptnutznießer, wenn zusätzliche private Rundlunkanbieter in der nächsten Zeit auf den Markt gelassen würden.

Für Video-Interessierte gab es allerdings schon einen Leckerbissen auf dem 1 000-Quadratmeter-Stand der Japaner: Kompakte Kameras auf Basis des CCD-Chips. Sony hatte vorgesorgt, daß man sich an dem Stand in der Halle 6 nicht tottrat und die Fläche gegenüber 1985 mehr als verdoppelt.